FREIHAFEN in Burkina Faso, Afrika | Reisetagebuch
13.09.2006
Wir könnten hier länger bleiben, haben wir neulich beschlossen. Zwar sind unsere Gedanken schon halb beim Studieren, doch wenn wir abends durch die Straßen von Ouaga fahren und den rot leuchtenden Himmel betrachten, wenn es kurz vorm Gewitter ist und der Wind alle vor sich her treibt und wenn wir für 200 CFA am Straßenrand das leckerste Essen kaufen, dann wünschen wir uns noch viel, viel mehr Zeit für diese Stadt zu haben.
Uns geht es erstaunlich gut dafür, dass wir mittlerweile keinerlei Hemmungen mehr haben, was das Essen und Trinken angeht und ständig neue hygienische Sünden begehen.
Eigentlich fehlt es hier an nichts, das bekommt man aber in zwei Wochen bei INJEPS nicht wirklich raus, sogar eine große Bandbreite an Eis gibt’s:
Heute Morgen: Gadeau. Kleine Teigbällchen. Um 6.30 Uhr aufstehen, durch die sich langsam füllenden Straßen schlendern. Die Sonne scheint uns schon prall ins Gesicht, aber es ist nur angenehm warm. Frische Milch, frische Melone, frisches Baguette oder aber eben, noch heiße, süße Teigbällchen kaufen. Nach Hause, das Sonntagfrühstück am Mittwoch mit Nescafé essen. Danach kalt Duschen und mit dem Moto (Lara hinten drauf) ab zum Praktikum. Und abends: Bei dem Stand mit den kleinen Holzbänken und der rundlichen afrikanischen Mama mit ihren fünf Töchtern Couscous mit Zwiebeln, Gurken und gebratenem Fisch essen. Das schlechte Gefühl bleibt zwar ein bisschen, aber nur weil man mal
wieder zu viel zu schnell gegessen hat.
Nach vielen Abenden in der Stadt umgeben von Staub und Smog haben wir uns sogar ein bisschen feine Kultur gegönnt: Ein schönes, sehr pädagogisches Theaterstück in der Nähe vom Stade Municipal, aber mit enthusiastischen Schauspielern. An dem Abend waren wir mit dem Entwicklungshelfer-Trupp unterwegs und haben verrückte und sehr nette Leute wieder getroffen. Danach „tanzen” am Alsterstrand von Ouagadougou zu uraltem R n` B und den schon bekannten (weil immer dieselben so scheint’s) burkinischen, bzw. afrikanischen Meisterwerken. Eine schöne kühle Nacht an der Barrage, unserem Tümpel am Rand von Ouagadougou.
Ansonsten haben wir uns angewöhnt, das manchmal etwas ölige (jedoch selten so hart wie bei L’Oeil des Jeunes) Essen mit längeren Promenaden zu kompensieren. Man sieht erstmals Ouaga (zumindest als Motofahrer) und die ganzen kleinen Details. Langsam erkennt man Unterschiede in den Vierteln. Auch wenn wir die Schanzen des ganzen noch nicht gefunden haben, kennen wir jetzt die Märkte und Restaurants unseres Viertels: 1200 Logements.
Ihr seht, wir erkennen langsam, wie es sich hier wirklich gut leben lässt. Vielleicht nicht gut. Das Bild wird vielleicht zu rosig. Es sieht zu einfach aus, für einen Monat geradezu schöner als Deutschland. Die Pfütze einer dauerhaften Arbeit im Ausland in unseren Köpfen wird langsam zu einem See und Burkina der reißende Strom, der ihn speist – nicht, dass wir am Ende sinken.
jolanarathan
= = =
06.09.2006
«Hey Mr. Wichtig du machst da was nich’ richtig, das war ja ‘n bisschen schnell, das war ja wohl nich’ so originell.HEY” (TicTacToe) schallt es direkt nach „99 Luftballons” über Ouaga, während wir bei Eric im Kühlschrankstudio sitzen und uns auf unsere „Helmpflicht Pro-Contra” Sendung vorbereiten.
