Harte Jungs und Stacheldraht
Wrestling ist kein Sport, nur krank? Wrestler sind keine Sportler, nur hemmungslose Schläger? FREIHAFEN besuchte PWA Europameister Karsten Kretschmer in seiner Wrestling Schule in Steilshoop und machte sich ein eigenes Urteil.
Ein Beitrag von Jenny Wolf
„I’m the Boogeyman, and I’m commin’ to get ya“. Mit diesem Satz holt ein muskelbepacktes Schwergewicht, dessen Kopf rot-schwarz angemalt ist und der ein wenig an einen Henker aus dem 16. Jahrhundert erinnert, einen Tisch unter dem Ring hervor und schiebt ihn zwischen den Seilen durch in die Ringmitte. In der anderen Ecke liegt ein Typ und beobachtet das Geschehen wie weggetreten. Der Tisch steht. Und der „Boogeyman“ hat noch was ganz besonderes mitgebracht. Aus seiner rechten Hosentasche zaubert er ein braunes Säckchen und verteilt den Inhalt sorgfältig auf dem Tisch. Reißzwecken. Nun gilt seine gesamte Aufmerksamkeit wieder seinem Gegner und langsam macht er sich auf den Weg zu ihm, während er in der linken Hosentasche nach etwas sucht. Blitzschnell beugt er sich über sein Opfer und stopft den Inhalt seiner linken Hand in den schreienden Mund seines Gegenübers. Während „Boogeyman“ ihn auf den Tisch zieht, kann man beobachten, wie seinem Gegenspieler kleine, schwarze Würmer aus dem Mund und langsam über den Rest seines Gesichtes kriechen und dieser kräftig würgt. „Boogeyman“, inzwischen auf einer Leiter, heizt das Publikum an, bevor er sich mit flacher Brust auf den wehrlosen Kerl auf den Tisch krachen lässt. Das Blut spritzt in alle Richtungen. Die Menge tobt. Alle wollen mehr.
Einfach nur krank? Schlecht inszenierter Splatter-Movie? Ich gebe es zu: Diese Szene ist frei erfunden. Aber ähnliche, teilweise noch brutalere Szenarien lassen sich in vielen US-amerikanischen Wrestlingligen, so zum Beispiel World Wrestling Entertainment (WWE) und Total Nonstop Action Wrestling (TNA) beobachten. Monatlich locken diese mit vielversprechenden Shownamen wie „Hard Justice“ (TNA), „No Surrender“ (TNA) oder „Unforgiven“ (WWE) Millionen Zuschauer weltweit vor die Fernseher. Während die WWE-Pay-Per-Views gegen eine Gebühr von 15 Euro, live bei Premiere zu verfolgen sind, ist TNA noch nicht so weit verbreitet und kann lediglich über das Internet verfolgt werden. Aber, was sind das eigentlich für Menschen, die sich freiwillig durch brennende Tische schmeißen oder von Stacheldrahtseilen den Rücken aufschneiden lassen? Sind das alles Irre? Selbstmörderischen Masochisten wie aus dem Bilderbuch? Menschen aus sozial niedrigen Schichten, die über keine Schulbildung verfügen und so ihr Geld verdienen müssen? Wie läuft Wrestling eigentlich in Europa ab? Und vor allem: Was hat das mit Sport zu tun?
Um einen kleinen Einblick in dieses Terrain zu bekommen, besuchte FREIHAFEN Karsten Kretschmer (31), dreimaliger PWA-Europameister im Catchwrestling in seiner Wrestlingschule „Nordish Fightclub“ in Hamburg Steilshoop. „Das sind meine drei besten.“ Stolz präsentiert Kretschmer, der u.a. bereits in Nigeria und Mexico kämpfte und demnächst auch im Libanon antreten sollte, mir Holger (27), Sascha (20) und Dennis (19), die bereits als fortgeschritten gelten. Alleine das Aufwärmen vor den ersten Kampfübungen dauert etwa 75 Minuten, von brennenden Tischen oder stacheldrahtbestückten Ringseilen sieht man hier nichts. Stattdessen: Von 300 sogenannten Hindu-Spots, einer Art Ganz-Körper-Kniebeuge, über einen 1-minütigen Kopfstand, während der Trainer den Jungs in den Bauch kickt, bis hin zu Liegestützen, bei denen die Füße im Seil hängen. Am spannendsten sind jedoch die Fallübungen. Salto vorwärts und rückwärts. Bauchklatscher vom dritten Seil auf den harten Ringboden. Und das immer und immer und immer wieder. „Das Fallen ist beim Wrestling mit das Wichtigste.“, erklärt Kretschmer. Das müsse man aus dem Stehgreif können. „Wenn ich sage ‚falle’, muss das klappen.“, fügt er hinzu. Und die drei fallen, stehen auf, lachen und fallen wieder.
Abgesehen von der Vermittlung einer soliden Ausbildung, haben die Betreiber der Wrestlingschule „Nordish Fightclub“ es sich zur Aufgabe gemacht, das Wrestling in Deutschland etwas salonfähiger zu machen. Bisher galten Wrestler in vieler Munde als typische „Asis“, die den ganzen Tag faul zu Hause rumhängen und nichts machen. Am Beispiel dieser Schule aber lässt sich das Gegenteil erkennen. Nicht einer seiner Schüler ist arbeitslos, geschweige denn arbeitsunwillig. Sie alle haben feste Berufe oder studieren.
