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	<title>freihafen.org &#187; Bücher</title>
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	<description>Jugendmagazin aus Hamburg — Wir. Hier. Jetzt.</description>
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		<title>Literatur erleben</title>
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		<pubDate>Thu, 26 May 2011 19:58:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Leonie</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Große Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>

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		<description><![CDATA[Vom 26. – 29. Mai lädt PROSANOVA, das große Festival für junge Gegenwartsliteratur, zu Text, Tanz und Gespräch nach Hildesheim ein.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">“Stellen wir uns vor, wir beträten ein altes, heruntergekommenes Kasernengelände.</p>
<p style="text-align: justify;">Stellen wir uns vor, dieses Gelände entspräche keiner einzigen wie auch immer gearteten Erwartung. Statt leeren Hallen gäbe es Teppiche, Gras und Sand. Statt alten Stühlen Sofas, Liegen und neue Bars. Stellen wir uns vor, dieses Gelände sei nicht länger tot und still, sondern vollgestopft mit Leuten jeden Alters, mit Lärm und Musik, und manchmal, in den ruhigen Stunden, gefüllt mit andächtigem Schweigen. Oder besser: Stellen wir es uns nicht vor, machen wir es einfach”, so präsentiert sich das PROSANOVA-Festival auf seiner Homepage.</p>
<p style="text-align: justify;">Von dieser Vorstellung besessen, und mit der Umsetzung beschäftigt, sind momentan über 70 Studierende der Universität Hildesheim. Selbstbewusst, offen und neugierig.<br />
Ein verlassenes Kasernengelände wird ab Donnerstag, 26. Mai, für drei Tage Zentrum der jungen deutschsprachigen Literatur. Lesungen, Konzerte, Slams, Partys und der PROSANOVA-Literaturwettbewerb bringen neues Leben in die alten Gemäuer. Auch ein begehbares Gedicht und die Deutsche Autorennationalmannschaft werden zu bestaunen sein.<br />
Wer mit dabei sein möchte kann sich noch Tickets besorgen, ermäßigt sind alle Veranstaltungen für 50,-€ zu haben.<br />
Weitere Infos zum Festival und Details zum Programm gibt es auf <a href="http://www.prosanova.net/">www.prosanova.net</a></p>
<p style="text-align: justify;"><img class="alignright" src="http://www.freihafen.org/wp-content/gallery/cover-bilder/logo-ii.jpg" alt="" width="456" height="321" /></p>
<p style="text-align: justify;">Foto: Katharina Böbel</p>
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		<title>Strand der russischen Seele</title>
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		<pubDate>Thu, 13 Jan 2011 21:17:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Leonie</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Abend mit dem „Zaren der Völkerverständigung“. Wladimir Kaminer ist seit über einem Jahrzehnt der wahrscheinlich populärste in Deutschland lebende russische Autor, DJ und Kolumnist.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Schon eine Stunde vor Beginn füllt sich der letzte leere Stuhl und auch die meisten Stehplätze im gemütlichen Halbdunkel sind kurz darauf besetzt. Ein Großteil des Publikums hat die 30 schon weit hinter sich gelassen, nur wenige junge Leute scheinen sich an diesem Freitagabend zur Autorenlesung von Wladimir Kaminer in die Altonaer Fabrik verirrt zu haben. Was auch daran liegen könnte, dass einmal Herrn Kaminer zuhören zweimal Kinofilm gucken kostet.<br />
