Der Spaßnobelpreis
Alles zum Wohle der Menschheit: Deutsche Wissenschaftler erforschten den exponentiellen Zerfall von Bierschaum und die Druckverhältnisse bei kotenden Pinguinen. Dafür gibt es sogar einen internationalen Preis. Klingt komisch, ist aber so.
Ein Beitrag von Simon Kerbusk
Bald ist es wieder soweit, die Türen des viktorianischen Sanders Theatre werden sich öffnen, das Publikum wird sich gespannt auf die gepolsterten Holzbänke setzen. Wer sich auskennt in der Harvard University und hier häufiger zu Gast ist, wird die vielen Papierflieger auf dem Boden bemerken, wer zum ersten Mal das Sanders Theatre betritt, achtet wohl mehr auf die edle Holzvertäfelung an der Wand oder die ehrwürdigen Statuen neben der Bühne.
Und dann, dieses Jahr am 5. Oktober, werden die Spaßnobelpreise verliehen. Echte Nobelpreisträger halten die Lobrede für Forscherkollegen, deren wissenschaftliche Arbeit „die Menschen zuerst zum Lachen und dann zum Nachdenken bringt“.
In den vergangenen Jahren hatten auch zwei Deutsche Glück und erhielten den sogenannten IG-Nobelpreis: Dr. Arnd Leike von der Universität München war in der Sparte Physik erfolgreich. Er fand 2002 heraus, dass Bierschaum im Bierglas exponentiell zerfällt. Der Versuchsaufbau war vergleichsweise einfach: Leike hielt verschiedene Biersorten bei einer konstanten Temperatur und maß mit einem Lineal alle paar Sekunden nach, wie viel Schaum noch übrig war. Die Ergebnisse fasste er in einem sechsseitigen wissenschaftlichen Aufsatz zusammen.
Die Forschungsarbeit von Prof. Dr. Benno Meyer-Rochow aus dem Jahr 2003 lässt sich dagegen nicht so leicht in der eigenen Küche nachstellen. Seine Arbeit trägt den Titel: „Pressures Produced When Pinguins Pooh“ – etwa: Druckverhältnisse, die entstehen, wenn Pinguine kacken. Und genau das, hat Meyer-Rochow mit zwei Forscherkollegen herausgefunden. Das Ergebnis: Der Druck entspricht etwa dem von Autoreifen und schleudert das Stoffwechselendprodukt bis zu vierzig Zentimeter weit.
Leike und Meyer-Rochow sind ernst zu nehmende Forscher, ihre Arbeiten sind meist weniger skurril. Und obwohl ‚ignoble’ in etwa ‚unehrenhaft’ oder ‚schmachvoll’ bedeutet, gilt der Preis in Forscherkreisen als durchaus begehrt, die meisten der prämierten Arbeiten wurden tatsächlich in wissenschaftlichen Fachzeitschriften publiziert.
Vergeben wird der Spaßnobelpreis von der Zeitschrift Annals of Improbable Research. Vor allem Interesse und Begeisterung besonders für die humorvollen Seiten auch ernsthafter Wissenschaft soll damit geweckt werden. Auf der Webseite www.improb.com kann man einen Kandidaten nominieren – auch sich selbst. Wer also auf eine Einladung ins Sanders Theatre hofft, sollte sich an die Arbeit machen. Allerdings bieten sich eher die naturwissenschaftlichen Kategorien an. Der IG-Nobelpreis in der Kategorie ‚Frieden’ wurde bisher unter anderem an den Erfinder der Wasserstoffbombe verliehen und an Harald Hillman, Autor der Studie „Mögliches Schmerzempfinden während verschiedener Hinrichtungsarten.“
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