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	<title>freihafen.org &#187; Theater</title>
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	<description>Jugendmagazin aus Hamburg — Wir. Hier. Jetzt.</description>
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		<title>LÜGEN!</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Apr 2012 19:46:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janina-Christin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Große Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute wollen wir kollektiv Lügen. Wir werden behaupten unser Stück sei großartig und Sie werden behaupten, Sie fänden das auch. Zweifler werden ihre Zweifel der eigenen Beschränktheit zuordnen, ebenfalls Lügen und sagen, Sie fänden das Stück brillant. Den Anfang mache ich, in dem ich das Stück auf dem Spielplan als grandioses avangardistisches Theater ankündige. Verstanden? Ich hoffe es.
Denn, wenn nicht dann Lügen Sie um die Wahrheit zu vertuschen. Sie finden das Stück ist nicht sehenswert? Sie Lügen doch!!! Ich habe Sie neugierig gemacht.  ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute wollen wir kollektiv Lügen. Wir werden behaupten unser Stück sei großartig und Sie werden behaupten, Sie fänden das auch. Zweifler werden ihre Zweifel der eigenen Beschränktheit zuordnen, ebenfalls Lügen und sagen, Sie fänden das Stück brillant. Den Anfang mache ich, in dem ich das Stück auf dem Spielplan als grandioses avangardistisches Theater ankündige. Verstanden? Ich hoffe es.<br />
Denn, wenn nicht dann Lügen Sie um die Wahrheit zu vertuschen. Sie finden das Stück ist nicht sehenswert? Sie Lügen doch!!! Ich habe Sie neugierig gemacht. </p>
<p>In zehn Szenen werden dem Zuschauer in „LÜGEN“ Menschen vorgestellt, die sich im Identitätskonflikt mit der Außenwelt befinden. Da ist der Mahler, der die Menschen in seiner Umgebung nicht mehr fassen kann, das Paar das keine Verbindung zum Rest der Welt spürt, der Liebende, der mit dem Vorwurf konfrontiert wird seine Geliebte nie verstanden zu haben, hinzu kommt der Tadel ein falsches Bild von sich selbst abgegeben zu haben. Und nicht zuletzt ist da das Mädchen, welches nach ihrem Scheintod feststellen muss, das keiner ihrer Angehörigen sie je richtig gekannt hat. </p>
<p>In Szene 9. wird das, die Außenwelt verschmähende, Individuum mit der Menschenliebe dieser  konfrontiert. Die ignorante Bosheit der Außenwelt wird als eine Projektion des Einzelmenschen enttarnt. Also hat das Individuum gelogen und wird von der übrigen Welt zu Recht als Lügnerin dekliniert? Nein, denn es handelt sich hier um Wahrnehmung, welche Gefühlen zugrunde liegt und „Gefühle sind nicht Konkret“. Die Gefühlswelt eines jeden funktioniert anders und trotzdem sind die Gefühle aller wahrhaftig und verdienen es erhört zu werden, wie uns der verzweifelte Einzelne immer wieder zu erklären versucht.<br />
In unserer postpubertären Gesellschaft glaubt jeder falsch wahrgenommen und nicht verstanden zu werden, insofern dokumentiert LÜGEN den aktuellen Identitätskonflikt der Generationen. Eine Thematik, die sich gerade in der Generation der jetzt 50-Jährigen einer großen Aktualität erfreut. Die Ironie ist, dass das Stück von einem 17-Jährigen geschrieben und inszeniert wurde. Insofern ist das Stück vielleicht als Hommage an die Elterngeneration zu verstehen. </p>