Fünfzehn Minuten vor Acht ist auch der letzte freie Stützbalken im Raum mit Menschen belehnt. Ausverkauft bedeutet heute offensichtlich, dass die hinterste Reihe Stehplätze sich fast außerhalb der Hör- und Sehweite der Bühne drängt. Trotzdem ist die Stimmung super, man schunkelt zur Hintergrundmusik im Stil der für Kaminer typischen „Russendisko“ und wartet gespannt auf den „Zaren der Völkerverständigung“. Wladimir Kaminer ist seit über einem Jahrzehnt der wahrscheinlich populärste in Deutschland lebende russische Autor, DJ und Kolumnist. Seine Werke verfasst Kaminer nicht in seiner Muttersprache, sondern ausschließlich auf Deutsch. Seine Hörbücher liest er mit seinem charmanten russischen Akzent alle selbst ein. Als der Dreiundvierzigjährige im formellen, fast steifen Business-Outfit und schicker Anzughose mit passender Weste über dem weißen Hemd die Bühne betritt, ist von Reserviertheit trotzdem nichts zu spüren. Wladimir kennt sein Publikum und sein Publikum kennt ihn. Er scheint die Fabrik seit der letzten Lesung im Vorjahr nie verlassen zu haben. Er knüpft direkt an die letzte Lesung an und fragt das Publikum, was es diesmal hören möchte. „Schneechaos“ wäre eine schöne neue Geschichte, aber nun sei ja leider alles weggetaut, bedauert der Autor und lacht. Dann eben „Kängurus“, eine Geschichte, die er verfasst hat um sich selbst für den anstehenden Australien-Reise zu motivieren. Seine flott geschriebenen Kurzgeschichten liest er in einer für ihn typischen lapidaren Art vor. Die in seinen Erzählfluss eingeflochtenen Anekdoten und Alltagsweisheiten nehmen mehr oder weniger stereotype Eigenheiten der Russen und Deutschen auf die Schippe. So betrieben zwar alle Russen entweder aktiv oder passiv Eiskunstlauf, die russischen Sender zeigten eigentlich den ganzen Tag nichts Anderes, trotzdem sehne sich die russische Seele heimlich nach südlicher Wärme. „Leichte Kleidung, Sonnenbrillen und eiskalter Wodka natürlich verkaufen sich das ganze Jahr über prächtig – das ist für mich der innere Strand der russischen Seele.“ Kaminer erzählt von seiner Kindheit und Jugend in der Sowjetunion als wäre sie erst wenige Jahre her und vergleicht seine eigene Erziehung und Schulzeit mit der seiner Kinder. „Zeichne die weiblichen und die männlichen Geschlechtsorgane – so eine Hausaufgabe hätte es bei uns für Elfjährige sicher nicht gegeben.“ Die meisten Zuhörer, offenbar viele von ihnen Stammbesucher, kennen seine Familie schon und freuen sich über Neuigkeiten von Frau Olga und den beiden Kindern.<br />
Seine treuesten Fans sind von Anfang an ziemlich aufgekratzt, noch auf jeden Nebensatz folgen bestätigende Heiterkeitsausbrüche. Jede Pointe wird begeistert kommentiert. Die Interaktion mit dem Publikum funktioniert, Kaminer versteht es gute Unterhaltung ohne Plattheiten zu bieten. Gerade auch wegen der betont holprigen russischen Aussprache der deutschen Texte. Denn der Gedanke scheint angesichts der brillanten Performance vielleicht erst mal abwegig, aber: Wären die Texte nur halb so amüsant, wenn sie in perfektem glattem Deutsch vorgetragen werden würden? Egal. Auch, dass einige der satirischen Bemerkungen über die „typisch deutsche“ Ordnungsliebe und Autoritätshörigkeit („Wenn das Navi rechts abbiegen sagt, fährt der Deutsche auch in den Fluss! “) einen arg langen Bart haben (genau wie die russischen Pendants über Wodka und gelebter Anarchie), lässt der wortgewandte Völkerverständiger vergessen und alle darüber lachen. Nach mehr als zwei Stunden legt er seinen letzten Text nieder und will sich verabschieden. Doch es werden &#8211; wie immer &#8211; weitere Zugaben gefordert, das Publikum will seinen Star noch nicht wieder gehen sehen und Kaminer kann nach der zweiten Zugabe nur mit dem Versprechen, beim nächsten Mal hier wieder anzuknüpfen und einem entschiedenen „Maestro: Musik!“ einen klaren Schlusspunkt setzen. Des Signierens vieler Bücher ist der Altmeister noch nicht müde und erfüllt so geduldig auch den letzten Leserwunsch. </p>
<p>Foto: Julia Petersohn</p>
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		<title>Zwischen Raps &amp; Bollywood: Kyai!</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Mar 2010 14:28:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Max</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>