Das Training ist hart, privat wird noch ein zusätzliches Krafttraining erwartet, da trennt sich die Spreu vom Weizen. Und dabei sollte man sich vom ersten Schein nicht trügen lassen. Keiner der drei trainierenden Jungs sieht aus, als müsse man auf der Straße Angst vor ihm haben und trotzdem bebt der Ringboden. „Ich habe mal einen Bodybuilder im Fitnessstudio gefragt, ob er nicht Lust auf Wrestling hätte und der war total Feuer und Flamme“, so Kretschmer, „Innerhalb der ersten zehn Trainingsminuten hat er dann dreimal in den Ring gekotzt.“ Seine Jungs haben für solche Fälle eine „Puke-Score“ aufgestellt– eine Punktzahl, die sich mit jedem Erbrechen vermehrt. Die Bestmarke liegt bei acht.
Aber im Wrestling geht es nicht nur um den Sport allein, auch die Schauspielerei und die Fähigkeit, das Publikum mitzureißen spielen eine wichtige Rolle. Allerdings wird in den USA viel mehr wert auf diese Dinge gelegt, als im europäischen Wrestling. Vor allem bei den wöchentlichen Shows der WWE gerät der „Entertainment-Faktor“ stark in den Vordergrund. Der Sport wird dadurch zur Nebensache. „Das ist in Europa anders!“, weiß Kretschmer. „Hier kommt es vor allem auf die Leistung im Ring an, nicht auf die am Mikrofon. Klar gibt es bei uns auch eine Storyline, aber nur ringsherum, im Ring wird gekämpft. Natürlich sollte man dem Publikum irgendwas ausstrahlen und es am Kampf teilhaben lassen. Aber nicht so, wie die Amerikaner das machen!“
Den Amis gefällt es aber anscheinend nach wie vor, wie der WWE-Quartalsbericht vom 27. Januar 2006 eindrucksvoll beweist: Die Gesamteinnahmen beliefen sich auf 103 Millionen US-Dollar. Der Gewinn betrug 20,7 Millionen Dollar, was ein plus von 8,3 Millionen Dollar im Vergleich zum selben Quartal des Vorjahres bedeutet.
Doch obwohl die Europäische Wrestling Szenerie lange nicht an die kommerziellen Erfolge der Kollegen aus Übersee anknüpfen kann, lehrt Kretschmer seinen Schülern weiterhin die alte Schule des Catch-Wrestlings. Erst wenn die Technik stimmt, kommt irgendwann eine Lektion zum Thema „Show“. Dabei wäre der Trainer wohl durchaus in der Lage, seinen Jungs und Mädels Schauspielunterricht zu erteilen. „Anfang 2001, habe ich in „Richter Alexander Hold“ einen Zuhälter gespielt und dort mehrere Jahre Haft bekommen. Zur Zeit verhandele ich über eine neue Kinorolle.“, erzählt er lachend. Inzwischen ist das Training vorbei, Holger, Sascha und Dennis sind zum Duschen verschwunden.
Anders als ihre amerikanischen Kollegen werden die Schüler, wenn sie erst einmal im Geschäft sind, nur etwa 30 Kämpfe im Jahr bestreiten müssen. Diese Gegebenheit im europäischen Wettkampf, ist Kretschmer wichtig. Denn in den USA führe das durchgehende Auftreten der Sportler zu erhöhtem Schmerztabletten- und Alkoholkonsum. Oft kämen dann auch Drogen ins Spiel. Außerdem komme das Training dort einfach zu kurz, „weil die Körper aber in Form bleiben müssen, hilft oft nur der Griff zu Anabolika oder anderen Präparaten“, zeigt er auf. Der Missbrauch bleibt oft unerkannt und so kommt es vor, dass jemand ganz unerwartet stirbt. So wie zuletzt Eddie Guerrero, der am 13. November 2005 beim Zähneputzen einfach tot umfiel.
„So weit soll es in Europa niemals kommen! Deshalb zeige ich meinen Schülern von Anfang an, wie man mit harten Training zum Erfolg kommt.“, schließt der Trainer. Und Erfolg kann Kretschmer schon verbuchen, denn Schüler Holger hatte vor kurzem erst seinen ersten Profikampf.
Jenny Wolf - j.wolf at freihafen punkt org




Am 25. April 2007 um 16:52
hallo karsten,
ich bin die tochter von kathi, wir haben uns heute in einem modelladen kennengelernt! ich fand dich sehr nett und finde es auch cool das du schon so viele stars kennengelernt hast! ich komme die bald mal mit kathi in deiner wrestlingschule besuchen und gucke mir mal an was ihr da so macht!
ich würde mich sehr freuen wenn du dich mal wieder bei mir (uns) melden würdest…wenn du zb. jemanden gefunden hast der mich als model oder auch schauspielerin weiter vermitteln kann! darüber würde ich mich total feruen!!!
natürlich auch wenn ich deinen menager mal kennenlernen dürfte oder irgentwelche stars wie bruce darnell=)
also ich freue mich auf deine antwort und bis bald! liebe grüße von Tessa (kathi grüßt auch)
=)
Am 22. April 2007 um 16:20
hallo,mein name ist radu tenter und bin aus romanien.ich und meine freunde sind große fans des wrestling.wir drehen videos in der schule und wir konnen alle tricks machen ohne das es irgendjemand wehtut.wir erfinden eigene namen eigene moves und so weiter…. .,aber leider gibt es in clausenburg keine wrestling-schulen unseren konnen unter beweiß zu stellen.konnte man wrestling schulen nicht in ganz europa bilden auch in den armeren regionen wie romanien?
euer fan radu tenter(rtjoker) aus romanien