<p>Getragen werden die zehn Szenen von der zutiefst auratischen Livemusik der Band <a href="http://www.freihafen.org/grosse-freiheit/1844-nicht">NICHT</a>.  Zwischen den durch die Schauspielerin Rosa Thormeyer interpretierten Monologen und der Band NICHT entsteht eine laute, pulsierende Synergie. Die Band NICHT packt einen emotional bei der Gurgel und lässt einen dann in das Gedankengewirr von LÜGEN fallen.<br />
Der 17-Jährige Regisseur und Autor Nikolas Darnstädt ist ein Allround-Künstler, vor einem Jahr gründete er zusammen mit Robert Lüngen das Musik Duo „NICHT“. Wenn er die Inszenierung von LÜGEN abgeschlossen hat, will er einen modernen Stummfilm produzieren. Neben Schule und Bandproben arbeitete er bereits an etlichen Produktionen u.a. des Thalia Theaters mit. </p>
<p>Die Hauptdarstellerin Rosa Thormeyer kennt man bisher aus den Serien Notruf Hafenkante und Zoko Wisma sowie dem Film „der verlorene Sohn.  Sie spielte außerdem etliche Rollen im Jugendklub des Staatstheaters Hannover. Rosa bekam die Schauspielerei offensichtlich durch ihre Mutter Oda Thormayer (Schauspielerin am Thalia Theater) schon in die Krippe gelegt.<br />
Regieassistent ist der angehende Schauspielstudent Moritz Hisznauer. Er arbeitete bereits in nahezu allen Bereichen der Film und Theaterbranche. Er spielte in verschiedenen Inszenierungen des Hamburger Schauspielhauses z.B. „Herr der Fliegen“ mit. Seine vielseitigen Erfahrungen stellen eine außerordentliche Bereicherung für LÜGEN da. Sehen sie selbst! Wir LÜGEN für sie am 23., 24.,und 25. April im Sprechwerk. </p>
<p>Foto: Archiv von &#8220;Lügen&#8221;</p>
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		<title>Richard III.</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Mar 2011 13:35:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Max</dc:creator>
				<category><![CDATA[Theater]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein fulminantes Theaterereignis um Macht, Gier und den Strukturen dahinter. Eine Rezension über einen einmaligen Theaterabend. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Typisch: da will man vorbereitet ein Shakespeare-Stück besuchen und schafft doch nicht mehr als die Wikipedia-Inhaltsangabe zu lesen. Mich unwissend fühlend betrete ich den Hof, der zu dem Veranstaltungsort, einer alten Fabrikhalle, führt. Ein herber Wind wirbelt den Sand um die alten, teils verfallenen teils erneuerten Fabrikgebäude auf. Der plötzlich einsetzende Regen tut das Übrige um die Zuschauer endgültig in die Fabrikhalle zu treiben. Eine majestätisch anmutende, säulendurchzogene Halle an deren Ende eine Bühne aufgebaut ist. Rund 30 Jugendliche sitzen, stehen und liegen in wartender Haltung auf ihr, als ob der Wind, der Regen und die Zuschauer ihnen völlig gleichgültig wären. Erst als die bedrohliche, treibende und zerstörerische Musik einsetzt, beginnen sie sich zu bewegen. Und so wie draußen der erste Blitz, so explodiert nun die Bühne und zieht die Zuschauer in eine Welt voll von Machtspielen, Intrigen und Grausamkeit.<br />
Dabei benutzt Niklas Heinecke nicht viel, um die Atmosphäre seiner Inszenierung zu erzeugen. Rund 300 Astra-Kisten bilden das Bühnenbild und lassen sich innerhalb weniger Sekunden komplett neu anordnen. Vor allem sind es aber die 30 Darsteller, die neue Situationen schaffen. Nahezu durchgehend befinden sich alle auf der Bühne und nehmen immer wieder neue Rollen und Funktionen ein. Tauchen wichtige Personen wie etwa Richard, Clarence, Heinrich und Elisabeth auf, werden sie zwar stets von den selben Schauspielern verkörpert; ansonsten fungieren die Darsteller aber eher als Bild- und Tonmaterial.<br />
