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	<title>freihafen.org &#187; Fischmarkt</title>
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	<description>Ein neues WordPress-Weblog</description>
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		<title>Normal to be strange</title>
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		<pubDate>Sun, 24 Jan 2010 16:24:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Max</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fischmarkt]]></category>

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		<description><![CDATA[Selbst nach seinem überraschenden Ableben polarisiert der „King of Pop“, Michael Jackson immer noch Tausende. Gedanken über ein Wunder in Menschengestalt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als kleiner Junge zum Megastar getrimmt und von seinem Vater mehr trainiert als erzogen und geliebt, von der Presse gejagt und von den Fans fast krankhaft vergöttert, führte Michael Jackson mit Sicherheit kein einfaches oder leichtes Leben. Als Superentertainer gefeiert, als „Freak“ verdammt war es ihm quasi unmöglich, seine Persönlichkeit hemmungslos auszuleben, noch dazu vor einem Milliardenpublikum. Wo Erfolg und Freude ist, da versammeln sich auch gerne Neid und Hass. Es ist ein fürchterliches Dilemma bei uns Menschen, dass Paradiesvögel eine so begehrte Jagdtrophäe sind. Und leider sind es die Schwachen, die heimlichen Neider die den Abzug drücken. Das Michael Jackson es solange ausgehalten hat, sich dem Neid und Hass zu stellen ist bemerkenswert. Verglichen mit den gegenwärtigen „Superstars“ wirkte er ungewohnt brav für einen Prominenten. Während Popstars Heute mit fehlenden Höschen oder Prügeleien mit Fotografen Schlagzeilen machen, ist Jacksons Medikamentensucht dagegen lächerlich. Man überlege nur, wie viele Normalmenschen von Antidepressiva etc. abhängig sind. Auch die Gerüchte, er habe in einem Sauerstoffbehälter geschlafen, um länger zu leben oder die Gebeine eines Elefantenmenschen gekauft, um damit zu spielen sind eher lustig als erschreckend. Im Grunde war das, was er nach außen hin verkörperte oder zu verkörpern versuchte, eine harmlose und weltverbesserische Märchenfigur, eine wie von Walt Disney gezeichnet.<br />
Trotz all dieser Schwierigkeiten, die ein Leben in aller Öffentlichkeit mit sich bringt, muss Michael Jackson viel Freude in seinem Leben verspürt haben. Nicht nur auf Grund seines Erfolges oder des Geldes wegen. Freude am und zum Leben findet sich in fast allen seinen Texten. Wo heute von Schwanz lutschen, Gewalt und Macht gesungen wird, da sang er von einer besseren Welt, von Gleichheit zwischen den Hautfarben, von Respekt und Liebe zur Natur. Jacksons Lieder machen Spaß. Sie sind fröhlich, witzig und voller Energie – genau wie seine Tänze. Sieht man ihn sich bewegen, kann man seine eigenen Beine kaum stillhalten. Fred Astaire, die Tanzlegende der vierziger und fünfziger Jahre schlechthin, nannte ihn seinen Nachfolger und den größten Tänzer des Jahrhunderts. Seine musikalische Richtung kreierte einen noch nie dagewesenen Stil. Viele moderne Topstars á la Timberlake sind lediglich dilettantische Kopien dieses unfassbaren und so einzigartigen Menschen, dessen Musik unsterblich ist und dessen Freude und Energie diese Welt um einiges bereichert haben.<br />
<img class="ngg-singlepic ngg-left" src="http://www.freihafen.org/wp-content/gallery/cover-bilder/mj-illu-5.jpg" alt="mj-illu-5" /></p>
<p>Die meisten Leser des FREIHAFEN werden sich vermutlich nicht diese Gedanken um Michael Jackson gemacht haben und ihn eher als Randfigur internationaler Prominenz wahrgenommen haben, über die lediglich in Boulevardmagazinen mit abstrusen Behauptungen berichtet wurde. Seine Klassiker, die in aller Munde sind, wurden ab und an in Diskotheken gespielt, er selbst allerdings wirkte eher wie ein sakraler Geist, der Altmeister der Popmusik. Ein zurückgezogenes Genie, doch nie wirklich präsent. Lediglich im Jahre 2005 tauchte er persönlich auf. Vor Gericht. Beschuldigt der sexuellen Belästigung von Minderjährigen. Schon vor der Bekanntgabe durch die Geschworenen stand das Urteil der Öffentlichkeit fest. Daran konnte auch der Freispruch des Gerichtes bis zu seinem Tode nichts ändern. Da folgte prompt die Heiligsprechung – verstehe einer die Menschen. Vielleicht ging es für die meisten nur darum, Recht zu behalten, dass es bei so viel Erfolg nicht mit rechten Dingen zu gehen könne.<br />
Nun, meine Generation wurde eben gerade geboren, als er auf dem Zenit seiner steilen und harten Karriere stand, als er neue Maßstäbe errichtete, der Welt eine völlig neue Musik und natürlich den „Moonwalk“ schenkte. Wir sahen weder den ersten Kinderstar dieser Welt aufwachsen, noch den großartigen Entertainer auftreten, der seine Fans zu hunderten in Ohnmacht fallen ließ. Wir verstehen den Rummel um ihn nicht wirklich. Das liegt vermutlich auch daran, dass wir kaum Grenzen kennen. Die spektakulären Auftritte Jacksons, sein kunterbuntes Leben wirken auf uns nicht befremdlich oder abenteuerlich. Denn heute ist es schwierig geworden, Rekorde zu brechen oder die Öffentlichkeit zu schockieren. Diesen Zustand haben wir auch dem King of Pop zu verdanken. Als Vorreiter dieser Gesellschaft ohne Grenzen haben uns seine Persönlichkeit und sein musikalisches Schaffen den Weg ins 21. Jahrhundert geebnet. Er, der Grenzenlose, der weder weiß noch schwarz, weder Mann noch Frau war und der als Erwachsener lebte wie ein Kind, war der Inbegriff des modernen Menschen, der glaubt, alles sein zu können, was er sich erträumt. Gleichzeitig war er Mahnung dafür, dass es seine Schattenseiten mit sich bringt, alle seine Vorstellungen in die Tat umzusetzen. Deshalb nennen wir es Träume und nicht Pläne.<br />
Was soll man also von ihm halten? Was kann unsere Generation rückblickend sagen, über diesen wunderlichen Menschen, der wie wenige die Geister scheidet? Vielleicht, ja vielleicht war ’MJ’ ein einziger Maskenball. Mit Pauken und Trompeten und bunten, glitzernden Kostümen. Nur, trägt man eine Maske lange genug, so beginnt diese langsam mit dem echten Gesicht zu verschmelzen. Bis zu dem Punkt hin, da die Maske zum echten Gesicht wird. Bei jemandem wie Michael Jackson, der Tag und Nacht von der Öffentlichkeit beobachtet wurde und dessen größtes Talent es war auf der Bühne zu „spielen“, ist diese grundlegende Metamorphose durchaus vorstellbar.<br />
Der Künstler wird so zu seinem Werk.<br />
ILLUSTRATION: Nikolai Zabolotski</p>
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		<title>Keine Wohnung.</title>
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		<pubDate>Sun, 29 Mar 2009 12:43:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>gast</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fischmarkt]]></category>

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		<description><![CDATA[Keine Arbeit. Keine Chance?