Nach Laras Gestotter und Jonathans kläglichem Versuch, „Mannawanna Ouagadougou” im GoodmorningVietnam-Stil zu schreien, haben wir den Strand verlassen und uns ins Getümmel der Schuhhändler von Ouaga gestürzt, was Eric fast noch mehr genervt hat als uns und wir möglichst schnell den Kauf von Plastikflipflops beendeten. Nach immerhin einer Viertelstunde und 400 Metern weiter hatten wir den Preis von 12.000 CFA auf schlappe 4.000 gedrückt - obwohl das laut Eric immer noch 1000 CFA zu teuer war. Danach waren wir mit ihm Reis-mit-Sauce essen in dem Laden vor der Polizeistation - es war sogar echt lecker, was auch daran lag, dass wir die Reste von einer stattgefundenen Hochzeit anstatt unserer Bestellung vorgesetzt bekamen. Dafür habe ich (Lara) endlich meine heißgewünschten Avocados kaufen können und somit wird unser Menü täglich erweitert - jetzt auch mit neuem Brot aus Ghana, das Rasmatas Mutter uns aus Hamele mitgeschickt hat. Wunderbar. Freitag bekamen wir dann noch etwas merkwürdigen Besuch von unserem „Mitbewohner” und irgendeiner Dame, die angeblich jemanden suchte. Da es anfing zu gewittern, hat alles Lebendige sich abrupt nach drinnen verzogen und auch die beiden konnten schlichtweg nicht weiter - unser lieber Freund beglückt uns
mittlerweile täglich mit seiner Anwesenheit und möchte uns nicht selbst die Terasse putzen lassen, weil wir ja „seine” Ausländer sind, yeah.
Ansonsten wurde neben uns das Feedback-Treffen abgehalten, nachdem uns Eric und Rasmata aus verschiedenen Gründen etwas genervt besuchten. Samstag kam Jonathan (der von Annina) noch mal vorbei und abends gab’s Party
nebenan, bei der unfassbar schlechte Musik gespielt wurde und wir uns recht früh aufgrund von akuter Müdigkeit verabschiedeten. So ganz ausklinken konnten wir uns allerdings nicht, weil der Bass-Juchhei direkt neben unseren Ohren stand. Aber die Party ging ja nur bis vier und wir wollten beide schon immer von Shakira geweckt werden. Sonntags: Dekadentes Frühstück mit Schokocroissant von um die Ecke und Müsli, danach die ultimative Hitze und ein Spielnachmittag in Ouaga 2000, hinterm Präsidentenpalast: ein Projekt der dt. Botschaft, bei dem circa 30 Jungs eine Ausbildung bzw. Unterricht erhalten und nebenbei Fussball spielen. Das war solange lustig, bis ein mega-Gewitter ausbrach und alle durch den Staub und die Tropfen rannten um unterm Pavillon zu chillen. Die Gelegenheit wurde genutzt, um einen kleinen Tanzwettbewerb zu veranstalten, wobei die kleinen Jungs wahrscheinlich jeden der dt. Zivis ausgestochen hätten.
Schließlich Besuch von Rasmata, die bis zum Abend bei uns blieb und mal wieder in der Diskussion mit unserem Mitbewohner bewies, wie klar und deutlich sie die Lage hier durchschaut. Außerdem hat sie ein paar lustige Sachen zur Helmpflicht erzählt, die in Ouage mit Empörung aufgenommen wurden. In einem Stadtteil reißt man sogar den pflichtbewussten Helmträgern die Pötte an den Ampeln ab und verbrennt sie. Helmträger werden dort Komplizen genannt. Nachdem die Regierung einen Tag lang auf Helme hin kontrolliert hat, haben sie es mittlerweile aufgrund der Proteste aufgegeben. Die Leute hier meinen, sie haben Schwierigkeiten, das Schulgeld für ihre Kinder aufzubringen, wie sollen sie von einem Tag auf den anderen für die ganze Familie Helme kaufen. Damit wurde auch dieses Projekt erstmal nach einem zaghaften Ordnungsversuch eingestellt.