So wird der Bürgerkrieg zwischen den Häusern Yorks und Lancasters, mit dem das Stück beginnt, durch die Übermittlung von Schreckensnachrichten und schließlich durch die Imitation von erregten Funkgeräuschen dargestellt. Das übertriebene Lachen einer Menschenmasse, von denen Richard immer noch einzelne Leute, vielleicht Verräter, umbringt, macht die absurde und ängstliche Leere nach dem Bürgerkrieg deutlich.<br />
Dabei bleibt die Inszenierung der shakespeareschen Handlung, auch wenn stark verkürzt, treu. In die Bilder eingebaut, vor sie gestellt oder innerhalb Unterbrechungen finden die klassischen Monologe und Dialoge ihren Platz und werden durch die Bildsprache unterstützt.<br />
Die Geschichte von Richard, Herzog von Gloster, dem es gelingt mit taktischem und brutalem Kalkül den Königssitz zu erobern, wird in der Fassung der Theater Jugend Hamburg zu einem Theaterereignis, dass die Gier nach Macht  und das Verschwinden von Individuen in übergeordneten Strukturen hervorhebt. Dafür ist es eben nicht wichtig die genaue Handlung im Voraus zu kennen. Die Energie der jugendlichen Darsteller und die gekonnte Verbindung zwischen bildlicher, musikalischer und theatraler Sprache reicht aus, um den Zuschauer in den Bann zu ziehen. </p>
<p>FOTO: Bernd Willeke</p>
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		<title>Clash of Civilisations</title>
		<link>http://www.freihafen.org/grosse-freiheit/theater/1145-tanztheater-vom-feinsten</link>
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		<pubDate>Fri, 11 Feb 2011 17:28:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Max</dc:creator>
				<category><![CDATA[Theater]]></category>

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		<description><![CDATA[Spektakuläres Tanztheater zu Gast auf Kampnagel: "Babel" heisst das Stück des Tanzchoreografen Sidi Larbi Cherakaoui.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Um es gleich vorweg zu nehmen: Selten habe ich so gerne applaudiert. Was jetzt folgt ist also eher undistanzierter Art und wahrscheinlich nichts für das abwägende Feuilleton.<br />
Babel, das war ein 100-Minuten-Feuerwerk aus Tanz, Schauspiel und Musik. Zusammengehalten durch philosophische und gesellschaftskritische Themen und gespickt mit nicht zu wenig Humor. Das hört zu sich Recht bunt und groß an.</p>
<p>Von Mittwoch bis Samstag ist die neue Produktion des gefeierten Tanzchoreografen Sidi Larbi Cherakaoui auf Kampnagel zu Gast. 18 Künstler aus 13 Ländern mit 15 Sprachen sind als Tänzer und Musiker an dem Projekt beteiligt.<br />
Das Stück handelt vom unkontrollierbaren Aufeinandertreffen zwischen verschiedenen Sprachen und Kulturen, zwischen Gestern und Morgen und zwischen Chaos und Mechanik. Letztendlich ist es eine Geschichte von Menschen, die manchmal mit- und manchmal gegeneinander ihren Weg durch dieses dynamische Dickicht suchen.<br />
Inspiration ist dabei die biblische Geschichte des Turmbaus zu Babel, in der Gott die Menschen mit Chaos und Zersplitterung in unterschiedliche Sprachen und Kulturen bestrafte. Daraus entstand eine Collage, die sich dem Thema Verständigung und Kommunikation auf vielen Wegen nähert.<br />
Da war die bezeichnende Slow-Motion Szene, in der ein Kampfgetümmel zeitlupenartig dargestellt wurde. Wie im Fernsehen, nur besser. Weil die Tänzer ausschließlich durch ihre Körperbeherrschung glauben ließen, die Zeit verginge langsamer oder zumindest die Schwerkraft habe deutlich nachgelassen.<br />
