Von Ötzi zur Queen


Stefanie RichterDinieren mit den Königen, tanzen mit den Sternchen — das Leben als Society-Redakteurin muss schön sein. Immer? In FREIHAFEN spricht Stefanie Richter von der GALA über Dresscodes, Elite-Unis und Paris Hilton.

Ein Beitrag von Jenny Wolf | Fotos: Felix Pensky

Ihre Eltern lesen den SPIEGEL und die ZEIT, Frauenzeitschriften hat ihre Mutter nie beachtet. Viele ihrer Freunde rümpfen beim Thema Boulevardjournalismus die Nase. „Die GALA ist Unterhaltung, aber kein ausgedachter Trash“, entgegnet Stefanie Richter daraufhin. Eigentlich wollte sie nach ihrer Promotion in Philosophie in die Wissenschaft, inzwischen ist die 33-jährige seit viereinhalb Jahren bei der GALA und berichtet regelmäßig über die Reichen und Schönen, die Stars und Sternchen. Ihr erstes, großes Interview hatte sie mit DJ Ötzi. Inzwischen ist sie Expertin in Sachen Königshäuser.

In wie weit ist Boulevardjournalismus seriös?

Meiner Meinung nach ist er dann seriös, wenn die Dinge, die man schreibt, wahr sind. Dabei ist uns wichtig, die Privatsphäre nicht zu verletzen. In der Politik ist das anders, da haben die Bürger ein Recht darauf zu erfahren, was passiert. Man kann aber nicht sagen „Ich hab ein Recht zu erfahren, ob Brad Pitt schon was mit Angelina Jolie hatte, als er noch mit Jennifer Aniston verheiratet war.“

Wie bist du dazu gekommen?

Mir ist beim Schreiben von Romanrezensionen oder anderen Kulturtexten aufgefallen, dass mich da immer auch die Autoren oder Regisseure als Menschen interessiert haben. Und ich habe ein ziemlich gutes Gedächtnis für solche Dinge wie wer gerade mit wem was hat. Viele andere Dinge kann ich mir längst nicht so gut merken. Und da dachte ich mir, vielleicht habe ich dafür ein besonderes Gespür.

Was hat dich so an den Königsfamilien gereizt?

Das war ein Gebiet, ähnlich wie bei der Ötzi Homestory, was keiner machen wollte. Als ich mein Volontariat beendet hatte, wurde ich gefragt, ob ich nicht Lust dazu hätte. Ich hatte mir da vorher gar nicht viele Gedanken darüber gemacht. Das englische Königshaus fand ich schon immer ganz spannend, aber die anderen kannte ich vorher teilweise gar nicht.

Stefanie Richter Wie verhältst du dich den Königlichen gegenüber, im Gegensatz zu DJ Ötzi?

Erstmal versuche ich natürlich jedem Respekt entgegenzubringen und höflich zu sein. Ich finde, es ist grundsätzlich immer sehr wichtig, dass man sich vorher schon Gedanken darüber macht, wen man trifft. Das fängt bei der Kleidung an. Ich hatte mal ein Interview mit Königin Silvia von Schweden und da habe ich mich natürlich schon vorher informiert, was man am besten trägt: Muss ich einen Rock anziehen oder reicht ein Anzug? Dann ist die korrekte Anrede ganz wichtig: Sag ich „Eure königliche Hoheit“ oder „Majestät“? Kann ich einfach mit ausgestreckter Hand auf die zustürmen oder warte ich, bis sie mir die Hand entgegenstreckt? Aber, auch wenn ich persönlich DJ Ötzi jetzt nicht sonderlich toll finde, habe ich schon das Gefühl, dass ich auch ihm mit einem gewissen Respekt begegnet bin. Wäre ich total überkandidelt zu ihm gekommen, hätte er sich vielleicht unwohl gefühlt. Man sollte also schon versuchen, sich jeweils auf die entsprechende Ebene zu begeben.

Wie bereitest du dich noch auf die jeweiligen Interviews vor?

Für das Treffen mit der englischen Königin hab ich mich vorher bei einem Kollegen erkundigt, ob ich einen Knicks machen muss und wie das überhaupt geht. Der sagte mir dann, ich müsse überhaupt nichts, ich sei ja nicht ihre Untertanin und insofern zu gar nichts verpflichtet. Aber wenn ich ihr eine Freude machen und höflich sein wolle, könnte ich einen Knicks andeuten. Das habe ich dann erst einmal geübt.