Von Straßenkindern in Hamburg. Zwei Jugendliche erzählen ihre Geschichte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das muss wohl ein Schulprojekt sein &#8211; dieses junge Mädchen, was da in der Einkaufstraße steht und die Obdachlosenzeitung Hinz&amp;Kunzt verkauft. Sie ist jung, vielleicht in der 10. Klasse. Wenn das Projekt heute vorbei ist, so scheint es, wird sie nach Hause gehen, in ihr Bett, zu ihrem Alltag. Mit dieser Erklärung kann der Betrachter zumindest ohne Unbehagen weiter einkaufen.<br />
Doch die Realität ist anders: In Deutschland landen jährlich bis zu 2.500 Jugendliche auf der Straße. Sie bleiben für uns unsichtbar. Sie passen nicht in das Bild, das wir von Obdachlosen haben. Zwei dieser Jugendliche haben uns ihre Geschichte erzählt: Wie sie auf der Straße gelandet sind und nun nach einer Perspektive suchen.<br />
Sandra, 19 Jahre, aus Essen „Einer von euch beiden muss gehen“, hört sie noch immer ihre Mutter sagen. Sandra packt ihre Sachen, gibt ihren Wohnungsschlüssel ab und geht. Keiner hindert sie daran und eine bessere Möglichkeit scheint es nicht zu geben. Die ständigen Streitereien mit der Mutter und dem großen Bruder – willkommen fühlt sie sich Zuhause schon lange nicht mehr. Mit 17 ging sie das erste Mal von Zuhause weg, doch Polizei und Jugendamt fanden sie schnell. Jetzt, zwei Jahre später, weiß sie, es gibt kein Zurück. Ein komisches Gefühl, doch alles ist ihr lieber als Daheim. Anfangs kam sie noch bei Freunden unter, auf Dauer ging das nicht gut und sie musste auf die Straße. „Am Anfang konnte ich abends nicht richtig schlafen, weil ich Angst hatte, dass jemand kommt“.<br />
Auf der Straße gibt es kein Ort, wo man sich zurückziehen kann, keinen geschützten Raum nur für sich alleine. Und so stellt Sandra eines morgens fest, dass ihre Sachen geklaut sind. Leider keine Seltenheit. Irgendwann landet Sandra in Hamburg. Auf der Suche nach einem Schlafplatz lernt sie andere Wohnungslose kennen. Für sie eine gute Erfahrung, denn in der Gruppe fühlt sie sich sicher.<br />
Die Tage werden kälter. Sandra bekommt eine starke Mittelohrentzündung, eine Nierenbeckenentzündung und Fieber. Doch sie darf nicht zum Arzt, denn ihre Mutter hat zu dem Zeitpunkt bereits Sandras Familienversicherung gekündigt. Die Mobile Hilfe versorgt sie vorerst mit den nötigen Medikamenten und einer der Wohnungslosen nimmt sie mit in seine Kirchenkate, auf eine Notunterkunft. Hier darf sie bleiben bis es ihr besser geht, denn draußen, bei den winterlichen Temperaturen, hätte die Geschichte auch ein anderes Ende nehmen können. Sie meldet sich bei Hinz&amp;Kunzt. Das verdiente Geld reicht grade mal, um sich am Tag was zum Essen und zum Trinken zu kaufen, doch es gibt wieder einen regelmäßigen Tagesablauf. Wirklich Hoffnung schöpft Sandra erst wieder, als eine Streetworkerin sie anspricht und ihr Hilfe anbietet. „Die anderen Leute können ja nicht richtig helfen, weil sie ja selbst seit Jahren auf der Straße sind.“</p>
<p>Die Streetworkerin vermittelt Sandra in eine Frauennotunterkunft. Sie hat Glück und bekommt ein Zimmer. Man kann es abschließen und man hat ein eigenes WC, das ist wichtig. Zwar ist der Aufenthalt auf sechs Monate befristet und die Aussichten auf eine feste Wohnung stehen schlecht, doch endlich steht eine Adresse auf der Rückseite ihres Personalausweises. Mit Hilfe der Sozialarbeiterin kämpft sich Sandra durch den Bürokratie-Dschungel, füllt Formulare aus, fordert endlich die ihr zustehenden Hilfeleistungen.<br />
Alleine hätte sie das nicht geschafft.<br />
Nächste Woche beginnt für Sandra die Schule, sie will ihren Realschulabschluss nachholen. Für die Zukunft wünscht sie sich eine Ausbildungsstelle. „Endlich eine reguläre Arbeit, eigenes Geld verdienen und ein eigenständiges Leben führen.“ An Weihnachten hat Sandra einen Brief nach Hause geschickt. Mit frankiertem Rückumschlag und ihrer Handynummer, falls die Mutter sich melden möchte. „Damit sie weiß, dass ich noch lebe und wo ich bin“. Eine Antwort hat sie bis jetzt nicht bekommen. Florian, 24 Jahre, aus Hamburg Familie und Verwandte. Das ist ein Thema über das Florian nicht sprechen möchte. Sein sonst lebensfrohes Grinsen verschwindet, er wirkt unsicher.<br />
Den Kontakt hat er schon vor Jahren abgebrochen und das sei auch besser so. Nach dem Hauptschulabschluss fing Florian eine Ausbildung als Koch an. Die bricht er jedoch ab, als er durch die Zwischenprüfung fällt. „Und dann fehlte es bei mir, ehrlich gesagt, an der Motivation, da noch weiterzumachen.“ Es folgen einige Nebenjobs, dann verbringt er neun Monate beim Bund. Mangels Alternativen fängt er bei einem Schaustellerbetrieb an, er lebt in einem Wohnwagen, verdient nicht viel. Als der Betrieb ihm den Lohn nicht auszahlt, weil die Einnahmen zu gering sind, kündigt er. Das Amt beschließt sein Verhalten zu sanktionieren, eine dreimonatige Geldsperre, weil er gekündigt hat. Die Folge ist, er landet auf der Straße. Keine Wohnung, kein Geld, Lebensmittelgutscheinesind das einzige, was er jetzt beantragen kann.<br />
„Ich finde es erniedrigend mit so einem Zettel in den Laden zu gehen. Und vor allem, wo soll ich als Obdachloser kochen?“. Über die Bahnhofsmission sucht Florian eine Schlafstelle. Er wird in das Haus Jonas vermittelt, eine Übernachtungsstätte. Nach einer Auseinandersetzung bekommt er dort Hausverbot und der Weg führt ihn direkt ins Pik-Ass, Hamburgs berühmt-berüchtigtes Obdachlosenasyl. Keine gute Erfahrung für einen Jugendlichen. „Viele trinken da schon morgens ihr Bierchen oder pissen in den Flur.“ Eines Tages wird  sein Spind aufgebrochen, die letzten Klamotten geklaut. Irgendwie muss er über die Runden kommen. „Da verkaufe ich doch lieber Hinz&amp;Kunzt bevor ich klauen geh‘.“<br />
„Viele sehen dich als Hinz&amp;Kunzt-Verkäufer und denken, dem Penner brauch ich nix geben. Aber man kann schneller auf der Straße landen als man denkt.“ Einfach aufgeben? Das kommt für ihn nicht in Frage. „Ich denk‘ da gar nicht groß drüber nach, wie schlecht es mir eigentlich geht. Vergangenheit kann man nicht rückgängig machen, ich versuch eher nach vorne zu blicken.“ Endlich den Lebensunterhalt selber verdienen ist sein Wunsch. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Florian macht sich keine Illusionen. „Ein fester Job und ’ne Wohnung, wenn ich die in ’nem halben Jahr bekomme und in fünf Jahren noch drin bin, hab‘ ich schon was erreicht.“<br />
Die Situation ist nicht einfach, das sieht auch Stephan Karrenbauer. Der Diplom-Sozialpädagoge hilft bei Hinz&amp;Kunzt Obdachlosen im Umgang mit ihrer Lebenslage und der Wiedereingliederung in die Gesellschaft. Seit einiger Zeit tritt eine Gruppe von Obdachlosen immer häufiger in Erscheinung: „Es sind Jungerwachsene, die eigentlich kaum auffallen, wenn sie nicht grade Hinz&amp;Kunzt in den Händen halten.“ Eigentlich haben junge Menschen, die am Anfang ihres Lebens stehen, bei Hinz&amp;Kunzt nichts verloren. Sie sollten gefördert und unterstützt werden. Da wird Potenzial vergeudet. Schule, Ausbildung und eine Betreuung wäre da angebrachter. Doch für diese Gruppe scheint niemand wirklich zuständig zu sein und so stehen sie jeden Morgen weiterhin bei Hinz&amp;Kunzt vor der Tür.<br />