Da gab es den denkwürdige Flirt zwischen einem brusttrommelnden Neandertaler und einer wimperklimpernden mechanischen Roboterdame. Hier überzeugten besonders die Komik der Situation und die Symbolik: Vergangenheit und Zukunft des Menschen treffen sich auf engstem Raum.<br />
Und da wurde der Sicherheitscheck vor dem Abflug wurde gezeigt. Die vordergründig freundliche aber eigentlich standardisierende und unpersönliche Kontrolle durch dieselbe multilinguale Roboterfrau, die auch dem Affenmensch begegnete. Sie durchzog das ganze Stück als Symbol einer technisierten Menschheit, welche diesen Namen eigentlich gar nicht mehr verdient.<br />
Aber da waren auch die furiosen Tanzszenen. Angetrieben von mächtigen Trommeln, die auf einer Empore im Hintergrund bespielt wurden, verwandelten dreizehn Tänzer die Bühne in einen packenden Strudel. Als Kontrast dazu dann die intimen Tänze zwischen Liebhabern, die ihre Körper umeinander spielen ließen und so zu einer pulsierenden Einheit  verschmolzen.</p>
<p>Kurz: Ein facettenreiches und tiefes Thema, tänzerische Meisterschaft, musikalische Vielfalt und auch ein durchdachtes Bühnenbild (fünf bewegliche Leichtmetall-Kuben, mal statisch, mal von den Tänzern bewegt)  formten sich in diesen 100 Minuten zu einem beeindruckenden Gesamtkunstwerk. Der Clash of Civilisations ist nicht das Ende – sondern unglaublich vital.</p>
<p>FOTO: Koen Broos</p>
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		<title>Jede Rolle eine Maske?</title>
		<link>http://www.freihafen.org/grosse-freiheit/theater/622-jede-rolle-eine-maske</link>
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		<pubDate>Fri, 26 Mar 2010 10:23:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Max</dc:creator>
				<category><![CDATA[Theater]]></category>

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		<description><![CDATA[Maskenball. Eine Chiffre für das Theater: Bedeutet Schauspielen das Aufsetzen einer Maske? Ist jede Rolle eine Maske oder wird sie Teil der Persönlichkeit? Ein Interview mit Matthias Leja]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Thalia Theater Gaußstraße treffe ich während der Hamburger Theaternacht Matthias Leja, Ensemble-Mitglied. Die Zeit drängt: Matthias Leja führt an diesem Abend Interessierte durch das Bühnenbild des Dramas „Das Judasevangelium – oder Verrat ist deine Passion“, in dem er die Rolle des Gregors verkörpert.  Das Besondere an dieser Inszenierung: Die Bühne besteht aus drei Räumen, in die sich das Publikum verteilt. Wird in einem Raum gerade nicht gespielt, überträgt ein Bildschirm per Kamera live die Geschehnisse aus dem Nachbarzimmer.<br />
Zum Interview nehmen wir im „Wohnzimmer“ Platz. Die Kamera in der Mitte des Esstisches zeigt jetzt mein Gesicht in Großformat im Nebenzimmer: Auf dieser Bühne ist nur die Toilette privat.<br />
Meine Irritation verbergend, frage ich, ob das Schauspielen mit dem Aufsetzen einer Maske vergleichbar sei. Matthias Leja entgegnet sofort: „Nein! Eine Maske aufsetzen ist Verstecken. Eine Figur darzustellen bedeutet, sie sich zu erarbeiten und Teile der eigenen Person mit Teilen der fremden zu zeigen. Es ist gerade das Ziel heutiger Theaterarbeit, sich nicht hinter Rollen zu verbergen, sondern sie mit den eigenen Voraussetzungen neu zu entdecken.“ Es gibt zwei grundsätzliche Formen der Rollenannäherung: Das verwandelnde und das anverwandelnde Theater. Aktuell bevorzugt man das Anverwandeln, bei dem man die Figuren möglichst nah an sich heran lässt. Die Rollen sollen „wie du und ich“ erscheinen. Um sich einer Figur anzunähern, muss man viel über sie lesen, Informationen sammeln, beobachten. Eine Maske zieht man dagegen nur über. Wenn ich jetzt nur eine hätte, denke ich, während ich zur Kamera schiele.<br />
