Der kleine König unter den Filmen
Wenn du die Chance hättest, Erinnerungen, die dich schmerzen, löschen zu lassen, würdest du es tun? Würdest du eine Beziehung, die traurig endet, aus deinen Gedanken und Erinnerungen verschwinden lassen wollen?
Ein Beitrag von Linn Hart
Joel Barish ist am Boden zerstört, als er erfährt, dass seine Freundin Clementine ihn nach zwei Jahren Beziehung aus ihrem Gedächtnis löschen lassen hat. Einfach so. Er beschließt, es ihr gleich zu tun und beauftragt die Praxis „Lacuna“ seine Erinnerungen verschwinden zu lassen. Während er im Bett liegt, erlebt er durch den Löschvorgang die Zeit mit Clementine noch einmal, nur rückwärts. Nach den Streits und unglücklichen Momenten erinnert er sich an die guten Zeiten mit ihr und bereut es, vergessen zu wollen. Er versucht aus dem Verfahren auszubrechen und seine Freundin für sich zu retten.
Eine Geschichte, die im Kopf der Hauptfigur stattfindet? Kann das funktionieren? Erstaunlicherweise ja. Joels Kampf um seine Erinnerungen ist spannend und je mehr man von den wunderbar exzentrischen Hauptfiguren und ihrer Liebe erfährt, desto wichtiger wird es, die Erinnerungen zu retten. Jedes Mal fiebere ich von Neuem mit, wenn er sich mit ihr in anderen Teilen seines Gehirns versteckt und verzweifelt versucht aufzuwachen.
Der Regisseur, Michel Gondry, verleiht seinem Film „vergiss mal nicht“ mit viel Liebe zum Detail, überraschenden Übergängen und einer wunderbaren Musik einen Stil, der dem Träumen am Nächsten kommt. Es entsteht eine herrliche Verwirrung dadurch, dass er mit Zeitebenen jongliert und auch seine Hauptfiguren im Unsicheren lässt, was passiert. Ein wunderbares „Was-wäre-wenn-Drama“. Du solltest dich nicht beirren lassen, wenn du liest, dass der sonst so gruselige Quatschmacher Jim Carrey die Hauptrolle spielt. Hier ist er der introvertierte Melancholiker, den du schnell ins Herz schließt. Die andere Hauptrolle hat die brilliante Kate Winslet. Ihre Darstellung der impulsiven Clementine macht Joels Liebe für sie vollkommen nachvollziehbar. Am Ende stellen wir fest: Liebe lohnt den ganzen Schmerz. Wenn das mal nicht ein Grund ist, sich den Film anzugucken. <<<