Der Alltag wird zuweilen von einem Verdrängungsmechanismus beherrscht. Und solange wir glauben, es träfe nur die anderen, die Faulen, die Drogenkranken und die Uneinsichtigen, fühlen wir uns sicher. Wir gehen weiter durch die belebte Einkaufstraße und bleiben im Glauben an ein Schulprojekt.</p>
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		<title>Das unerwünschte Leben</title>
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		<pubDate>Sun, 29 Mar 2009 12:40:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>gast</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fischmarkt]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute ist Abtreibung in Deutschland kein
rechtliches Problem mehr. Die Frage nach der
ethischen Richtigkeit ist aber noch lange nicht
geklärt. FREIHAFEN stellt die Methoden, die
rechtliche Lage in Deutschland und die ethischen
Positionen vor.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin generell gegen den Schwangerschafstabbruch,<br />
weil man dadurch Leben<br />
tötet.“, sagt Merle, 16 Jahre. Ihre<br />
Freundin Frederike ist der gleichen Ansicht. Sie<br />
meint, jeder Mensch hätte ein Recht auf Leben<br />
und beurteilt die gesetzliche Lage in Deutschland<br />
als zu locker: „Je länger die Frist bis zu einem<br />
Schwangerschaftsabbruch, desto größer ist auch<br />
das Leid des Kindes.“ Das das aber nicht jeder so<br />
sieht, bestätigt der 18-jährige Max*: „Nach den<br />
zur Zeit gültigen Auflagen in Deutschland bin ich<br />
für die Abtreibung.“<br />
Mit dem Schwangerschaftskonfliktgesetz von<br />
1995 wurde in Deutschland eine neue einheitliche<br />
Regelung bezüglich<br />
der Abtreibung hergestellt.<br />
Diese Gesetze gelten noch<br />
heute und sind im Strafgesetzbuch<br />
verankert. Danach<br />
hat jede Frau die Möglichkeit<br />
ihre Schwangerschaft<br />
abzubrechen, wenn sie sich nach gesetzlichen<br />
Vorgaben beraten lässt und dies durch eine anerkannte<br />
Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle<br />
bescheinigt ist. Ebenfalls bei Lebensgefahr<br />
für die Schwangere (medizinische Indikation),<br />
oder bei einer Schwangerschaft durch eine Sexualstraftat<br />
(kriminologische Indikation), erlaubt.<br />
Im Jahr 2006 wurden in Deutschland laut Statistischem<br />
Bundesamt von insgesamt 119.710 Abtreibungen,<br />
116.636 auf Grund von Beratungsregelungen<br />
durchgeführt, das entspricht über<br />
97 Prozent. „Ich kann mir nicht vorstellen einmal<br />
abzutreiben. Aber ich weiß nicht, wie ich entscheiden<br />
würde, wenn ich durch eine Vergewaltigung<br />
schwanger werden würde“, so Frederike.<br />
Natürlich ist es unmöglich, sich in eine solche<br />
Lage zu versetzen. Auch Max kann sich eine Abtreibung<br />
seiner Freundin nur unter bestimmten<br />
Umständen vorstellen: „Jetzt zum Beispiel wäre<br />
ich für eine Abtreibung,<br />
wenn meine Freundin<br />
schwanger wird. Mit<br />
dreißig wahrscheinlich<br />
nicht mehr.“<br />
In den Ländern, wo Abtreibung ausschließlich<br />
durch eine medizinische oder kriminologische<br />
Indikation möglich ist, zum Beispiel in Polen, ist<br />
die illegale Abtreibung ein großes Problem. Die<br />
Frauen treiben oft unter unhygienischen Verhältnissen selbst ab oder lassen eine Abtreibung im<br />
Nachbarland mit liberalerem Abtreibungsrecht,<br />
wie etwa in den Niederlanden, durchführen.<br />
Um einen Schwangerschaftsabbruch<br />
herbeizuführen,<br />
gibt es verschiedene<br />
Methoden. Die für die<br />
Schwangere schonendste<br />
und in Deutschland gebräuchlichste Technik ist<br />
die Absaugung, sie kann bis zur 12. Schwangerschaftswoche<br />
durchgeführt werden. Beim<br />
Eingriff wird der Gebärmutterhals erweitert und<br />
anschließend die Frucht abgesaugt, wodurch sie<br />
in Stücke zerrissen wird. Beim medikamentösen<br />
Schwangerschaftsabbruch<br />
durch die Abtreibungspille,<br />
welche nur bis zum Ende<br />
der 7. Schwangerschaftswoche<br />
möglich ist, bildet<br />
sich die Gebärmutter zurück<br />
und der Embryo erstickt.<br />
Wehenauslösende Mittel bewirken anschließend<br />
eine Totgeburt. Soll die Schwangerschaft nach<br />
der 12. Woche abgebrochen werden, zum Beispiel<br />
auf Grund von Fehlbildung des Embryos,<br />
muss durch Wehenmittel eine künstliche Fehlgeburt<br />
eingeleitet werden. Da das Kind diese Geburt<br />
überleben kann, muss es vorher durch eine<br />
Injektion getötet werden.<br />
Schließlich bleibt eine Abtreibung die Entscheidung<br />
der Mutter. Ich kann diese Entscheidung<br />
aber nur akzeptieren, wenn sie mir sinnvoll erscheinend<br />
begründet ist. Wird das Beratungsgespräch<br />
ernst genommen, sollte die Frau über<br />
mögliche Risiken, Folgen und Alternativen zur<br />
Abtreibung informiert sein und sich über ethische<br />
Fragen Gedanken gemacht haben. Denn Frauen<br />
glauben oft nach einer Abtreibung, sich falsch<br />
entschieden zu haben. Die möglichen psychischen<br />
Schäden, wie etwa Angst- und Schuldgefühle,<br />
Depressionen<br />
und Störungen in den<br />
mitmenschlichen Beziehungen<br />
sind nicht<br />
zu vernachlässigen.<br />
Siebzig Prozent der Paare trennen sich nach<br />
einem Schwangerschaftsabbruch innerhalb eines<br />
Jahres. Bei der ethischen Beurteilung der Abtreibung<br />
spielt auch der religiöse Aspekt eine große<br />
Rolle. Die offizielle katholische Lehrmeinung,<br />
vertreten durch den Papst, hält Abtreibung für<br />
Mord. Der Embryo gilt demnach als uns gleichwertiger<br />
Mensch. Max kritisiert diese Haltung:<br />
die katholische Kirche solle den Frauen nicht<br />
vorschreiben, wie sie sich zu verhalten haben.<br />
„Abtreibung ist eine persönliche Entscheidung,<br />
die auch religiös nicht beeinflusst werden sollte.“<br />
Abtreibungsbefürworter meinen, das Kind sei<br />
nicht mit einem Menschen gleich zu setzen, da<br />
es noch nicht selbstständig lebensfähig und von<br />
der Mutter abhängig ist.<br />
Viele halten Schwangerschaftsabbruch dennoch<br />
für eine kriminelle Tat und sprechen der Frau das<br />
Recht über Leben und Tod ihres Kindes zu entscheiden<br />
ab. Schließlich sei das Leben des Menschen<br />
sein höchstes<br />
Rechtsgut und die<br />
Würde eines Menschen<br />
unabhängig<br />
von seiner Größe.<br />
Als mögliche Alternative für ungewollt Schwangere<br />
wird eine Freigabe zur Adoption oder die<br />
Übernahme des Kindes von einer Pflegefamilie<br />
