Vom Punker bis zum Banker
Umsonst und Draußen: drei Tage Musik am See - Das ist das Motto des Wutzrock Festivals in HH-Allermöhe. Doch was verbirgt sich außer guter Laune und Ohrenschmaus dahinter? Marianne Weis von Wutzrock steht uns Rede und Antwort.
FREIHAFEN: Woher kommt der Name „Wutzrock“?
Marianne Weis: Eine gute Frage. So genau weiß das keiner mehr. Die Assoziation zu Woodstock liegt auf der Hand, aber das ist bei weitem nicht alles. Die Wutz war das Logo von „Unser Haus e.V.“, der sich als Träger für ein selbst verwaltetes Jugendzentrum gegründet hat und zudem gab es in dieser Zeit ein Werbeplakat mit vielen Schweinen und dem Slogan „Esst mehr Obst“ – Schwein ist gleich Wutz und so nimmt man an, entstand in einer „Bierlaun“ unser Name.
Wann und wie entstand die Gründungsidee von Wutzrock?
Die Idee entstand 1978 zur Unterstützung der Jugendzentrumsbewegung „JUZ, aber dalli!“ und fand schließlich vor rund 2000 Besuchern im Sommer 1979 im Billtal-Stadion statt – umsonst und draußen. Es folgten weitere Festivals und kleinere „Wutzröckchen“ und der Einsatz lohnte sich. Bergedorf hat ein selbst verwaltetes Jugendzentrum, der Verein „Unser Haus“ ist als Träger anerkannt. Und Wutzrock lebte weiter – bis heute.
Wie sind Sie auf den Ort Allermöhe und den Platz am Eichbaumsee gekommen?
Wutzrock war ein Schmuddelkind, laut, rebellisch, wild und nicht von allen gemocht. Wutzrock störte. Der Bezirk hat uns den Platz am Eichbaumsee zugewiesen, die geeignete Spielwiese auf der wir wenig störten. Aber es kommt oft anders als gedacht. Der Platz ist super, traumhaft gelegen zwischen Dove-Elbe und dem Badestrand Eichbaumsee in Allermöhe. Wir haben seit Ende der 80er Jahre unseren festen Ort und sind inzwischen im Bezirk eine feste Größe, so etwas wie eine Institution geworden. Inzwischen spielt man gerne mit den „Schmuddelkindern“.
Wie wird Wutzrock finanziert?
Vor allem finanzieren wir das Festival über den Getränkeverkauf, durch die Standmieten und über Sponsoren. Sehr wichtig ist dabei auch die Unterstützung einiger kleiner und mittelständiger Firmen, die unser Engagement klasse finden und uns umsonst Equipment leihen oder zu günstigen Preisen vermieten. Und nicht zu vergessen sind die vielen „kleinen“ Hilfen, wie z.B. Unmengen gespendeter Kuchen für das Catering etc.
Wie wird das Festival organisiert?
Etwa 20 bis 30 Leute planen das ganze Jahr über das Festival. Während des Festivals kommen noch einmal etwa 150 Helfer und Helferinnen dazu. Wir arbeiten alle ehrenamtlich.
Nach welchen Kriterien werden die Bands ausgesucht?
Wir wollen ein buntes und vielseitiges Programm und ein buntes Publikum ansprechen, getreu unserem Motto: Vom Punker bis zum Banker. Vom Säugling bis zur Oma. Wir wollen überraschen, junge Bands fördern, mit Bands und Gästen Party feiern – das alles sind Kriterien für die Auswahl. Und die Bands sind bereit für kleine Gagen zu spielen.
Wie wird das Festival publik gemacht?
Durch Plakate, Flyer und Festival-Guides, online über unsere Hompage und über die Presse – also überall dort, wo Leute hinschauen.
Gibt es Konkurrenz?
Nein, wir sind doch „einzigartig“ im Norden.
Was macht Wutzrock aus?
Es ist ein Festival der Gegensätze: leise und laut, jung und alt. Es ist bunt, antifaschistisch, umsonst und draußen. Außerdem macht das internationale Programm Wutzrock aus. Wir haben einen besonderen, unverwechselbaren Charme, sogar bei Regen.
Was halten Sie von Massenmusikveranstaltungen, wie z.B. dem Hurricane?
Wer es mag. Was ist das für eine Frage?
Das Motto des Festivals: “Love and peace” oder “revolution and resistance”?
Mmh. Woher habt ihr das denn? Okay, dann doch: “Think global, act local!“
Was war das schrecklichste Festivalereignis?
Könnt ihr euch vorstellen, was es bedeutet, wenn der Sattelzug im Schlamm vor der Bühne stecken bleibt? Die Bühne muss umgebaut werden und die Besucher müssen auf Musik und Bier warten! Alles schon passiert.
Wann und wie war der beste Auftritt?
Wieder so eine Frage… bei uns ist alles ein Genuss.
Wie hat sich das Festival in den letzten Jahren verändert?
Eine nicht einfache Frage, weil Wutzrock immer in Bewegung ist. Was fällt mir dazu ein: Wir haben seit 3 Jahren eine zweite Bühne mit viel Kleinkunst und Theater etc. Es gibt immer neue Ideen für unser Rahmenprogramm, es kommen mehr Dauergäste, wir erleben mehr Akzeptanz in Bergedorf, es gibt immer mehr Bands, die bei uns spielen wollen und es wird immer schwieriger Sponsoren zu finden, um alles zu finanzieren.
Zu welcher Tages- oder Nachtzeit ist die beste (Festival)Stimmung?
Äh… je nach Geschmack. Ich liebe die Abendstunden.
Ist der Boden festivaltauglich?
Klar, es besteht die Alternative zwischen Flip-Flops und Gummistiefeln. Der Rasen ist vor und nach dem Regen trocken.
Was gibt es zu trinken?
Alles, außer Hartalk.
Welche durchschnittliche Haarfarbe hat das Publikum?
Bunt.
Wie sieht Ihre Packliste für Wutzrock aus?
Gute Laune, Enthusiasmus, Mobilat und Plaster, Wanderstiefel, Arbeitshandschuhe und Ohrenstöpsel und ganz wichtig – etwas zur Beruhigung der Nerven.
Wie ist Ihre Prognose für den Festival Sommer 2008?
Heiter bis sonnig.
von Lilith Bergmann und Lea Zierott