Matthias Leja fährt fort: „Grundsätzlich ist es bei mir eher so, dass die einem ferner und unangenehmer scheinenden Rollen die interessanteren sind. Figuren, die alltäglicher und persönlich näher sind, wie z.B. der liebe Vater oder leidende Verliebte, sind auch die weniger spannenden. Es gibt dann wenig Neues zu entdecken.“<br />
Masken verändern sich nicht. Aber Rollen, entwickeln die sich auf der Bühne weiter?<br />
„Ja, auf jeden Fall! Manche Dinge und Abläufe werden einfach selbstverständlicher und homogener. Alle spielen sich mehr und mehr ein, sollten eins mit ihrer Rolle werden. Trotzdem entdeckt man immer wieder Neues. Ein Stück ist schließlich keine tote Materie, sondern so, wie man selber nicht jeden Tag gleich lebt, spielt man auch immer etwas anders. So ein Abend ist also nie fertig.“.<br />
Aber besteht dann nicht die Möglichkeit, dass man unter dem Einfluss der Figur seinen Charakter verändert? Was nimmt man nach der Aufführung mit?<br />
„Ich konnte  &#8211; jedenfalls bisher-  nicht sagen ‚Mit dieser Rolle hat sich mein Leben geändert!’. Es ist eher andersherum: Die eigene Person beeinflusst die Rolle. Was man sagen kann ist, dass man durch ständiges, direktes und intensives Auseinandersetzen mit Persönlichkeiten und Stücken automatisch auch intensiver denkt. Durch das dauernde in Berührung kommen mit neuer Materie bleibt man nachdenklich und hinterfragt.  Es ist auch nicht so, dass man sich nach einem Stück besonders verändert fühlt. Das Gefühl während der Aufführung ist meistens schnell weg. Aber es ist nicht nichts passiert. Darum ist man mitgenommen und vielleicht erschöpft, anders empfinden tut man jedoch nicht unbedingt. Sagen wir mal so: Ich kann hinterher nicht locker feiern, dafür tritt alles zu sehr an einen heran, aber ich fühle mich nicht grundlegend anders.“<br />
Die Tür zum Wohnzimmer geht auf: „Matthias, kommst du?“. Es ist Zeit. Die nächste Gruppe wartet darauf, durch die Wohnbühne geführt zu werden. Ich verlasse den Bannkreis der Kamera mit der Erkenntnis, dass heutige Rollenfindung wirklich nichts mehr mit Masken zu tun hat. Schauspielen ist eben Kunst. Kein Maskenball.</p>
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		<title>God‘s away on business</title>
		<link>http://www.freihafen.org/grosse-freiheit/theater/613-god%e2%80%98s-away-on-business</link>
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		<pubDate>Fri, 19 Mar 2010 11:48:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Max</dc:creator>
				<category><![CDATA[Theater]]></category>

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		<description><![CDATA[„Es war einmal ein arm Kind...“: In der Inszenierung von Georg Büchners Fragment „Woyzeck“ am Hamburger Thalia Theater versucht man sich der zentralen Frage des Autors anzunähern: Was ist das, was in uns lügt, mordet, stiehlt?“]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Alle hängen über dem Abgrund. Verschlungen, gefangen, verworren in einem Netz, das augenscheinlich Halt gibt. Nach kurzer Zeit jedoch zeigt es seinen wahren Charakter: Würgend hält es jeden, der in ihm steckt, fest und zwingt ihn sich weiter an es zu klammern, um nicht zu fallen. Aber sich an das Übel zu binden, damit man dem Abgrund entkommt, ist das nicht paradox?<br />