vorgeschlagen. Für Abtreibungsbefürworter hat<br />
die Selbstbestimmung der Frau oberste Priorität.<br />
Die Frau habe ein Recht auf Bildung und<br />
Erwerbsfähigkeit in Schule, Studium und Beruf.<br />
Wenn sie Karriere machen möchte, könne sie<br />
das Kind nicht bekommen.<br />
Letzen Endes muss jeder selbst entscheiden, ob<br />
für ihn das Recht der Frau oder das Recht des ungeborenen<br />
Lebens von größerer Bedeutung ist.<br />
Man sollte aber vorsichtig sein Urteile zu fällen,<br />
wenn man selbst noch nie in einer Situation war,<br />
in der einem diese Entscheidung abgefordert<br />
wurde. Merle sagt, sie akzeptiere, dass andere<br />
Frauen abtreiben. Gut findet sie es dafür noch<br />
lange nicht.<br />
*Name von der Redaktion geändert</p>
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		<title>Mein Migrantendasein. Ein Leben voller Umbrüche.</title>
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		<pubDate>Sun, 29 Mar 2009 12:37:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>gast</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fischmarkt]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie fühlt es sich an als Kind zwischen zwei Kulturen zu pendeln und dabei
eine eigene Existenz aufbauen zu wollen?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mein Name ist Efrain, ich bin einer von X Immigranten hier in Deutschland. Ich bin in Mexiko geboren und kam im Alter von fünf Jahren nach Deutschland. Meine Mutter hatte in Mexiko einen Deutschen kennen gelernt, sich verliebt, und ist ihm bis hier nach Deutschland gefolgt. Doch es war alles etwas komplizierter &#8211; und nach drei Jahren und einem ewigen Hin und Her mit den Behörden setzte sich meine Mutter endlich durch und die Heirat verschaffte uns die lang ersehnte Aufenthaltserlaubnis. Die Geschichte könnte hier vorbei sein. Doch es kam anders.</p>
<p>Ich hatte die Sprache schnell gelernt, meine Freunde gewonnen, mit denen ich den ganzen Nachmittag auf dem BMX-Fahrrad oder auf dem Spielplatz verbrachte. Ich wusste zwar, dass meine Wurzeln in einem fernen Land lagen, war mir dessen aber nicht wirklich bewusst. Ich war ein Kind und konnte nicht verstehen, was ich alles hinter mir gelassen hatte. Leider hielten es meine Eltern nicht lange miteinander aus. Der Trennung folgte die Scheidung und dieser die Abschiebung. Wir sollten das Land so schnell wie möglich verlassen. Wenn nicht genügend Geld für das Ticket da gewesen wäre, hätte der Staat den Flug gezahlt und ein Einreiseverbot verhängt. Das nennt sich dann Ausweisung. Wir hatten weniger als einen Monat Zeit.<br />
Meine Mutter verschwieg mir zunächst, dass wir abgeschoben werden würden. Ich erfuhr es zwei Wochen vor unserem Flug. Im Kindergarten machte man mir noch ein Freundschaftstagebuch als Abschiedsgeschenk und wünschte mir alles Gute. Die letzten Unterrichtsstunden wurden nach meinen Wünschen gestaltet. Das war es. Noch ein Bruch in meinem Leben, den ich nicht wirklich verstand.<br />
Meine Realität hatte sich in Luft aufgelöst. Wir mussten all unseren Besitz verkaufen, um unser Flugticket finanzieren zu können. Ich hatte auf einen Schlag den Kontakt zu der mir bekannten Welt abbrechen müssen, landete in einem mir fremd gewordenen Land, dessen Sprache ich nicht einmal mehr sicher beherrschte. Ich sehnte mich nach den Jahreszeiten, vermisste den Schnee, das ganze Grün und tat mich schwer damit, mich auf die neuen Umstände einzulassen. In Mexiko sind wir anders. Wir kümmern uns vielleicht nicht so fleißig um die Arbeit, sind nicht wirklich pünktlich und ja, wir feiern gut und gerne mehr als üblich. Aber dafür wissen wir immer, was wir an unserem Nächsten haben, sagen frei raus, was wir denken oder fühlen und tauschen respektvolle Distanz gegen Herzlichkeit. So sind die Kulturen. Jede hat ihre Stärken und Schwächen.</p>
<p>Es folgte eine unruhige Zeit, in der ich ein Zigeunerleben führte und mir wie ein Zirkuskind vorkam. Nach circa einem Jahr Trennung versuchte sich der Ex-Mann meiner Mutter mit einem Neuanfang. Vermutlich sehnte er sich nach der Leidenschaft und guten Küche meiner Mutter, die nicht nur hervorragend kochen kann, sondern auch eine Meisterkonditorin ist &#8211; auch wenn die deutschen Behörden das nicht anerkennen wollen, weil sie ein Stück Papier verlangen, auf dem das bescheinigt wird. Bürokratie übrigens, die es in Mexiko in dieser Form häufig nicht gibt: Auch meine Oma ist Meisterkonditorin und das reicht den Behörden dort vollkommen aus, um meiner Mutter zu erlauben, in der Gastronomie tätig zu sein. Dort wird davon ausgegangen, dass die Kinder bei der Arbeit der Eltern mithelfen und somit eine Ausbildung bereits daheim genießen. In einigen Handwerksberufen hat man dadurch gewisse Lizenzen „frei Haus“.<br />
Nun, die beiden versuchten es noch einmal. Und scheiterten wieder. Ehe ich es wirklich begriff, befanden wir uns nach nur einem Jahr Aufenthalt in Deutschland wieder in Mexiko. Meine Mutter schien so sehr von den Deutschen angetan zu sein, dass sie sich gleich in den nächsten verliebte. Und so kamen wir wieder nach Deutschland. Hier gab es erneut Probleme mit dem Aufenthalt, sodass wir nach etwas mehr als einem Jahr wieder für ein halbes Jahr nach Mexiko flogen, um die notwendigen Unterlagen zu besorgen. Als wir dann wieder zurück kamen, gab es eine Gesetzesänderung, die weitere Papiere verlangte und eine weitere Rückreise nach Mexiko erforderte. Bürokratie ist manchmal ein internationaler Quälgeist.<br />
Ich hatte im Alter von 12 Jahren die Nase voll und schlug meiner Mutter vor, sie könne mich bei meiner Oma absetzen, bis sie den Papierkram erledigt hätte. Ich würde dann nachkommen. Gesagt getan, und so ging es für mich erst nach zwei Jahren wieder quer durch die Staaten: In Zacatecas wies meine Mutter ihre Identität nach, da dies ihr Geburtsort ist.<br />
In Chihuahua, meinem Geburtsort, wies meine Mutter meine Identität nach, damit sie mich auch wieder nach Deutschland einreisen lassen konnte, ohne den Verdacht des Kinderhandelsauf sich zu ziehen. Dann setzte sie mich wieder bei meiner Oma in Auguascalientes ab, flog nach Deutschland, heiratete in Dänemark, da erneut die Hochzeit die Lösung war, und bereitete dann meine Ankunft vor.<br />
Somit kam ich im Jahre 2000 nach Deutschland. Und endlich auch etwas zur Ruhe. Im Jahr 2005 habe ich meine unbefristete Aufenthaltserlaubnis bekommen, jetzt steht die Einbürgerung an. Wer bin ich jetzt? Der ewig frierende, gut gelaunte aber faule Mexikaner? Oder der stets nach Perfektion strebende, kühle und reservierte Deutsche?<br />