Jonathan und Lara
31.08.2006
Immernoch auf dem selben Mofa ohne Vorderradbremse und mit verdächtigen Geräuschen düsten wir soeben zum Marina Markt gegenüber der zentralen Moschee, um westlichen Standarts zu frönen und Kümmelgouda, Paté und Müsli zu kaufen. Nach drei Wochen Baguette mit Butter zum Frühstück gibt es morgens wahlweise Baguette mit Aufstrich oder sogar Müsli mit H-Milch.
Und das alles mit in normalgeschwindigkeit verdauendem Magen, auch nach dem Essen in Erics Lieblingsbar/Restaurant. Dort trieb uns auch nicht das Essen, sondern eher der “Jus de Souchets” die Sorgenfalten ins Gesicht. Gastgeberfreundlich wie wir sind: probieren muss wohl sein. Nach langem Suchen im Internet haben wir heute Morgen aber herausgefunden, was “Souchets” sind: 1. Gattung der Flugenten
2. Zyperngräser. Hoffentlich von letzterem werden wohl die Wurzelnüsse in Wasser aufgelöst und ergeben dieses milchige Zeug, was mit Zucker versetzt sehr lecker schmeckt (mir, Jonathan, zumindest) und sehr gefährlich aussieht. Nach noch längerem Suchen folgender Zusatz: Als “Horchata de chufa” in Spanien bekannt.
Ansonsten alles gut. Das Wetter ist toll. Es ist so angenehm, dass wir nicht einmal den Ventilator brauchen. Anstrengend sind jegliche andere Bewohner unseres Hauses, Wachmann, Fliegen, Mücken und Staub. Aber es lässt sich gut und besser leben, als im Sportlager. Heute Morgen bin ich warmes Baguette holen gejoggt und habe gemerkt, dass ich meine Kondition in Hamburg vergessen habe. Die Arbeit geht voran, wenn auch etwas stressig, da nur ein Computer vorhanden ist. Heute Abend werden wir von Annina’s Jonathan besucht, mal sehen.
Jonathan
= = =
28.08.2006
Da sich alle Europäer der Gruppe wieder in ihr gemütliches Leben begeben haben, werden wir jetzt nur noch zu zweit (hoffentlich) spannende Geschichten und Fotos aus Burkina schicken.
Nach einem merkwürdigen 1/3 Abschied am Flughafen standen wir, umringt von verwirrten Burkinabès, einem lachenden Salbré und einem singenden (Je suis un homme, je ne vais pas pleurer..) Jonathan (Yago), bis das ganze sich in Aufregung über unser vollgeschriebenes Hamburg-Buch verwandelte. Alle haben sich oft bedankt und obwohl sich keiner die Bilder im Buch angucken wird, hat unser Gekritzel auf jeden Fall alle
begeistert. Danach löste sich die ganze Runde erstmal auf und wir sind mit Eric und Rasmata zu Stephanie gefahren. Das euch im Flieger überraschende Gewitter erwischte uns beim Abholen der Matratze von Stephanie. Da so ein Gewitter all seine Energie auf 20 Minuten konzentriert, konnten wir bald die Matratze auf das Dach des Taxis schnallen und zur Redaktion von L´Oeil des Jeunes brausen. Schließlich haben wir dann ohne Moskitonetz bei Salbré im Büro gepennt und wurden übel zerstochen, jeder so 20 Stiche. Das sollte reichen für Malaria. Morgens Kaffee mit Salbré auf unserer Luxusterasse und danach provisorisches Einrichten und Putzen des Hauses. Obwohl erstmal die Dusche kaputt gegangen ist und das Klo nur mit einem Trick funktioniert, finden wir es mittlerweile echt gemütlich, (wir haben sogar Parkett-Imitat, das abblättert) im Laufe des Tages kamen noch ein paar Leute vorbei und besorgte Eltern und Chefredakteure riefen uns an, toll. (übrigens haben wir sogar einen Pseudowachmann, das dazu)
Abends, mangels Licht, Candlelight-Tütensuppendinner auf der Terrasse. Gemütlich mit überdimensioniertem Campingkocher von Salbré und Ahoi-Brause Einweihung mit Stephanie und Alfred vom DED.
