Reisetagebuch - Jennifer Nausch

19.02.2007 | Muezinrufe aus der Moschee verklumpen morgens um 5 Uhr zusammen mit Mr. Gockels Geschrei zu einem akustischen Klumpen, der sich in meine Traeume mischt. Doch alsbald werde ich eh fuer eine halbe Stunde geweckt.

Auch, wenn die Familie meiner Freundin Bebe, bei der ich wohne , nicht muslimisch ist, steht ihr jüngerer Bruder früh auf und kommt in unser Zimmer, um sich zu waschen, bevor er zur Schule geht. Ich wälze mich dann ein paar mal auf der Matratze hin und her, die so dünn wie eine zweimal gefaltete Wolldecke ist, und muss auch Bebe, die neben mir schläft, manchmal ein Stück zur Seite rollen, aber dann schlafe ich wieder bis ca. 8 Uhr…

In diesem Land, in dem die Mögichkeiten begrenzt sind, stehen mir innerhalb dieses Rahmens alle Türen offen. Ich hätte in der Redaktion schlafen können, in der ich ein Praktikum mache. Hier gibt es eine europäische Toilette, die zwar keine Brille hat und schmutzig ist, und eine Dusche. Auch hätte ich ein Zimmer in einem Haus mieten können. Doch ich habe mich gegen die Einsamkeit und den Krümel europäischen Standards entschieden, sondern für das echte, afrikanische Leben.

Das einfache Leben hier ist nicht einfach. Will sagen: es ist gewöhnungsbedürftig für mich. Aber ich nehme gerne vieles in Kauf. Ich gehe dort zur Toilette, wo Kakerlaken das Örtchen ihr Revier nennen können. Es riecht fürchterlich bei dem Erdloch und man braucht eine Kerze abends, da es so dunkel ist, aber es geht. Und eine Dusche - das ist, wenn ich mich mit einer Gießkanne in einer Baracke auf dem Hinterhof unter freiem Himmel besprenkel. Auch die Zähne putze ich draussen über einem Sandhaufen… Dafuer gehöhrt mir aber eines:Das Gefühl, tief im warmen und warmherzigen Schoss Afrikas zu ruhen. Voller Geborgenheit. Alle sind freundlich zu mir und wollen nur das Beste. Und wenn mich abends mein “personal taxidriver” nach hause bringt, hat Bebe meistens schon Reis aufgesetzt, den wir zusammen mit den blossen Händen von einer Platte essen. Ich fühle mich hier sofort wie zu Hause.

Ach ja, Taxi fahre ich, da die Burkinabè mich nicht mit dem Mofa alleine fahren lassen. “La circulation est trop dangereaus”, sagen sie. Bin aber bei meinem Praktikum ständig mit einem Kollegen auf dem Mofa unterwegs. Also hat sich der Kauf des Helmes doch gelohnt. Waren gestern auf einer UN-Konferenz zum Bericht über menschliche Entwicklung. Ich soll darüber schreiben, hab aber nur die Hälfte verstanden …am 24.ß2. geht das grosse, internationale Filmfest “Fesbaco” los, wo wir von der Jugendredaktion natürlich auch alle dabei sind. Ich könnte noch viel mehr schreiben, hab aber nicht mehr so viel Zeit und das Internet ist sehr langsam, melde mich also bald mit einem Zwischenbericht wieder.

Ihr Lieben, macht es gut, Eure Jenni

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