Heute umarme ich herzlich Menschen, die ich auf Anhieb mag, sage frei und direkt, was ich denke und bin recht temperamentvoll. Trotzdem sind auch Zielstrebigkeit, Terminkalender und Uhr meine ständigen Begleiter. Ich habe andere um ihre Familien und Freunde beneidet und wollte auch mal eben am Wochenende meine Oma und Cousins besuchen. Doch ich habe gemerkt, dass Freundschaften und Familie funktionieren können, egal wie groß die Distanz zwischen den Menschen ist. Für mich ist Zuhause dort, wo mein Herz ist.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Ein Gefängnis ohne Gitter</title>
		<link>http://www.freihafen.org/fischmarkt/149-ein-gefangnis-ohne-gitter</link>
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		<pubDate>Thu, 15 Jan 2009 20:22:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carolin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fischmarkt]]></category>

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		<description><![CDATA[200 000 Menschen in Deutschland sind zu einem Leben in ständiger Angst und Perspektivlosigkeit gezwungen. Sie leben auf „Duldung“, einem ungewissen Schwebezustand.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Fünf Uhr morgens. Lautes Klopfen an der Tür reißt Meryem aus dem Schlaf. Meryems Mutter öffnet die Tür. Dort steht die Polizei: Meryem und ihre Familie sollen ihre Sachen packen. Sie sollen das Land verlassen, abgeschoben werden – sofort. Die Familie bricht in Panik aus und versucht noch mit der Polizei zu verhandeln, aber diese stapft schon längst durch die Wohnung, reißt Schränke auf und breitet den gesamten Inhalt mit einer Handbewegung auf dem Boden aus. Die kleineren Kinder fangen an zu weinen, verstehen nicht, was geschieht. Die Familie ist der Polizei, die auf Verlangen der Ausländerbehörde handelt, schutzlos ausgeliefert.</p>
<p>Solche Situationen haben schon viele geduldete Familien in Deutschland erlebt. Mitten in der Nacht, Sachen gepackt und ab zum Flughafen in ein nunmehr fremdes Land. So schnell geht das.<br />
„Man lebt ständig in Angst, einer sehr großen Angst sogar.“, sagt Meryem.<br />
Meryem Karmatz ist 18 Jahre alt. Als sie gerade mal ein halbes Jahr alt war, ist ihre Familie aus dem Libanon nach Deutschland geflohen. Hier ist nun ihre Heimat, sie ist gut integriert und hat Pläne für ihre Zukunft. Nach dem Abitur möchte sie Jura studieren.<br />
Vor sieben Jahren aber ist Meryems Familie ohne jeglichen Grund das Bleiberecht entzogen worden. Seitdem lebt die Familie auf Duldung in Deutschland, im Amtsdeutsch bedeutet das: „Vorübergehende Aussetzung der Abschiebung“. Ein Schwebezustand, in dem sie ewig davon bedroht ist, abgeschoben zu werden. Ihr Leben in Deutschland liegt unsicher vor ihr, sie kann kaum Einfluss auf ihre Zukunft nehmen.<br />
In verschieden großen Abständen muss Meryem zur Ausländerbehörde, um ihre Duldung verlängern zu lassen. Manchmal bekommt sie eine Duldung für sechs Monate, dann wieder nur für drei Monate, zwei Wochen oder nur für einen Tag und jedes Mal muss sie aufs neue fürchten, dass sie in ein Land abgeschoben wird, das sie nur aus den Erzählungen ihrer Eltern kennt. Die Stimmung in der Ausländerbehörde ist eiskalt und die Angst vor den knallharten Sachbearbeitern, die hinter ihren Schreibtischen sitzen und „nur ihren Job“ ausüben, hängt in der Luft.<br />
Um die 200 000 Ausländer in Deutschland leben mit einer Duldung, die meisten schon über mehrere Jahre. Man lässt sie nicht wie Deutsche leben. „Wir leben in einem Gefängnis, nur ohne Gitter.“, beschreibt ein junger Mann seine Situation.<br />
Geduldete Menschen dürfen ihren Landkreis nicht verlassen und leben in winzigen Wohnungen oder Aufenthaltsheimen. Mit monatlich nur 150€ vom Staat müssen sie auskommen – fast unmöglich. Damit nicht genug: Lebt man auf Duldung, ist es einem nicht erlaubt zu arbeiten, eine Ausbildung zu machen oder gar zu studieren.<br />
Die Folge ist Perspektivlosigkeit. Die Jugendlichen haben keine realen Möglichkeiten, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen und zu gestalten. Sie werden teilnahmslos und lustlos.<br />
„Unsere Nerven liegen blank.“, erzählt Meryem. Viele der Betroffenen sind psychisch so am Ende, das mit Antidepressiva behandelt werden müssen. Die ständige Angst vor der Zukunft macht sie kaputt.<br />
Von einer Duldung in einen gesicherten Aufenthaltsstatus zu kommen ist so gut wie unmöglich und die endlose Bürokratie der Ausländerbehörde erschwert diesen Weg.<br />
„Letztes Mal musste ich acht Stunden warten bis ich an der Reihe war und konnte nicht mal auf Toilette gehen oder mir was zu Trinken holen, weil die Nummern willkürlich aufgerufen werden.“, erzählt Chander, 19, aus Afghanistan. Er saß also einen halben Tag lang auf einem ungemütlichen Stuhl im Warteraum der Ausländerbehörde, ohne Trinken und Essen, darauf wartend endlich aufgerufen zu werden.<br />
Darf das überhaupt sein? Ein Leben in der Schwebe? Die UN-Kinderrechte gelten für geduldete Kinder in Deutschland nur unter Vorbehalt.<br />
Meryem aber hat noch nicht aufgegeben. Seid einiger Zeit arbeitet sie bei einer Gruppe von „Jugend ohne Grenzen“ mit. Die Gruppe hat es sich zum Ziel gemacht, ein größeres Bewusstsein für „geduldete“ Menschen in der Gesellschaft zu schaffen. Dafür gehen sie unter anderem an Schulen und informieren Gleichaltrige über die Verhältnisse, in denen Gedultete leben müssen.<br />
Auch auf Duldung lebende Jugendliche sollen dazu animiert werden, ihre Situation nicht einfach hinzunehmen, sondern für eine Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse zu kämpfen.</p>
<p>Trotzdem hat sich in Deutschland nicht viel für Menschen mit Duldung verändert. Doch Meryem will weiterkämpfen und auf die Frage, was sie sich für ihre Zukunft wünsche, antwortet sie fest: „Frei in Deutschland leben!“.</p>
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		<title>Fünf Jahre in eineinhalb Stunden</title>
		<link>http://www.freihafen.org/fischmarkt/147-funf-jahre-in-eineinhalb-stunden</link>
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		<pubDate>Thu, 15 Jan 2009 20:17:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carolin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fischmarkt]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Uraufführung von „Fünf Jahre meines Lebens“ in Kiel erzählt die Geschichte von Murat Kurnaz – und zeugt von der Fähigkeit junger Nachwuchsschauspieler, schwierige Themen spielerisch und maßvoll umzusetzen]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eine Säule, mit Stars und Stripes umwickelt. Sie wirkt wie ein Totenpfahl. Dahinter stehen vier Mikros vor einem Gepäckträgerband, graue Fliesen, weiße Wände, die Lüftungsschächte an der Decke blau gestrichen, versteckt hinter einem weißen Lampennetz, alles wirkt sehr kühl und karg. Die restlichen Scheinwerfer gehen an, das Rollband kommt in Bewegung, das Publikum verstummt und blickt auf die fünf Schauspieler, die auf dem Rollband hocken. Ihre orangen Overrolls sind ein sehr greller Kontrast und blenden fast. Sie drehen sich einmal um sich selbst , stehen auf und gehen auf das Publikum zu, sehen sich um, suchen den direkten Blickkontakt und fangen an, es wild durcheinander anzusprechen: „Was hast du in Afghanistan gemacht?“ „Kennst du die Taliban?“ „Wo ist Osama bin Laden?“&#8230; Trommeln ertönen, die nächste Szene beginnt.</p>