Der erste Morgen im trauten Heim, der erste Morgen im neuen Job: Morgens, tatata, Baguette mit Butter. Danach mit unserem Moto (Moussah mag uns nicht mehr) zur GTZ und jetzt hier schick mit eigenem Büro und Klimaanlage!! (da es regnet ist es heute eh wurscht), Wetter ist lieblich, und was wir machen wird bestimmt weiter interessant. Wir werden sogar bezahlt und werden das Geld wahrscheinlich in das zukünftige Redaktionsklo (hier) stecken (à la jonathan).
(Jenni, danke uns im Februar)
Ansonsten, Annina danke für die Briefe, viel Spaß bei eurem Treffen - esst für uns mit!
Bei uns gibt’s heute Couscous, saubere Klamotten und eine heile Brille,
hoffentlich.
Alles erdenklich Nette aus Ouaga, Lara und Jonathan
= = =
26.08.2006
Die letzten Tage und Stunden in Ouaga vergehen wie im Fluge. Das Programm haben wir noch einmal so voll gepackt, wie irgend moeglich - was ein Fortfuehren unseres Tagebuches unmoeglich gemacht hat. Nun geniessen wir die letzte Zeit mit ‘unseren’ Burkinabes, versprechen erneut einen verspaeteten Bericht ueber die letzten Tage und freuen uns auf ein Wiedersehen in Hamburg!
Fuer alle, die bei unserer Ankunft in Hamburg dabei sein moechten: Unser Flieger startet heute um 22.45 Uhr in Ouagadougou (AF 735), Zwischenlandung in Paris um 06.15 Uhr, Weiterflug nach Hamburg um 07.30 Uhr. In Hamburg landen wir dann um 09.05 Uhr (jew. Ortszeit), AF 1410.
Ein letztes Mal viele Gruesse aus Ouagadougou! A demain, Christoph
= = =
21.08.2006
Vor unserer Abreise zurueck nach Ouagadougou besuchen wir die Familie von Issa, unserem Freund in Deutschland, der uns sehr bei den Reisevorbereitungen geholfen hat und pflanzen gemeinsam mit den Dorfbewohnern einen Baum als Erinnerung an unseren Besuch. Mit gruessendem Augenzwinkern nach Deutschland nennen wir ihn Issa.
Wieder geht es mit dem Bus ueber Wege, die ich mit einem leeren PKW kaum versucht haette und bin dankbar darueber, dass unser Fahrer den Wagen ueber Schlagloecher fliegen lassen kann. Defekte Fahrzeuge auf dem Weg machen deutlich, dass es Tage dauern kann, bis ein Auto wieder flott ist. Und in der Hitze sind schon wenige Stunden schnell zu viel.
Erschoepfte Gruesse aus dem Fussraum!
Bon nuit, Christoph
= = =
20.08.2006
Unsere Reise nach Hamele beginnt mit der Erkenntnis, dass wir mit 18 Personen in einen Bus passen, der eigentlich nur elf, hoechstens 12 Sitzplaetze hat. Dazu Gepaeck, Verpflegung und hiesige Strassenverhaeltnisse. Nur die ueberwaeltigende Gelassenheit des Fahrers bringt mich dazu, das staendige Aufsetzen des Wagens, die Hitze und ndie Hoffnung auf eine wenigstens etwas ertraeglichere Sitzposition zu vergessen und die Konzentration auf und neben die Strasse zu lenken.
Wir fahren durch ein flimmerndes Nirgendwo, Lehmhuetten, Shelltankstellen, die Benzin in Flaschenportionen verkaufen und immer wieder kleine Kinder, die den Reisenden ihre Waren anbieten wollen, saeumen den Strassenrand. Sechs Kilometer hinter dem Ende der Asphaltstrasse treffenb wir in Hamele ein. Der Fahrer bahnt sich einen Weg durch die Menschenmenge, deren Blicke - eine Mischung aus Verwunderung, Freude, Hoeflichkeit und Grimmigkeit - wir nicht deuten koennen. Wir passieren die engsten Gassen quer durch die Dorfmitte und wir bekommen das Gefuehl, dass wir ohne das Auro und ohne scheuchende Wegbereiter keine Chance gehabt haetten, unsere Unterkunft zu erreichen.
