Gast-Filmkritik: Hancock
Name: Hancock
Punkte: 8/10
Regie: Peter Berg
Cast: Will Smith, Charlize Theron, Jason Bateman, Eddie Marsan
Spieldauer: 92 min
Kinostart: 03.07.2008
Er hat die Kraft einen gestrandeten Wal zurück ins Meer zu schleudern. Leider zerstört das tonnenschwere Tier beim wassern eine mehrere Millionen Dollar teure Segeljacht. Nein, John Hancock (Will Smith) ist nicht unser gewöhnlicher 08/15-Superheld mit Saubermannimage. Hancock ist ein Penner mit Superkräften, ein Egomane, der fliegen kann, ein Superheld mit Alkoholproblemen. Kurzum: ein richtiges A********.
Gerade will ich mich hinsetzen und die Filmkritik für den neuen Will Smith Film Hancock verfassen, da höre ich auch auf Deutschlandradio-Kultur den Beitrag eines ambitionierten Profi-Filmkritikers zum gleichen Film. Na gut, denke ich mir, dann höre ich mal zu und versuch soviel es geht zu klauen… . Aber nein, da sieht (bzw. hört) man, warum Deutschlandradio-Kultur wahrscheinlich einen schweren Stand unter den Lesern dieses Magazins hat. Das „Erwachsenen-Radio“ schafft es zielsicher den Spaß, den man an einem solchen Film unter Umständen haben könnte, wegzudiskutieren: Begriffe wie Katharsis des Über-Ichs, Metamorphose des Superimages und Metapher der Gesellschaft regnen aus dem Äther auf mein fragezeichenproduzierendes Hirn. Häh? Soll ich warten bis ich ein Studium der Filmästhetik absolviert habe um den Film zu verstehen?
Der Film trägt den etwas dümmlichen Untertitel „There are heroes … there are superheroes … and then there’s Hancock“ – angeblich ein Zitat von Super-Actor Will Smith höchstselbst. Wer’s glaubt, wird ein Superheld, wer nicht, hat die Welt der PR durchschaut. Um letztere geht es auch bei Hancock – mehr oder weniger. Denn irgendwie scheint der alkoholsüchtige, wie ein Obdachloser lebende Superheld es nicht zu schaffen, seine Heldentaten ins rechte Licht zu rücken. Sie mögen ja mehr oder weniger zum gewünschten Ergebnis führen und auch unzählige Leben retten, aber der materiellen Schaden, den Hancock durch unkontrollierte und zumeist whiskeygeschwängerte Flugmanöver verursacht, stürzen die Stadt L.A. immer wieder in finanzielle Fiaskos. So muss nach einer von Hancock beendeten Verfolgungsjagd der Highway komplett saniert werden inklusive Verkehrsleitsystem und die Autoindustrie kann die Produktion vermutlich vervierfachen. Nein, Hancock ist nicht Peter Parker, Clark Kent oder einer der anderen alliterativen Superhelden mit Unterwäsche-über-Strumpfhosen-Look. Auch die Öffentlichkeit hat lang schon genug von ihm: Soll er doch ins Gefängnis gehen oder wenigstens nach New York.
Was Hancock ohne Frage braucht, ist ein Imagewandel. Und der kommt in Gestalt des Gut– und PR-Menschen Ray Embrey (Jason Batemen), dessen Leben Hancock rettet, indem er mal wieder einen Güterzug zum Entgleisen bringt. Embrey, ganz der PR-Mann, nutzt die Gunst der Stunde und versucht ihn für seine Methoden zu gewinnen. Ein Besuch im Gefängnis (mehrere Strafe wegen alkoholisierten Fliegens mit Stadtzerstörungsfolge sind verhängt worden), ein Verhaltenstraining (Begriffe wie „Danke“ und „gut gemacht“ waren bisher Fremdworte in Hancocks begrenztem Wortschatz) sowie ein enganliegendes Superheldenkostüm, das mit reichlich Witzeleien bedacht wird, sind noch die harmloseren Folgen dieses Aufeinandertreffens. Allein Rays Frau Mary (Charlize Theron) ist von Anfang an gegen das neue Projekt ihres enthusiastischen Mannes. Aus gutem Grund, wie sich zeigen wird.
von Maikol Reichmann