<p>Der Kieler Flughafen ist eine eigenwillige Kulisse für ein Theaterstück, das in Gefängnissen, Käfigen und Isolationskammern spielt. Heute wird hier die Geschichte eines Mannes erzählt, der zur falschen Zeit am falschen Ort war, der viereinhalb Jahre seines Lebens in Guantanamo Bay gefoltert wurde: Murat Kurnaz. „Fünf Jahre meines Lebens“ basiert auf der Grundlage seines gleichnamigen Erlebnisberichtes über die Jahre der Gefangenschaft.</p>
<p>Die Schauspieler selber sagen, sie wollten das Buch noch mal erzählen, da die Geschichte von Kurnaz sehr schnell in Vergessenheit geraten sei. Ihr Anliegen sei, „mit Leichtigkeit über eine Tragikzu erzählen“ und nicht, sich selbst in Kurnaz hinein zu versetzen, da es ohnehin unmöglich wäre, seine Gefühle und erlittenen Qualen nachzuvollziehen. Es ist ein schmaler Grat, den die fünf jungen Schauspieler begehen. Aus dem Koran zitieren, ohne anmaßend zu wirken. Darstellen, ohne wertend zu sein. Erzählen ohne zu dramatisieren, mit Fakten und Gefühl.<br />
Nur ganze 15 Tage hatten sie zum Proben des Stückes, unter der Regie von Nina Pichler. Normal seien eigentlich sechs Wochen, aber da das Stück im Rahmen des Nachwuchs Theaterfestivals „Feuertaufe“ in Kiel aufgeführt wurde, blieb nicht viel Zeit zur Vorbereitung.</p>
<p>Immer steht einer in der Rolle des Kurnaz vorne im Mittelpunkt und erzählt chronologisch seine Geschichte &#8211; von den Wirren seiner Gefangennahme in Pakistan, über seine endlosen Verhöre in Guantanamo bis zu seiner Freilassung. Das Stück lebt von den Bildern, die dem Zuschauer beschrieben werden. Die anderen vier Schauspieler stehen hinten, erhöht auf dem Gepäckband, und nehmen die übrigen Rollen ein: Amerikaner, Deutsche, Türken. Soldaten, Anwälte, Wächter.<br />
Die Übergänge sind fließend, fast unmerklich vollzieht sich der Rollenwechsel zwischen den Schauspielern. Nichts lenkt von der eigentlichen Tragik der erzählten Geschichte ab. Fünf Jahre in eineinhalb Stunden. Man bekommt eine Ahnung, einen kleinen Hinweis, wie Guantanamo sein könnte.</p>
<p>Als Kurnaz sich weigert, auszusagen, kommt er in Isolationshaft. Überraschend geht im Raum das Licht aus. Dunkelheit und Stille umgeben das Publikum. Niemand traut sich, laut zu atmen. Von draußen dringen Motorengeräusche herein. Langsam gewöhnen sich die Augen an die Dunkelheit. Man wird sich der Schatten, der Menschen um sich herum bewusst. Alle gemeinsam sitzen wir in lichtloser Stille, verbringen seine drei Wochen in wenigen Augenblicken. Bis jemand sagt „Wach auf!“ und das Licht wieder angeht. Viel zu hell und die Wände viel zu weiß.<br />
Das Stück geht weiter.</p>
<p>Ein Einzelschicksal mit kontroversen politischen Themen zu verknüpfen ist eine große Herausforderung, die den jungen Schauspielern aber durchaus gelungen ist, ohne die komplexe Situation auf einzelne wertende Aussagen zu vereinfachen und im Strom des Anti-Amerikanismus mit zu schwimmen. Die Thematik ist schwierig: zum Einen weil es um den Islam geht, um die strittige Rolle der USA; zum Anderen weil Kurnaz&#8217; Schicksal eng an das Verhalten der Bundesregierung geknüpft ist &#8211; noch immer ist ungeklärt, ob Kurnaz mit Unterstützung der damaligen Bundesregierung Kurnaz schon 2002 hätte entlassen werden können; ein Untersuchungsausschuss ist dazu einberufen worden.</p>
<p>Am Ende der Aufführung verlassen die fünf geschlossen den Raum, das Publikum bleibt zurück, die Originalstimme Murat Kurnaz&#8217; wird eingespielt. „Ich bin aus Deutschland!“ ist der letzte Satz, der erklingt. Das Stück ist vorbei und das Publikum fängt an zu klatschen. Niemand sagt etwas, keine begeisterten Zwischenrufe, nur respektzollender Applaus für eine beeindruckende Leistung. Nach und nach verlässt das Publikum den Kieler Flughafen. Zurück bleibt nur die Säule, eingehüllt in Stars und Stripes. Und ein mulmiges Gefühl.</p>
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		<title>Schon mal ein Gesetz gekippt?</title>
		<link>http://www.freihafen.org/fischmarkt/145-schon-mal-ein-gesetz-gekippt</link>
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		<pubDate>Thu, 15 Jan 2009 20:11:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carolin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fischmarkt]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir Deutschen vergessen immer wieder gerne, dass wir Einfluss auf die Politik haben. Dass mit ein wenig Engagement sogar Gesetze gekippt werden können, zeigt sich am Beispiel Onur Yamacs, der sich vor zwei Jahren erfolgreich gegen ein Gesetz in der niedersächsischen Gemeindeordnung auflehnte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a class="thickbox" href="http://media-services-hamburg.de/kunden/preview/freihafen/wp-content/gallery/aufderkippe-bilder/gesetze_kippen_1.jpg"><img class="ngg-singlepic ngg-none" src="http://media-services-hamburg.de/kunden/preview/freihafen/wp-content/gallery/aufderkippe-bilder/gesetze_kippen_1.jpg" alt="gesetze_kippen_1.jpg" width="409" height="290" /></a></p>
<p>In Deutschland gilt als Deutscher, wer einen deutschen Pass besitzt &#8211; und damit alle Pflichten und Rechte eines deutschen Staatsbürgers. Zum Beispiel das Recht, sich als Kandidat bei Kommunalwahlen aufstellen zu lassen. Dass dieses jedoch nicht immer eingehalten wird, zeigt der Fall Onur Yamac.<br />
In Deutschland geboren und aufgewachsen, erlangte er 2006 mit 25 Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft. Für seine Kandidatur als Ratsherr der SPD für die Kommunalwahlen in Niedersachsen in Oldenburg am 10. September 2006, wo er seit 2002 Sozialwissenschaften studierte, allerdings zu spät. Denn bis vor zwei Jahren beinhaltete die niedersächsische Gemeindeordnung Paragraph 35 einen Absatz, der besagte, dass zum Ratsherr nur derjenige wählbar wäre, wer schon mindestens seit einem Jahr die deutsche Staatsbürgerschaft im Sinne des Grundgesetzes besäße. Dass dieser Satz nicht nur grundgesetzwidrig war, sondern auch nicht der EU-Verfassung entsprach, nach der EU-Bürger EU-weit an Kommunalwahlen teilnehmen können, schien bis auf Onur Yamac keinem aufgefallen zu sein.<br />
Leicht war es trotzdem nicht, dieses Gesetz zu ändern. Nachdem ihm dieser Teil des niedersächsischen Gemeindegesetzes am Tage seiner Einbürgerung bekannt geworden war, folgten Wochen in denen er sich Sätze wie &#8220;Der Onur kann nicht an der Wahl teilnehmen, weil er Türke ist&#8221; anhören durfte. Und das, obwohl er nun offiziell eingebürgert war.<br />
Innerhalb der Oldenburger SPD fand er jedoch Rückhalt.<br />
Nachdem er von dieser Regelung erfuhr, wollte er seine Kandidatur noch am gleichen Abend zurückziehen.<br />