Die Aufruhr wird etwas verstaendlicher, als wir erfahren, dass wir seit 1887, dem Gruendungsjahr des Dorfes, die ersten Weissen sind, die hier uebernachten werden. Nach traditionellen Taenzen, die und zur Begruessung vorgetragen werden, werden wir zu dem Buero einer neu gegruendeten Jugendorganisation gefuehrt (Buero heisst hier: Dunkles, kleines Zimmer in einer Lehmhuette mit durchloechertem Blechdach, darin ein Tisch und einige Stuehle), machen einige, eher symbolische (qber dennoch gueltige
Schritte nach Ghana hinueber und werden dem Oberhaupt des Dorfes vorgestellt. Ein kleiner, alter Mann, dessen Gesicht auch ohne Worte Geschichten erzaehlt.
Spaeter am Abend wird uns von ihm ein Geschenk ueberbracht, das Ausloeser fuer zahlreiche Diskussionen werden sollte: ein lebendes, weisses Huhn.
Den Abend fuellen wir mit Gespraechen mit den Dorfangehoerigen. Und so sehr man sich mit dem Leben hier zu arrangieren weiss und so sehr auch viele Menschen den Eindruck vermitteln (wollen), sie haetten sich bewusst und gewollt fuer ein Leben in Hamele entschieden, so sehr gewinnen einige Fragen fuer mich mehr und mehr an Bedeutung. Das ganze Dorf scheint wegen uns auf den Beinen zu sein und uns eine schoenste Zeit ermoeglichen zu wollen. Wie kann ich die Blicke bei unserer Ankunft deuten? Sind wir Traeger von Hoffnungen, die wir niemals erfuellen koennen werden? Und welche Wucht, welche Gewalt (im doppelten Sinn) bringt eine doerfliche Tradition mit sich, die sich hier nur erahnen laesst?
Wieder heisst es Eindruecke sammeln und Erfahrungen speichern. Antworten finden muessen wir spaeter.
= = =
19.08.2006
Am Vorabend von den Burkinabes eingeladen, bekommen wir heute die Moeglichkeit, einen Einblick in die Haeuser und das Familienleben zu gewinnen. Was wir nach unseren Fahrten durch Ouaga eher als Armenviertel wahrnehmen, wird uns voller Stolz gezeigt.
Wir finden einfache Huetten in unbefestigten, vermuellten Staubstrassen mit Wellblechdaechern vor, in deren Hinterhoefen auf offenen Feuern gekocht wird. Die Burkinabes sind ihrer Auskunft nach sehr gluecklich, hier wohnen zu koennen. Haben wir die arme Seite Ouagas noch immer nicht gesehen?
Den Nachmittag fuellen wir mit einem Besuch im Studio, in dem Erik, der uns waehrend unsere Aufenthaltes bei der Verstaendigung hilft, eine deutschsprachige Live-Sendung fuer die Deutsche Welle produziert.
Heute Abend steht der Besuch einer Brakedance-Gruppe im Nachtleben Ouagadougous an. Da fuer die Entwicklung des Beats die gewoehnlichen, technischen Mittel fehlen, muessen die Musiker auf Trommeln ausweichen.
Inzwischen sind wir alle wieder auf den Beinen und koennen geschlossen an den Aktivitaeten teilnehmen. Nur Sebastian, der erst am Dienstag nachreisen konnte, hat noch gut zu kaempfen. Eine gute Entwicklung, denn morgen frueh brechen wir nach Hamale auf, einem kleinen Ort an der Grenze zu Ghana.
Die Reise ist besonders deshalb interessant, da trotz der Lage - die Landesgrenze teilt das laendlich gelegene Dorf - Frieden herrscht. Ein bedeutendes Beispiel fuer Voelkerverstaendigung.
400km ueber Land, ein ganzes Dorf, das schon seit Tagen auf uns zu warten scheint und von der Stadt noch einmal eher geloeste Eindruecke von Burkina Faso.
Hoffen wir, dass alles gut geht! A bientot, Christoph
= = =
17.08.2006
Gerade frage ich mich, warum der Elbtunnel in Hamburg nicht laengst als Luftkurort gekennzeichnet ist. Die blaugrauen, mit Staub und Dreck vermischten Abgaswolken, die aus den unzaehligen, gejagten Zweitaktmotoren quellen, spotten jeder Beschreibung und lassen ueber Minuten die Lungen erstarren.