Franz Woyzeck (Felix Knopp), ein armer Soldat am Rande der Gesellschaft, schlägt sich durch dieses Netz, um für sich, seine Geliebte Marie (Maja Schöne) und das gemeinsame Kind wenigstens einen Hungerlohn zu erwirtschaften. Seine Sprache ist ungeschliffen, sein Umgang grob, er leidet unter seinen Verhältnissen. Dennoch hat er plagende Gedanken, die fragen: Liegen Verbrechen und Betrug in der Natur des Menschen? Genügt es sich zur Verhinderung eines Mordes den Arm abzuschlagen? Ist der Mensch frei, über sein Handeln zu entscheiden?<br />
Die Diskrepanz zwischen dem in Woyzeck durchaus vorhandenen Wunsch nach Moral und seinen realen Lebensumständen, Mitmenschen und eigenem Tun rufen in ihm eine Schizophrenie hervor, die ihn schließlich zum Mord an der ihm untreu gewordenen Marie treibt. Das Netz hat sich zu fest zugezogen.<br />
Auf diese wahnsinnig-schizophrenen Eigenschaften Woyzecks hat sich die Inszenierung am Thalia Theater konzentriert. Der tragische Riss und die schreiende Verzweiflung Woyzecks finden in Musik und Text der von Tom Waits komponierten Lieder Ausdruck und sind Hauptbestandteil der Stückes. Sie führen in die Gedankenwelt Woyzecks und der übrigen Personen ein: Aggressive Geigen, donnerndes Klavier und schrille Flöte verdeutlichen die Verzweiflung der Menschen, vorsichtig gespielt deren stille Haltlosigkeit und Sehnsucht. Die Musik ist nicht nur Untermalung, sondern Sprachrohr der Darsteller. Hilflosigkeit und Angst werden gesteigert durch das Bühnenbild, das den Schauspielern akrobatische Leistungen abverlangt: Das „gefühlte“ Netz wird übertragen auf ein riesiges wirkliches, unter, auf und zwischen dem gespielt wird. Mal steht es gerade &#8211; hoch in der Luft oder nah am Boden -, mal steht es schräg, sogar halsbrecherisch senkrecht. Die Personen können sich nur noch balancierend und hangelnd fortbewegen, also genau so unfrei und unsicher, wie in dem Leben, das sie führen. Entfliehen können sie nicht, fallen wollen sie nicht, helfen tut ihnen keiner: God‘s away on business!<br />
Musik und Bühnenbild bilden gemeinsam eine ausdrucksstarke Veranschaulichung des Kernthemas im „Woyzeck“: Die Verbitterung und Verzweiflung aufgrund unerfüllter Ansprüche und gebundenem Handeln. Entfremdungseffekte (wie z.B. eine zarte Marie, die zur Annäherung gegen ihren fetten Geliebten springt oder ein trinkender, neurotischer Doktor, der Versuche an Woyzeck ausführt) verstärken das Unwohlsein beim Zuschauer und erinnern an Brecht‘sches Theater, das eine distanzierte Sicht des Betrachters auf Missstände hervorrufen soll.<br />
Zuweilen jedoch überstrapaziert die Musik eine wunderbare Szene und verleiht ihr einen Hauch Musical: Die Musik verflacht die Tragik und wesentliche Fragen, die zu Beginn aufgeworfen wurden („Was ist es, das&#8230;?“) begnügen sich mit der Darstellung der Symptome.<br />
Uneingeschränkt beeindruckend sind die Leistungen der Darsteller: Ob kopfüber am Netz hängend oder unter dem Fleischberg des Tambourmajors begraben, sie singen und spielen ergreifend. Gestik und Mimik der verkörperten, psychisch und körperlich leidenden Personen sind so fein angepasst und ausgedrückt, dass deren Lage genauer nicht darstellbar ist. Die zum Teil kindlichen Züge Woyzecks erscheinen in einer Haltung, die einem jungen Tier gleicht. Maries staksig-stolpernder Gang auf High Heels zeigt ihr Leben abseits von sanfter Weiblichkeit.</p>
<p>„Woyzeck“ ist ein Stück über Unfreiheit und Verzweiflung. Mit der Inszenierung am Thalia Theater in Hamburg ist eine schmerzhaft überzeugende Verkörperung dieser beherrschenden Gewalten gelungen, die es sich lohnt anzuschauen!</p>
<p>FOTO: Krafft Angerer</p>