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		<description><![CDATA[Gelbe Rapsfelder und norddeutscher Himmel. Und mittendrin ein Mosaik aus Schauspiel, Filmkunst und politischen Intrigen. So bunt wie ein Bollywood-Streifen entfaltet sich Merle Krögers zweiter Roman „Kyai!“]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir haben es geahnt: Windmühlen, alternative Energien und Althippies sind lange nicht so gut wie ihr Ruf. Diesen Argwohn macht sich auch Merle Kröger zunutze. In ihrem  zweiten Kriminalroman „Kyai!“ schickt sie die Filmexpertin Mattie Junghans mitten hinein in den norddeutschen Politikzirkus voller fieser Alt-68er, gerissener Wahlkampfstrategen und manipulativer Bundeswehrtherapeuten. Dazu gibt es eine Liebesgeschichte, die noch dem buntesten Bollywood-Streifen Konkurrenz macht und einen Bundeswehrskandal.</p>
<p>Dabei möchte Mattie nichts weiter, als mit ihrem Wanderkino die norddeutsche Küste entlang ziehen. Blöd nur, dass bei einer Vorführung in Schleswig-Holstein einige Nazis aus dem benachbarten Übungsgebiet der Bundeswehr einfallen, die Leinwand kurzerhand in Brand stecken und Mattie bedrohen.<br />
Doch sie hat Glück im Unglück. Die Leibwächterin Jasmin Assadi rettet ihr mit einem beherzten Tritt das Leben und stellt ihr ihre prominente Arbeitgeberin, die SPD-Bundestagsabgeordnete Frederike von Westenhagen, vor. Umgeben von Raps und Windmühlen lebt diese zusammen mit ihrem Mann, dem Therapeuten Joachim von Westenhagen und ihren Kindern auf einem ökologisch vorbildlichen Landgut. Frederike steckt mitten im Wahlkampf, verspricht Mattie aber trotzdem zu helfen. Sie gibt ihr den Auftrag, einen Werbefilm für Schleswig-Holstein zu drehen, um ausländische Touristen anzulocken.<br />
Auch aus dem Ausland kommt unerwartet Hilfe für Mattie: Cal, ein berühmter indischer Musikproduzent und zufällig auch der Liebhaber ihres Ex-Freundes, soll das erste Bollywood-Musical im Berliner Spree-Speicher vorbereiten. Ohne zu zögern beauftragt er Mattie damit, eine Filmreihe für die spielfreien Abende zusammen zu stellen.<br />
Der Ex-Freund selbst, der auftragslose, idealistische Reporter Nick Ostrowski, kommt nicht mit. Er ist zu sehr damit beschäftigt, in Bombay sich selbst und anderen zu beweisen, wie gut er in der Millionen-Metropole klarkommt. Und während sich Nick im heißen Indien als Vollzeittrinker und Gelegenheits-DJ über Wasser hält, kommen sich im kühlen Deutschland Cal und Mattie zusehends näher.<br />
Gemeinsam beschließen sie, auch Nick zu seinem Glück zu verhelfen und ihn nebenbei nach Deutschland zurück zu holen. Im Auftrag einer fiktiven Zeitungsredaktion schicken sie ihn zur Recherche nach Pune, einer ehemaligen Hippie-Hochburg im Südwesten Indiens, wohin schon Frederike von Westenhagen und ihr Mann vor Jahren gepilgert sind.<br />
Der Plan geht auf: Nick kehrt zurück nach Deutschland. Doch die Geschichte, die er aus Pune mitbringt, ist weit entfernt von jeder Fiktion. Sie führt  zum Gut Westenhagen und lässt seine gepflegt-alternativen Bewohner plötzlich in einem ganz anderen Licht erscheinen.</p>
<p>Der zweite Roman Merle Krögers gleicht an vielen Stellen einem Bollywood-Spektakel: farbenfroh, wirr und etwas seicht zugleich. Ist die Handlung trotz vieler Handlungsstränge im Großen und Ganzen nachvollziehbar, sogar spannend, stellen die Figuren den Leser vor ein Rätsel: Matties, Cals und Nicks Dreiecksbeziehung wird als die größte Selbstverständlichkeit dargeboten. Was in seinen Grundzügen wie ein großer innerer Konflikt aller Beteiligten anmutet, wird mit ein paar nichtssagenden Floskeln abgetan.<br />