Mit zwei kleinen Bussen sind wir auf dem Weg quer durch die Stadt und etwa 40km ueber Land zu dem Tierpark in Zinaire, den sich der Praesident Compaore hier angelegt hat. Schwer arbeitende Mistkaefer auf den Wegen und eine Taube im Gehege (…!) beeindrucken uns nicht weniger als Krokodile und Zebras. Die Burkinabes finden grossen Spass daran, den Schildkroeten auf den Panzer zu klopfen - vielleicht kann man ja auch auf ihnen reiten…?
Unsere Maegen bestimmen heute wieder unseren Tagesablauf und zwingen uns zu einer unerwartet fruehen Rueckkehr in unsere Unterkunft. Nach Hause? Irgendwie schon. Und dabei doch so wenig.
Bis morgen, bon nuit! Christoph
= = =
16.08.2006
Aus dem freien Vormittag ist ein freier Tag geworden. Die Erholung hat uns gut getan und der gemeinsame Abend mit den Burkinabes im gegenueberliegenden Tanzlokal ist Beweis genug, dass rebellierende Baeuche der Stimmung keinen Abbruch tun muessen.
Heute stellen wir einmal mehr fest, dass das Leben in Ouaga zum groessten Teil auf oder an der Strasse statt findet. Zumindest ist das der Eindruck, den wir von unseren Mofas auf dem Weg - endlich! - in die Redaktion von L’ Oeil des Jeunes bekommen. Die Stadt ist flach gebaut, Hochhaeuser stehen hier nur vereinzelt und fertiggestellte Hochhaeuser sind eine Seltenheit. Umso beeindruckender dafuer der Blick in die langen, staubigen Gassen, die einige hundert Meter scheinbar direkt in die Armut fuehren und sich nach den heftigen, stuermischen Regenguessen in rote Schlammbahnen verwandeln.
Auf unseren Wegen durch die Stadt lernen wir, wie wertvoll Flexibilitaet und eine Portion Geduld sein koennen. Puenktlichkeit und Termine definieren wir langsam neu. Zum einen zwingen uns unsere Baeuche dazu - auch wenn es weniger werden, die uebrigen haben es in sich…! - zum anderen laesst sich vieles nicht im Vorfeld planen. Die Burkinabes weigern sich beispielsweise partout, bei schlechtem Wetter auf ihre Mofas zu steigen. Zu gross ist die Angst vor Krankheiten. Wir dagegen freuen uns ueber die erfrischende Abkuehlung und ueben uns im Regentanz.
Ein ‘offizieller’ Termin bei einem Bezirksbuergermeister wird so zur einzigen, planmaessigen Aktion des Tages. Fuer unsere Freunde von L’ Oeil des Jeunes ein wichtiges Zusammentreffen.
= = =
15.08.2006
Es hat uns erwischt. Die Sonne steht im Zenith und in der Mittagshitze suchen wir nach Moeglichkeiten, unsere Baeuche zu beruhigen. Schon gestern hat sich angekuendigt, dass fuer viele die Nacht unruhig werden wuerde. Der Wunsch nach einer Klobrille wird immer staerker…
Wir nutzen die durch das gestrichene Vormittagsprogramm gewonnene Freizeit fuer Gespraeche und Interviews mit den Burkinabes. Dabei werden wir umringt von einer Gruppe Kinder, die sich, voellig fasziniert von unseren Kameras, nicht entscheiden koennen, ob sie lieber in Boxerpose (die Kinder haben parallel in der Naehe einen Boxwettkampf zu bestreiten) fotografiert werden moechten oder sich ihre selbstgemachten Bilder auf den Displays ansehen moechten.
Auf dem heutigen Programm steht noch ein Besuch der Redaktion von Oeil des Jeunes. Und eine viel zu kurze Zeit im Internetcafé.