Und hast du dich irgendwann schon mal total fehl verhalten?

Nein, ich glaube nicht. Also, ich kann mich da an nichts erinnern.

Wie würdest du die Adeligen beschreiben?

Ich bin jetzt nicht wahnsinnig ehrfürchtig vor Königlichen und habe nicht das Gefühl „Oh, das sind die besseren Menschen“ oder „Die stehen über uns.“ Es gibt unter den Königlichen durchaus Leute, die Tolles leisten, wie zum Beispiel Königin Silvia, die ich mit ihrer Stiftung für notleidende Kinder und sexuell missbrauchte Mädchen einsetzt. Allgemein gibt es da aber schon große Unterschiede. Die Skandinavier legen sehr viel Wert darauf, möglichst normal zu sein: Sie schicken ihre Kinder in öffentliche Schulen und auf öffentliche Unis. In England hingegen erwarten die Briten glaube ich, dass die Königin über den normalen Leuten steht. Da gehen William und Harry natürlich auf das Eliteinternat Eton und nicht auf die normale Schule um die Ecke. Aber ich denke, dass die Monarchien grundsätzlich nur dann überleben können, wenn sie sich der Zeit anpassen und nicht mehr so ganz elitär sind.

Was war dein schönstes Erlebnis?

Das Treffen mit der Queen und dass ich ihre Hand schütteln durfte, war schon etwas ganz Besonderes. Im echten Leben war sie auch ganz anders, als ich erwartet hatte. Viele denken, sie sei ganz streng und unnachgiebig, aber als ich neben ihr stand, hatte ich das Gefühl, dass sie eine ganz warme Frau ist. Und ich kann mir gut vorstellen, dass sie eine ganz reizende Großmutter ist. Das hat mich schon irgendwie berührt.

Und andere Momente, die du nie vergessen wirst?

Das Interview mit Königin Silvia im Stockholmer Schloss. Alles war ganz herrschaftlich mit Säulen in den Gängen und überall Sicherheitsleute. Wir sind durch die verschiedenen Vorzimmer mit Vorzimmerdamen gegangen, bis wir dann endlich in ihrem Arbeitszimmer waren. Das war von allen Zimmern das kleinste, dunkelste und unspektakulärste. Die Fenster waren weiter oben, wie in einem Souterrain. Einmal ist sie extra hochgeklettert, um uns etwas zu zeigen. Also, ich find das sehr sympathisch.

Welchen Promi findest du so richtig unsympathisch?

Als ich bei dem Staatsbankett mit Elizabeth II. war, waren da auch Caroline von Monaco und ihr Mann Prinz Ernst August. Und irgendwie ist es ja nichts besonders, wenn man den trifft und ein bisschen Angst hat nach allem, was man über ihn gehört hat. Ich habe mich ihm auch nicht allzu sehr genähert, ihn aber beobachtet. Daraufhin hatte ich auch keine Lust mehr, mit ihm zu sprechen. Der wirkte auf mich ziemlich betrunken und aggressiv und hat sich der Königin gegenüber benommen, dass ich mir nur dachte „Ups, das würde ich mir ja nie erlauben“. Von wegen „Hööö, das hier ist mein Kumpel sowieso und den möchte ich dir gerne vorstellen.“ Die sind zwar auch um viele Ecken miteinander verwandt, trotzdem glaube ich nicht, dass man sich so der Königin gegenüber verhält.

Wen würdest du außerhalb der Königshäuser gerne treffen?

Letztens habe ich Paris Hilton interviewt, das war nicht so toll und das muss nicht noch mal sein. Außer „I like it’ und ‚It’s fun“ hat sie nichts zu sagen. Ansonsten – vielleicht Johnny Depp. Aber mich interessieren auch Politikerinnen. Hillary Clinton wäre toll.

Nach viereinhalb Jahren: Findest du die Königshäuser immer noch interessant?

Die Königlichen finde ich gut und es macht mir auch immer noch Spaß, mich damit zu beschäftigen. Vor allem ist es irgendwie etwas Verlässlicheres als bei den Hollywoodstars. Da sind die Skandale nicht ganz so groß und man muss sich viel weniger Gedanken machen, ob das jetzt nur wieder ein PR-Gag ist. Ich habe so das Gefühl, das bewegt sich alles in einem etwas unauffälligeren Rahmen, das gefällt mir ganz gut.




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