Auch fällt der beim Vorgänger „Cut!“ viel gelobte „Aufprall der Kulturen“ bei „Kyai!“ eher unbefriedigend aus. Lässig tappt Kröger von einem Klischee zum nächsten und kommt über den Inhalt eines Stammtischgespräches nicht hinaus. Wer sich näher mit dem postkolonialen Indien auseinandersetzen möchte, wird hier nicht fündig. Mehr als die üblichen Schilderungen des Wirtschaftsbooms, des Gegensatzes zwischen Arm und Reich und der Korruption von Sicherheitsbeamten gibt das Buch nicht her.<br />
Und auch die Situation der Migranten in Deutschland ist an vielen Stellen zu einseitig erfasst. Fremdenfeindlichkeit tritt einem da in geradezu grotesken Formen entgegen. So möchte der spirituell angehauchte, umweltbewusste und – man möchte meinen – linke  Johannes von Westenhagen bei einem Filmdreh an seinem Gut plötzlich explizit keine muslimischen Sicherheitsleute haben, weil „man ja heutzutage nie weiß“.<br />
Mag sein, dass Kröger hier feinfühlig die angesichts der wirtschaftlichen Flaute aufkeimenden neokonservativen Stimmungen in Deutschland erfasst. Die Häufung der einschlägigen Vorfälle wirkt in dem Roman aber überladen.<br />
Doch trotz der Mängel verliert das Buch nicht an Unterhaltungswert. Am Ende bleibt der Eindruck eines wirren, bunten, etwas überladenen Mosaiks.</p>
<p>Merle Kröger<br />
Kyai!<br />
Ariadne Krimi<br />
Argument Verlag<br />
9,90 Euro</p>
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		<title>Ein Buch wie ein Dessert</title>
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		<pubDate>Tue, 29 Sep 2009 19:03:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Max</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>

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		<description><![CDATA[Heiraten. Das ist für Hatice Akyün gar nicht so einfach. Einen „Hans mit scharfer Soße“ hat sie bisher nämlich nicht gefunden. Soll es nun doch ein „Ali zum Dessert“ sein?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„ Ağzından bal damlıyor“ ist ein türkisches Sprichwort und bedeutet: „Es fließt Honig aus seinem Mund“.  Diese Redewendung verdienen sich nur Menschen, denen andere förmlich „an den Lippen hängen“.<br />
Mit diesen Worten beschreibt die deutsch-türkische Autorin Hatice Akyün in ihrem aktuellen Roman „Ali zum Dessert“ ihren neuen Freund, den sie nach langen Wirrungen zum Vater ihres Kindes auserkoren hat. Dabei ist der attraktive Türke Ali so ganz anders als ihr ursprüngliches Ideal: Sollte es in ihrem vorigen Roman noch der zuverlässige deutsche Mann mit türkischer Seele – ein „Hans mit scharfer Soße“ – sein, erobert nun ein türkischer Mann mit deutscher Seele ihr Herz.<br />
Ebenso wie die Autorin nicht von Alis Lippen lassen kann, ist es dem Leser von Akyüns türkischen Familientrubel unmöglich, ihr autobiographisch verfasstes Buch zur Seite zu legen. Munter, mit viel Scharfblick und einer großen Portion augenzwinkerndem Humor, wird durch die komplizierte Angelegenheit, zwei Familien ohne Heirat miteinander zu verbinden, geführt. Nebenbei wird amüsant erklärt, was Hatice Akyün als „Familienkommunismus“ bezeichnet: Bevor eine Entscheidung getroffen wird, die das Leben der Kinder in neue Bahnen lenkt, aktiviert sich die gesamte Familie und mischt von nun an mit. Das hat nicht selten überraschende Folgen&#8230;<br />
Ein ganz anderer Einblick in allgegenwärtige Themen wie Migration, Integration und zweisprachige Identität wird gewährt und zeigt, wie tolerantes Miteinander funktionieren kann. „Ali zum Dessert“ ist kein typischer interkultureller Roman, der hauptsächlich eine grundlegende Problematik diskutiert, sondern er führt unterhaltsam an diese heran, behandelt sie mit Respekt und  plädiert für Auflockerung.<br />
Jedem interessierten Leser wird dieses Buch eine Genuss sein und lange auf der Zunge anmuten wie ein gutes türkisches Dessert. Zu erhalten ist es in fast allen Buchläden und kostet – gebunden – ca. 20 €.</p>