Die besten Gruesse von uns allen! A bientot, Christoph
= = =
14.08.2006
Was wir aus Deutschland mitbrachten, ist langsam aufgebraucht. Nicht nur Schokolade , Schlaf und erfuellte Gewohnheiten. Langsam begreifen wir, wo wir uns befinden. Die Maegen fuellen sich mit traditionellem, afrikanischen Essen, der enorme Energieverbrauch hinterlaesst die ersten Spuren.
Die Aufmerksamkeit weicht den Kakerlaken im Bad und fixiert sich ,ehr und ,ehr auf zwischenmenschliche Erfahrungen. Der Mittagshitze weichen wir heute in einem - fuer Touristen offenbar recht beliebten - Restaurant aus, nachdem wir morgens die Deutsche Botschaft und anschliessend den Deutschen Entwicklungsdienst (ded) besucht haben.
= = =
13.08.2006
Nach erfolgreichem Start in HH, bei dem wir gluecklicherweise (doch) niemanden zuruecklassen mussten, sind wir nun tatsaechlich in Ouagadougou angekommen. Neben cremiger, wuerziger und heisser luft, die uns schon nach sekunden honigaehnlichen schweiss aus den poren lockt, werden wir auch von Salbre und seinen Freunden herzlich in Empfang genommen.
Die erste naechtliche Fahrt durch Ouagadougou wird mit 2 Pkw und 17 Personen zum ersten, kleinen Abenteuer. Bekannte Melodiefetzen aus den Radios machen uns zwischen den Feuern auf der Strasse, (bewohnten?) Laeden; etlichen, stinkenden Mofas und der gespannten Vorfreude auf die naechsten 14 Tage klar, wie weit weg wir sind. Die ersten Eindruecke sind vielleicht nicht unerwartet, imponieren aber dennoch. Erwaehnt sei die Dusche, die nur ueber die Toilettenspuelung zu aktivieren ist und auch gleich die Zimmerdecke mit Wasser versorgt. Oder die unbeleuchteten Toiletten, auf denen man meistens nicht alleine sitzt (sofern man denn von sitzen sprechen kann):
Bislang ist die Gruppe von Konflikten, Durchfall und anderen Krankheiten verschont geblieben, auch die Moskitos praesentieren sich in friedlicher Unterzahl. Die Vorfreude scheint also nicht fuer die Katz gewesen zu sein - und von denen gibt es hier einige…
Nachdem uns heute Vormittag ein Bezirksbuergermeister von Ouaga besucht hat; schwingen wir uns nun am Nachmittag auf Mofas und sehen uns zum ersten mal die Stadt an. Wir sind gespannt und gruessen - alle gesund und munter - aus Afrika!
A bientot, Christoph



Am 21. November 2006 um 18:42
Merci beaucoup à tous les jeunes allemands qui ont fait confiance à l’oeil des jeunes.
Nous esperons que d’ici là, d’autres aventures viendront renforcer nos relations d’amitiés
Am 17. September 2006 um 14:54
hi komme auch aus burkina-faso.lebe in deutschland.schreiben tue ich auch viel.möchte ich auf dieser weg euch kennenlernen und auch meine Gedichte und schreibe euch schicken.bin sehr begeistern was ihr in b.f geleistet habt.freue ich mich schon auf ein antwort.
Am 15. September 2006 um 13:10
Salut à tous
On voit que le voyage vous a plu. Vivement qu’on se retrouve au Burkina pour vivre d’autres expériences fofolles. Profitez de vos vacances, du mois ce qu’il en reste et que vivent Freihafen et l’Oiel des jeunes.
Am 28. August 2006 um 21:41
mensch seht ihr alle super aus!
hach, bin so gespannt eure erzählungen zu hören/lesen!
irgendwie wär ich ja doch auch gern dabei gewesen…
alles liebe euch!
hoffe ihr seid alle heil wieder hier angekommen…
Am 19. August 2006 um 19:34
Hallo FREIHAFEN-Team!
Das klingt ja alles sehr spannend, was man von Euch da so aus Afrika hört.
und wir freuen uns schon auf die nächste FREIHAFEN-Ausgabe!
Vielen Dank für diese sehr professionell klingende Berichterstattung (höchstes Lob)
Beste Grüße aus Hamburg!