Filmkiritik vom Filmfreund: Wenn Zombies Achterbahn fahren
[Rec]
Punkte: 8/10
Regie: Jaume Balagueró, Paco Plaza
Cast: Manuela Velasco, Vicente Gil, Ferran Terraza, Pablo Rosso, Martha Carbonell
Spieldauer: 85 min
Kinostart: 8. Mai 2008
Gesehen auf den 6. Fantasy Filmfest Nights (www.fantasyfilmfest.com)
Gewisse Horrorfilme sind gemacht für die Massen. Sie sollen die Massen aufrütteln, erschrecken, ekeln und ihnen das Fürchten lernen. In dem Moment wo ein Kinobesuch einer wilden Achterbahnfahrt gleicht, hat der Film seinen Zweck erfüllt und sein Ziel erreicht. Diesen Versuch startet auch [Rec].
Irgendwo in Barcelona ist Reporterin Angela mit ihrem Kameramann Pablo unterwegs, um eine neue Folge ihrer Serie „Während sie schlafen“ zu drehen. Dieses Mal begleitet sie die Mitarbeiter eine Feuerwehrwache. Sie berichtet über Alltag und Leben in der Wache, bis plötzlich ein Notruf ertönt: Eine alte Frau sei eingesperrt. Vom Fernsehteam begleitet stürmen die Feuerwehrmänner in ein Wohnhaus und finden eine alte wilde Frau vor, die scheinbar in Ekstase einen der Feuerwehrmänner beißt. Als sie den Verletzten aus dem Haus bringen wollen, finden sie verriegelte Türen und Fenster wieder und eine Stimme gibt ihnen über ein Megaphon die Anweisungen das Haus unter keinen Umständen zu verlassen. Nach und nach spielen immer mehr Bewohner des Hauses verrückt, bis die Situation eskaliert.
Eine spritzige Idee hinter einem stereotypischen Zombiefilm, wie es ihn schon in zigfacher Ausführung gibt. Der relativ neue Aspekt an diesem Film ist die Aufnahmetechnik. Die anmutende neue Ära der „verwackelten Handkamera“, wie man sie aus „Blair Wich Project“ oder neueren Filmen, wie „Cloverfield“ kennt, erreicht nun auch die lebenden Toten. Der gesamte Film besteht aus der Sicht der Kamera von Pablo. Permanent wird versucht alles zu Filmen und festzuhalten. Eine logische Schlussfolgerung dieser Aufnahmetechnik wäre, dass der Zuschauer in die Rolle des Beobachters gedrängt wird. Doch bewegt sich [Rec] auf einer anderen Ebene. Wenn eine Deckenluke aufspringt, keiner der handelnden Personen sich traut dort reinzuschauen und die Kamera vorgeschickt wird, bleibt für einen kurzen Moment ein Gedanke, wie: „Warum zum Teufel schickt ihr mich jetzt vor?“ Und in diesen Augenblicken wird einem deutlich, wie gut es der Film schafft, seine Zuschauer gefangen zu nehmen.
Dies ist für den nächsten Aspekt des Horrors eine essenzielle Basis: Die Schockmomente. Diese tauchen in [Rec] zwar nicht im Sekundentakt auf, doch haben die wenigen Szenen nahezu eine Perfektion in Timing und Spannungsaufbau. Das Erschrecken überträgt sich in alle Glieder und selbst eingefleischten Horrorfans kann durchaus ein Aufspringen oder Schreien entlockt werden. Sobald der erste Nachbar im Kinosaal aus seinem Sitz hochschnellt und Augen und Mund aufreißt, besteht kein Zweifel mehr: [Rec] hat den Versuch eine Achterbahnfahrt zu werden erfolgreich verwirklicht. Und wir reden hier von einer vernünftigen Achterbahn, mit langsamem Kettenlift zu Beginn, anschließendes rasantes Tempo und gut platzierte Loopings, Schrauben und Umdrehungen in verschiedensten Formen. [Rec] soll Spaß machen, und das tut er auch!
Der Filmfreund
Björn Hochschild
filmfreund [at] freihafen.org