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		<title>Charlotte Roche: Feuchtgebiete &#8211; Wenn es immer noch schlimmer werden kann</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Jun 2009 19:51:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carolin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Große Freiheit]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit ihrem Roman „Feuchtgebiete“ deckt Charlotte Roche die schmutzigen Gedanken auf, die jeder von uns hegt, aber niemals zugeben würde. Mit diesem Buch darf man sich nicht in der Öffentlichkeit blicken lassen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Markus Kafka hat es getan. Sarah Kuttner macht es immer wieder und auch Charlotte Roche wagte es. Ein Trend zeichnet sich ab: MTV- und Viva-Moderatoren gehen unter die Schriftsteller.<br />
Mit dem Roman „Feuchtgebiete“ begab sich Charlotte Roche im Februar 2008 auf einen Erfolgskurs. Mehr als sieben Wochen verweilte ihr Buch auf dem ersten Platz der Literatur-Charts und kann mit über einer Million verkaufter Ausgaben den Stempel „äußerst erfolgreich“ aufgedrückt bekommen.<br />
Wir kannten Roche bis zur Veröffentlichung von „Feuchtgebiete“ als extravagante Fast-Forward-Dame mit nasaler Stimme, einem frechen Mundwerk und einer beschämenden Offenheit. Sie hatte die Schnauze voll, immer nur Stars zu interviewen und wurde Autorin. </p>
<p>Ab und zu passiert es eben: Man rasiert aus Versehen etwas zu grob über die Hämorrhoiden und findet sich wenig später mit einer Analfissur auf der proktologischen Abteilung des Krankenhauses wieder. Helen, 18 Jahre alt, gehört zu denjenigen, die dieses Schicksal ertragen müssen &#8211; und sie erträgt es gut. Während sie darauf wartet, dass ihre Hämorrhoiden entfernt werden, hat sie viel Zeit nachzudenken. Am liebsten schweift sie mit ihren Gedanken in die Vergangenheit, um von ihren Masturbationspraktiken, vorzugsweise mit selbstgezüchteten Avocadokernen, ihren Hygienevorstellungen oder ihrem Umgang mit Menstruationsblut zu berichten. Helen stellt ausdauernd dar, dass sie bezüglich ihres eigenen Körpers keine Schamgrenze besitzt.<br />
Im tiefen Innern ist Helen jedoch nur ein erschüttertes Scheidungskind, welches durch den Krankenhausaufenthalt, Provokation und Ausdauer versucht, die Eltern wieder zusammen zu schweißen.<br />
Für den Versuch, die Reunion ihrer Familie im Krankenhaus zu erwirken, legt Helen sich ordentlich ins Zeug: Sie reißt sich ihre frische Wunde am Po wieder auf und verlängert dadurch ihren Aufenthalt.<br />
Als ständiger Gesprächspartner steht ihr der Krankenpfleger Robin zur Verfügung, der sie unfreiwillig in ihrer Trauer um die geschiedenen Eltern auffängt. Er muss ihre Freizügigkeit ertragen und wird Objekt ihrer Fantasien.<br />
Irgendwann muss Helen jedoch einsehen, dass ihre Bemühungen um ihre Familie auf unfruchtbaren Boden gesät wurden. Sie plant einen letzten Racheakt.</p>
<p>Charlotte Roche macht es wie immer auf ihre eigene Art und Weise: Provozierend und sehr selbstbewusst. Wäre das Buch etwas weniger provozierend und etwas weniger selbstbewusst, würde man nach den ersten hundert Seiten nicht überlegen müssen, ob es sich wirklich lohnt, weiterzulesen. Die Geschichte ist platt und der einzige Reiz des Buches sind die sich häufenden Perversitäten, die mit zunehmender Seitenzahl immer unspektakulärer werden.<br />
Nach eigener Aussage sind 70 % des Buches autobiografisch und das macht Angst. Es mag sein, dass Frau Roche mit „Feuchtgebiete“ die verklemmte Gesellschaft aufrütteln möchte. Ich jedoch will nicht wissen, welche schlüpfrigen Gedanken in den Köpfen meiner Mitmenschen hausen. Ich weigere mich darüber nachzudenken, wie die Intimrasur meines Gegenübers aussieht, welche Masturbationspraktiken er bevorzugt und was er am liebsten mit Sperma, Smegma und Urin anstellt.<br />
Charlotte Roche darf mich als prüde beschimpfen, ich werfe ihr die Gier nach Aufmerksamkeit vor.</p>
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