Pass statt Piruette
Dass der HSV in der Krise steckt, ist schon zu einer Meldung mit Gesundheitsreform-Charakter geworden. Tatsächlich ist für den Hamburger Fußball aber noch nicht alles verloren: Bei der Frauenmannschaft zumindest ist der Ball noch rund.
Ein Beitrag von Jenny Wolf
Die 17-jährige Marisa Ewers könnte der Besat Berisha der Frauenmannschaft des HSV sein. Sie spielt gerade erst ihre erste Saison in der zweiten Mannschaft, konnte aber auch schon Erfahrungen bei den Großen sammeln, im Training und im Spiel. Seit sie acht Jahre alt ist, ist Fußball ihr Leben. Der Alltag ist eng beschnitten: Schule, Hausaufgaben, Training. Tag für Tag. Die wenige Freizeit, die sie hat, verbringt sie am liebsten im Kino oder beim Tanzen mit ihren Freunden. Ab und zu gibt sie schon erste Autogramme, „ein großer Spaß“, wie sie sagt, aber noch „komisch und vollkommen ungewohnt“. Das könnte sich aber bald ändern.
Mit FREIHAFEN spricht Marisa über ihren sportlichen Werdegang, Respekt und den HSV.
FREIHAFEN: Die HSV-Mädels haben gerade den 2. Platz im DFB-Hallenturnier geholt, was machen die Jungs falsch?
Marisa: Ich denke, dass die Jungs im Moment einfach kein Glück haben und wieder ihr Spiel finden müssen. Atouba zum Beispiel fummelt immer zu viel mit dem Ball und oft misslingen ihm dabei auch seine Tricks. Dabei ist es vor allem wichtig als eine Mannschaft aufzutreten und die Lust am Spielen zurückzugewinnen. Dann wird das auch schon wieder mit denen.
Wen sollte der HSV im Sommer holen?
Gute Frage, ich wüsste jetzt auch nicht so spontan, wer da in Frage kommen könnte, vor allem wegen des Finanziellen. Aber der Sturm könnte noch mal aufgebessert werden und vielleicht kann man auch mehr Sicherheit und Stärkung in die Abwehr bringen.
Wie stehst du zu der Diskussion um den Vorstand und um Trainer Doll?
Doll sollte noch bleiben. Er alleine ist nicht Schuld, da gehört die Mannschaft genauso dazu, wie auch der Vorstand. Es war einfach nicht sinnvoll, die guten Spieler zu verkaufen. Ich denke, man sollte erst mal schauen, wie es weitergeht. Wenn der HSV in der 1. Liga bleibt, wird es keine großen Veränderungen geben. Wenn sie absteigen, dann ja. Aber ich hoffe, dass sie in der 1.Bundesliga bleiben und ich denke, das packen die auch.
Jetzt aber zu dir: Andere Mädchen machen Ballett oder spielen Volleyball, was hat den Fußball für dich so besonders gemacht?
Schwere Frage, es hat mir einfach Spaß gemacht mit dem Ball zu spielen und das Mannschaftsgefühl und den Teamgeist fand ich toll. Ich habe früher immer mit meinen Cousins und einem Freund Fußball gespielt und die haben mich sozusagen trainiert. Mit acht kam ich dann in meinen ersten Verein, Blau Weiß 96 Schenefeld. Typische Mädchensportarten“ wie Ballett haben mich nie interessiert, getanzt habe ich auch immer schon gerne. An erster Stelle kam aber der Fußball.
Wirst du von den Jungs in der Schule als Fußballerin ernst genommen, oder bist du „nur“ das erste Mädchen, dass gewählt wird, wenn alle Jungs weg sind?
Nein, also in der Schule wurde ich eigentlich immer ernst genommen. Alle Jungs finden es toll, dass ich Fußball spiele und wollen auch gerne mit mir spielen. Am Anfang waren sie noch vorsichtig, eben weil ich ja ein Mädchen bin. Nach einiger Zeit gingen sie bei den Fouls dann schon härter ran, aber alles im grünen Bereich. Trotzdem haben sie sich natürlich geärgert, wenn ausgerechnet ein Mädchen ihnen den Ball abnimmt.
Du spielst jetzt deine erste Saison für den HSV, wie bist du dazu gekommen?
Nach BW 96 Schenefeld habe ich zu Altona 93 gewechselt. Nach 3 Jahren habe ich dann mein Interesse am HSV gezeigt und wollte gerne wechseln. Der HSV meinte dann, er wäre auch schon interessiert gewesen und würde sich freuen, wenn ich zu ihnen käme. Einerseits hatten mir viele dazu geraten, den Schritt jetzt zu machen, damit ich weiter und mehr gefordert und gefördert werde. Andererseits dachte zum Beispiel mein Trainer, es wäre vielleicht zu früh für mich und ich würde nur auf der Ersatzbank sitzen. Das hat sich aber zum Glück nicht bestätigt. Jetzt bin ich sehr zufrieden dort. Ich freue mich, dass ich den Schritt gemacht habe.
Welche sind denn deine sportlichen Ziele für die nächste Zeit?
Zurzeit spiele ich fest in der zweiten Mannschaft, ich trainiere aber zusätzlich auch schon bei der ersten. Ich durfte auch schon mal zu Spielen mitfahren, um das alles kennen zu lernen. Mein Ziel ist es ganz klar, fest für die erste Mannschaft zu spielen. Und vielleicht noch, wieder mal zu einem Lehrgang der Nationalmannschaft der U19 eingeladen zu werden.
Hast du einen Lieblingsspieler?
Bisher war das eigentlich immer Mehmet Scholl vom FC Bayern. Ich mag aber auch Zidane oder Ballack. Warum genau kann ich gar nicht sagen, sie sind mir sympathisch und spielen guten Fußball. Vielleicht mag ich die auch deshalb so gerne, weil sie Mittelfeldspieler sind, so wie ich.
Und gegen wen würdest du gerne mal spielen?
Also ich habe jetzt gerade beim Hallencup gegen die Frauen vom FC Frankfurt gespielt. Das war vorher ein Wunsch von mir. Und na ja, natürlich würde ich gerne mal gegen einen Star wie Zidane spielen.
2008 bist du mit der Schule fertig, was kommt dann?
Ich denke über ein Sportstudium in Köln nach oder vielleicht werde ich auch in die USA gehen, weil ich dort ein Stipendium bekommen könnte. Ich war auf Austausch ein halbes Jahr in den USA und dort habe ich auch Fußball gespielt. Da haben mich ein paar College Coaches angesprochen und mir Angebote gemacht, dass ich das Studium günstiger bekommen könnte, wenn ich dort am College spielen würde.



