Filmkiritik vom Filmfreund: Ein außergewöhnlicher Auflauf aus totem Fleisch


Diary of the Dead

Punkte: 9/10
Regie: George A. Romero
Cast: Joshua Close, Michelle Morgan, Shawn Roberts, Joe Dinicol, Phillip Riccio, Scott Wentworth, Tatiana Maslany, Amy Lalonde
Spieldauer: 95 min
Kinostart: unbekannt
Gesehen auf den 6. Fantasy Filmfest Nights (www.fantasyfilmfest.com)

1968 mit „Night of the living Dead“ gestartet, mit Dawn of the Dead (1978) einen weiteren Meilenstein geschaffen, kehrt „Vater” der Zombies George A. Romero erneut zurück ins Genre der wandelnden Toten. Mit „Diary of the Dead“ startete Romero den Versuch dem Zombiefilm das zurückzugeben, was er im Laufe der Jahre verloren hat und backt dabei einen ganz eigenartigen Zombiestreifen.

Gänzlich ohne Erklärungsversuche überrollt eine Katastrophe die Menschheit: Die Toten kehren zurück ins Leben, als fleischdürstende Kadaver. Ein Team aus jungen Filmmachern wird während des Drehs eines Horrorfilms von der Situation überrascht. Mit sämtlicher Kameraausstattung beginnen sie eine auswegslose Flucht vor dem Ungewissen in ihrem Van. Sämtliche Geschehnisse halten sie auf Kamera fest und beschließen eine Dokumentation zu erschaffen, der sie den Namen „The Death of Death“ verleihen. Über das Internet suchen sie Kontakte auf der ganzen Welt und versuchen ein Stück Geschichte festzuhalten, das bereits in der Zeit der Katastrophe von Medien und Politikern verfälscht und in eine Lüge gekehrt wird. Begeistert von dem Gedanken die Wahrheit zu zeigen streifen sie durchs Land und nehmen alles auf, was sie finden können.

Was der Zuschauer zu sehen bekommt ist der abgeschlossene Filmschnitt von„The Death of Death“, untermalt mit Musik, Kommentaren und Filmmaterial von anderen Amateurfilmern. Trotz seines hohen Alters von 68 Jahren, wagt es Romero einen Film zu drehen, der eine Kritik zu einem Gesellschaftsthema äußert, das aktueller und moderner nicht sein könnte: Youtube, Myspace, Google, Internetprotale – kurz gesagt, die medienüberflutete Jugend unserer Zeit. Dazu kommt das ebenfalls erneut aufflammende Stilmittel der verwackelten Kamera, welches in Romero Filmen bisher keine Rolle spielte. Romero schafft es dennoch, einen Film zu produzieren, der glaubwürdiger nicht sein kann. Mit der Kamera spielt er förmlich, und sobald ein Bild zu hektisch oder ungewohnt wird, weiß er es dem Zuschauer auf ruhigen festen Kamerabildern seine Pause zu gönnen.

Dabei ist „Diary of the Dead“ nicht mit einem Romeros alten Filme gleichzusetzen. Vielmehr nutzt er das, was er in der Vergangenheit gelernt hat, um diesem Film die richtige Mischung verschiedener Elemente zu verabreichen. Verabreichen tut er seinen Zombies wie gewohnt eine hoch dosierte Schlaftablette, die daraufhin erfreulich gewohnt langsam und unintelligent durch die Landschaft schlendern. Eine Portion Horror, eine Prise Bluteffekte, eine gut gewürzte und dunkle Humorbeilage, ein Quäntchen Action, ein großer Hauch Sozialkritik und das ganze verfeinert mit einer saftigen und dichten Soße aus psychologisch nachvollziehbarer und äußerst detailreicher Charakterstudie: Fertig ist der Zombieauflauf a la Romero.

Der Filmfreund
Björn Hochschild

filmfreund [at] freihafen.org




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