„Im ersten Moment will man den Leuten ja keine unnötigen Scherereien machen, also wollte ich mich streichen lassen. Dann hat aber der Vorstand von meinem Ortsverein vorgeschlagen, dass ich mich erst noch mal informieren soll, ehe ich das mache.“<br />
Zum Glück ließ Onur Yamac sich nicht streichen, sondern stolperte über eben jenen Paragraphen im niedersächsischem Gemeindegesetz, der eine Differenzierung vornahm, die so eigentlich nie hätte existieren dürfen.<br />
Onur Yamac, der übrigens aus dem Rheinland stammt, handelte getreu dem Motto &#8220;Loss dir nix jefalle&#8221; und verabredete 14 Tage später ein Treffen mit dem zuständigen Wahlleiter der SPD.<br />
„Mir bot sich dann bei diesem Termin ein Trauerspiel: Mir gegenüber saß jetzt ein Wahlleiter, der es vehement abstritt, dass ich überhaupt an der Wahl teilnehmen dürfe. Auch auf meine Einwände mit dem Grundgesetz hin. Meinem Eindruck nach wollte der mich schlichtweg loswerden.“<br />
Mit so inkonsistenten und fadenscheinigen Argumenten ließ sich Onur Yamac, der zusätzlich zu Sozialwissenschaften Jura im Nebenfach studiert hatte, jedoch nicht abwimmeln. Am selben Abend begann er Briefe und Emails an die EU, örtliche Abgeordnete, Bundespolitiker und andere Organisationen, von denen er sich Hilfe erhoffte, zu schreiben und ihnen seine Situation zu schildern. Unterstützt wurde er von einigen Freunden, die Briefe und Faxe an die Stadtverwaltung schickten und gegen dieses Gesetz protestierten. Bei seinen Recherchen fiel Onur unter anderem auch auf, dass er in jedem Bundesland Deutschlands hätte kandidieren dürfen, nur nicht in Niedersachen.<br />
Weil sich Onur Yamac auch von der juristischen Seite sicher war, dass dieses Gesetz so nicht existieren dürfte, zog er seine Initiative bis zum Ende durch &#8211; und erreichte so die richtigen Menschen.<br />
Denn am Ende setzte sich die damalige Landtagsabgeordnete Heike Bockmann für ihn ein, die in sehr kurzer Zeit eine Abstimmung über jenes Gesetz im niedersächsischen Landtag initiierte. Einstimmig wurde eine Gesetzesänderung beschlossen und Onur Yamac durfte völlig legal an den Kommunalwahlen teilnehmen und zum Ratsherr gewählt werden.<br />
Heute, nachdem er mit seiner Initiative Erfolg hatte, sagt keiner mehr was.<br />
Warum dieses Gesetz überhaupt solange existieren konnte bleibt ein Rätsel &#8211; über mögliche Gründe kann man nur spekulieren. Vielleicht war Onur Yamac der erste, auf den dieses Gesetz zutraf. Vielleicht war es für andere auch einfach nur zu mühselig und nicht lohnenswert, zu versuchen, eine Gesetzesänderung zu erwirken.<br />
Das Wichtige an Onur Yamacs Fall ist, dass er gezeigt hat, dass man einen Einfluss auf Gesetze haben, und sie notfalls sogar kippen kann. Wenn man nur bereit ist, sich dafür einzusetzen.</p>
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		<title>Der Zappel-Phillipp lebt gefährlich.</title>
		<link>http://www.freihafen.org/fischmarkt/142-der-zappel-phillipp-lebt-gefahrlich</link>
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		<pubDate>Thu, 15 Jan 2009 20:05:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carolin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fischmarkt]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Kippeln ist Schulsport Nr.1! Es ist facettenreich in positiven sowie negativen Auswirkungen, bringt so manchen Lehrer auf die Palme und das eine oder andere Kind ins Krankenhaus.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kinder waren schon immer anstrengend. Sie schreien, toben und neigen zu ständigem Bewegungsdrang. Dies jedenfalls trifft auf all diejenigen zu, die nicht mit Tabletten ruhig gestellt wurden oder wegen ihrer Fettleibigkeit keinen Fuß vor den anderen setzen können.<br />
Die Kinder also, die guten Gewissens als normal bezeichnet werden dürfen und deren Dasein aufgrund ihrer Normalität eigentlich keine Probleme erzeugen sollte, gehören zu der typischen Kippel-Risikogruppe.<br />
Das normale Kind möchte sich bewegen. Egal wo es sich befindet – ob zu Hause, auf dem Spielplatz oder in der Schule. Dieses Verlangen ist natürlich und Voraussetzung für physisches und psychisches Wohlbefinden. Ferner führt dauerhaftes Zappeln zu einem ständigen Informationsfluss zwischen Gehirn und Muskulatur &#8211; Millionen kleiner Gehirnzellen sind aktiviert und fördern folglich eine höhere Leistungsbereitschaft des Denkapparates.<br />
Ein Bewegungsmangel hingegen, zum Beispiel der Zwang, stundenlang still auf einem Stuhl zu verharren, ist laut Focus das Ungesündeste, was einem Kinderrücken zuteil werden kann. Doch vor allem in der Schule wird dieses Verhalten oftmals von den Lehrern diktiert, denn das Kippeln ist nicht nur ein Störfaktor, es birgt ferner ein großes Unfallpotenzial.<br />
Wer kippelt fällt nämlich zwangsläufig irgendwann auch einmal um. Befindet sich gerade nicht das Schutzengelchen im Klassenzimmer, ist im ungünstigen Fall eine Heizung im Weg, ein Loch im Kopf und das betroffene Persönchen zum Wunde nähen im Krankenhaus.<br />
Im besten Falle endet der Sturz vom Stuhl mit einer Menschenmassen erheiternden Blamage durch verdrehte Extremitäten am Boden und schmerzverzerrte Gesichtszüge. Ein hübsches Beispiel bietet eine süddeutsche Drittklässlerin, die beim Kippeln mit dem Gesäß zwischen Lehne und Sitzfläche eingeklemmt war und von der Feuerwehr befreit werden musste.<br />
Da wohl ein jeder – auch das siebenjährige Schulkind &#8211; seinen gesellschaftlichen Status aufrecht erhalten möchte, ist eine solche Situation tunlichst zu vermeiden.<br />
Dies ist möglich durch die Vereinung aller modernen Erkenntnisse der Wissenschaft in innovativen Stuhlbautechnologien, die es den Schülern und Schülerinnen der Gegenwart ermöglichen, eine optimale Sitzkultur in der Schule zu pflegen.<br />
So hat der britische Pädagoge Tom Wates den Anti-Kippel-Stuhl „Max“ erfunden, dessen gebogenen Beine so konstruiert sein sollen, dass es den Kindern nicht möglich ist, die Stuhlbeine mehr als fünf Zentimeter vom Boden abzuheben. Diese neuartige Sitzgelegenheit hat sich in England bereits an vielen Schulen etabliert und Lehrer begeistert.<br />
Ein ähnliches Beispiel findet sich in Hamburg an der Schule Ludwigstraße in der Schanze. Dort wurden orthopädische Stühle eingeführt, die an Bürodrehstühle erinnern. Im Gegensatz zum britischen Anti-Kippel-Stuhl besitzt das deutsche Modell den Ansporn, Kinder in ihrem Bewegungsdrang zu unterstützen und nicht zu hemmen. Die Sitzfläche passt sich durch leichtes Neigen in alle Richtungen den Gewichtsverlangerungen der sitzenden Person an und kann geräuschlos durch den Raum gerollt werden.<br />
Verletzungsrisiko und Störfaktor wurden minimiert, die Ausgeglichenheit der SchülerInnen durch mehr Bewegung gefördert.<br />
