Filmkiritik vom Filmfreund: Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss!


Sukiyaki Western Django

Punkte: 9/10
Regie: Takashi Miike
Cast: Hideaki Ito, Quentin Tarantino, Koichi Sato, Yoshino Kimura, Kaori Momoi, Masanobu Ando
Spieldauer: 121 min.
DVD-Start: 2. Juni 2008
Gesehen auf den 6. Fantasy Filmfest Nights (www.fantasyfilmfest.com)

Was haben weiß- und rot gekleidete Cowboys, ein schizophrener Sheriff, ein Didscheridoo, eine Trompete und Shakespeare gemeinsam? Sie erscheinen alle in Takashi Miike’s Western „Sukiyaki Western Django“. Was den japanischen Fließband Regisseur zu dieser Idee bewegte und wieso sich selbst Quentin Tarantino für eine Nebenrolle ergattern ließ liegt auf der Hand: Spieltrieb.

Die Fronten sind gestellt: Rot gegen Weiß, und kein Erbarmen. Mitten im 12. Jahrhundert zur Zeit des Genpei-Krieges leben zwei Feinde, der Heike und Genji Clan, in einer kleinen Stadt mitten in der Wüste. Beide dürsten sie nach der Legende eines Schatzes von immensem Wert. Ein fremder Schützenheld streift durch die Stadt und muss sich entscheiden, welchem der Clans er sich anschließt.

Der Handlungsverlauf eines waschechten Western, der schon fast einem Epos gleicht. Doch welcher gute alte Western hat schon Wegweiser auf denen in japanischen Schriftzeichen „Nevada“ steht, oder chinesisch anmutende tempelartige Gebäude zwischen Galgen und Saloon? Warum spielen die Ureinwohner im 12. Jahrhundert auf einer glänzenden Trompete und was zum Henker befindet sich in einem großen Sarg, der hinter einer Kutsche her gezogen wird und dem Heike Clan den sicheren Weg zum Siege verspricht? Takashi Miike schafft es den Western in die Zeit der Globalisierung zu verfrachten. Nicht nur die unterschiedlichsten Kultureinflüsse schmiegen sich als leichte Ironie an das Geschehen, auch gibt es zahlreiche Zitate und Charaktere, die man irgendwo schon einmal gehört oder gesehen hat. Der schizophrene Sheriff wirkt wie „Gollum“ in Cowboy Outfit und der Anführer der Heikes erinnert stark an Johnny Depp als „Captain Jack Sparrow“ und entwickelt trotzdem einen ganz eigenen, brillant umgesetzten Charme.

Der bereits erwähnte Spieltrieb des Regisseurs ist permanent spürbar. Purer Spaß und mehr nicht? Nein! Hinter der äußerst unterhaltsamen Fassade versteckt der Film sogar Poesie und es wirkt als wäre Takashi Miike’s Muttersprache die Bildsprache. Einen gewissen Grad an schwarzen Humor sollte man vertragen können, und sich bewusst sein, dass Takashi vor keiner abstrusen Szene zurückscheuen würde. Explizite Gewaltdarstellungen spielen eine nicht unbedeutende Rolle. Der Film wird einigen sicherlich zu anstößig sein, doch wer einen Film mit Takashi und Tarantino schaut, weiß worauf er sich einlässt. Von meiner Seite aus: dringende Empfehlung!

Der Filmfreund
Björn Hochschild

filmfreund [at] freihafen.org




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