Die Schanze ist mit ihren kinderfreundlichen Sitzmöglichkeiten zukunftsweisend und motiviert zum Schlussappell an Lehrer und Eltern:<br />
Lasst den Zappel-Philipp Zappel-Phillipp sein!</p>
<p><a class="thickbox" href="http://media-services-hamburg.de/kunden/preview/freihafen/wp-content/gallery/aufderkippe-bilder/kippeln_1.jpg"><img class="ngg-singlepic ngg-none" src="http://media-services-hamburg.de/kunden/preview/freihafen/wp-content/gallery/aufderkippe-bilder/kippeln_1.jpg" alt="kippeln_1.jpg" width="455" height="410" /></a></p>
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		<title>Von der Kippe ins Wohnzimmer</title>
		<link>http://www.freihafen.org/fischmarkt/137-von-der-kippe-ins-wohnzimmer</link>
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		<pubDate>Thu, 15 Jan 2009 19:56:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carolin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fischmarkt]]></category>

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		<description><![CDATA[Müllverarbeitung und Recycling kennen wir von Altpapier, Pfandflaschen oder Schrottplätzen. Im "Lockgengelöt" finden Alltagsdinge ebenfalls ein neues Leben, jedoch mit anderem Zweck. Ein Einblick in die Welt der Gegenstände, die der Kippe um Haaresbreite entkommen sind.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Jahre 2004 eröffnete in Hamburg St. Pauli ein kleiner Laden namens „Lockengelöt“. Die Inhaber Carsten Trill (29) und Dennis Schnelting (30) mieteten auf gut Glück einen kleinen Raum in der Wohlwillstraße Nr. 20. Carsten hatte zuvor sein Grafikstudium in Düsseldorf abgeschlossen und Dennis, der eine Ausbildung bei Siemens als Elektroniker hinter sich hatte, war arbeitslos. „Total planlos fuhren wir mit Fahrrädern durch die Gegend und schauten uns nach leeren Läden um. Wir mieteten den Raum, ohne vorher ein Konzept, oder Plan zu haben.“, beichtet uns Dennis. Zuerst sollte der Laden eine Kneipe werden. „Feiern konnten wir schon immer gut, aber wir dachten uns, dass wir mit einer Kneipe ja gleich zu Alkoholikern werden würden.“, fügt Dennis hinzu. Voller Tatendrang ließen sie also ihren Ideen freien Lauf. Carstens Gespür für Kunst und Design und Dennis´ handwerkliches Geschick vereinten die beiden in der selben Idee. Alter Ramsch und Müll – eigentlich ein Fall für die Kippe – funktionierten sie zu neuen Gegenständen um. Aus alt mach neu: nicht mehr gebrauchte Alltagsgegenstände werden zu optisch ansprechenden Designerstücken.</p>
<p>„Du bist doch bekloppt!“, war die erste Reaktion von Dennis Eltern. Auch Carsten hatte Probleme mit der zunächst konservativen Ansicht seiner Eltern und erntete Kommentare, wie: „Mach doch lieber was Anständiges, Junge!“. Anfangs waren die Sorgen auch berechtigt. Während Freunde und Verwandte in der Ladenidee lediglich die Einzigartigkeit und Innovation sahen, hatten Dennis und Carsten jedoch jeden Monat erneut Probleme die Miete aufzubringen und ihren Unterhalt zu bezahlen. „Seit einem halben Jahr erst läuft der Laden so, dass wir uns um Finanzen keine Sorgen mehr machen müssen. Mann hat im Leben die Wahl: Entweder man ist Finanziell abgesichert und hat einen festen Job, oder man verwirklicht sich selbst und ist kreativ. Das ist schwierig unter einen Hut zu bringen. Wir haben uns für die Selbstverwirklichung entschieden, egal was Eltern, oder Freunde davon hielten.“, erläutert Carsten. Den Luxus sahen die Beiden dabei nicht in der Menge des finanziellen Gewinns, sondern in der eigenen Zeiteinteilung, der Unabhängigkeit und dem Gefühl etwas Eigenständiges Aufgebaut zu haben. „Als Angestellter einer großen Firma fehlt dir die Identifizierung mit deiner Arbeit. Aus diesem Zustand wollte ich heraus. Es war anstrengend, man stand ständig etwas wackelig auf den Beinen, aber es war immer spannend.“, erzählt Dennis.</p>
<p>Heute, vier Jahre später, haben Carsten und Dennis ein immenses Angebot in ihrem kleinen Laden. Ihr Hauptaugenmerk liegt auf dem Aufarbeiten ausrangierter Schallplatten. Die nicht mehr brauchbaren Langspielplatten zieren nun Mensch und Wohnung als Taschen, Wand- und Deckenlampen, Uhren, Schalen, Teller oder Küchenrollenhalter. Wie man auf so eine Idee kommt? Durch Zufall: Eine kleine selbstgebaute Holzhütte schmückt als Kassiererhäuschen den Laden. „Wir brauchten dafür Dachziegel“, verrät uns Carsten, „also entschlossen wir uns kurzerhand für Schallplatten und merkten, wie gut diese zu bearbeiten waren.“ Neben der toten gelöteten Musik gibt es auch lebendige Musik zum Hören. Zwar nicht für Zuhause, aber zum Erleben in den monatlichen „Ladenkonzerten“.</p>
<p>Verstaubte Bücher finden seit neuestem ebenfalls einen Verwendungszweck als Schlüsselbrett und Garderobe. Auch kleine Accessoires, wie Gürtel aus Maßbändern, Fahrradschläuchen oder Anschnallgurten, lassen sich finden. Die Ware ist reine Handarbeit und wird größtenteils von Carsten und Dennis selbst hergestellt. So birgt das Sortiment auch wahre Raritäten und Einzelstücke, wie einen uralten Staubsauger oder einen antiquarischen Haartrockner, die nun als Lampe fungieren. Die Preise sind dabei meist ebenso außergewöhnlich, wie die Produkte selbst.</p>
<p>Trotzdem rentiert sich das Geschäft. Der Handel wächst immer weiter. Neben den Stammkunden und Hamburger Gelegenheitsbesuchern gibt es auch Bestellungen aus Frankreich, Österreich und der Schweiz. Scheinbar völlig aus dem Rahmen fallen Bestellungen aus Melbourne oder Sydney. „Die flippen dort richtig aus!“, berichtet Carsten.</p>
<p>Der seltsame Name „Lockgengelöt“ ist aus einem Kultwort ihrer Jugendzeit entstanden, welches sie aus einem Telefonstreich eines Radiosenders entnahmen. Darüber hinaus verbirgt sich in dem seltsamen Schriftzug, der vorbeilaufenden Fußgängern den Namen des Ladens verrät, zusätzlich die Abschlussarbeit von Carstens Grafikstudium. Bei genauem Betrachten wurde selbst dort wiederverwertet. Ein Hammer dient als „T“ und eine sieben als „L“. Ein ganzes Alphabet aus recycelten Buchstaben hat Carsten entworfen. Diese kleinen Details sind es, die „Lockengelöt“ zu einem ganz privaten und eigensinnigen Geschäft machen, in dem viel mehr steckt als nur alter Müll und ausrangierte Haushaltsgeräte.</p>
<p>Für die Zukunft wünschen sich die Beiden: „Mehr erfinden, weniger produzieren!“. Mit einem breiten Grinsen verrät uns Carsten noch seinen Traum: Eine zweite Filiale in New York aufzumachen. „Dann müssen Dennis und ich nicht andauernd zusammen rumhängen“.</p>
<p><a class="thickbox" href="http://media-services-hamburg.de/kunden/preview/freihafen/wp-content/gallery/aufderkippe-bilder/lockengelot_3.jpg"><img class="ngg-singlepic ngg-none" src="http://media-services-hamburg.de/kunden/preview/freihafen/wp-content/gallery/aufderkippe-bilder/lockengelot_3.jpg" alt="lockengelot_3.jpg" width="385" height="454" /></a></p>
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