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		<title>Klassen Feind &#8211; Abgründe zwischen Werbung und Blumenkasten</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Sep 2009 10:23:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Max</dc:creator>
				<category><![CDATA[Theater]]></category>

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		<description><![CDATA[Harte Worte. Eine erbarmungslos direkte Sprache, welche die wirklichen Gefühle der Jugendlichen versteckt: Nigel Williams „Klassen Feind“, inszeniert von Max Martens]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Harte Worte. Sinnlose gegenseitige Beschimpfungen. Eine erbarmungslos direkte Sprache, die eigentlich doch so wenig preisgibt von dem erwünschten „erkenntnisreichen Wissen“ und welche die wirklichen Gefühle der Jugendlichen versteckt.<br />
Nigel Williams „Klassen Feind“, inszeniert von Max Martens in der Zinnschmelze in Barmbek, zeigt eine Klasse von „typischen hoffnungslosen Fällen“, denen sich schließlich kein Lehrer mehr widmen will und die einfach in ihrem Raum zurückgelassen werden. Eine junge Immigrantin, die mit Vorliebe Scheiben einwirft, Schüler mit Vorurteilen gegenüber den „anderen“ Ausländern und ein deplaziert wirkender, durch die Mitschüler genervter Außenseiter mit mehr Ausdrucksvermögen als der Klassendurchschnitt, bilden nur einen Teil der Gruppe. Daneben ein junges Mädchen, dem sein ausgeprägtes Einfühlungsvermögen erlaubt, die Haltlosigkeit ihrer Mitschüler hinter der rauen Fassade wahrzunehmen und fast bis zuletzt auf einen Ausweg zu hoffen: Vollmond – der Name spricht für sich.<br />
Das Stück entstand in den 70ern, die Inszenierung versetzt es in die Gegenwart. Mit beschämender Nähe zur Realität.<br />
„Vollmond, du Fotze, halt die Fresse!“. Sie tut es nicht. Und wird verprügelt, von Fetzer, dem Tonangeber, dem Härtesten, der gerade unsanft auf seinen wunden Punkt gestoßen wurde: Verstellung, die beinah in Gefühllosigkeit mündet. Die Eigenschaften verwundern nicht. Der gescheiterte elterliche Hintergrund und finanzielle Nöte treiben Fetzer zu einer erbarmungslosen Panzerhaltung, die ihn schützen soll. Darauf angesprochen zu werden, berührt ihn empfindlich, lässt ihn aggressiv und brutal werden. Den übrigen Klassenkameraden wird dies bewusst, helfen können sie nicht. Aus Angst und weil sie in eigenen Problemen versinken.<br />
Doch trotz der übermächtigen Sorgen und Missstände haben alle den Wunsch nach „wirklich wichtigem Wissen“, nach Erkenntnis, und klammern sich an ihre Hoffnung auf Besserung. Längst von Lehrern aufgegeben wehren sie sich noch dagegen den Zweifel über ihren Glauben an Gerechtigkeit und die Hilfe von außerhalb siegen zu lassen. Zum Zeitvertreib beschließen sie, sich selber Unterricht zu geben. Jeder eine Stunde im Fach seiner Wahl. Die fällt aber nicht auf Mathematik und Deutsch, sondern auf Gartenbau im Blumenkasten und wie man sich al<img class="ngg-singlepic ngg-left alignright" style="margin: 5px;" src="http://www.freihafen.org/wp-content/gallery/cover-bilder/klassenfeind1.jpg" alt="klassenfeind1.jpg" width="309" height="206" />s brünette Immigrantin zwischen den blonden Models auf Werbeplakaten fühlt. Jede „Unterrichtsstunde“ ist wie eine erzählte Geschichte, die Sorgen und Wünsche der Schüler durchschimmern lässt. Trotz der rohen Wortwahl. Es werden Themen angesprochen, die sie berühren und die ihnen Annäherung an eine Lösung verschaffen sollen. Die erhoffte Erkenntnis kann und wird, wie Fetzer schließlich feststellt, jedoch nicht eintreten. Sie zerbricht an der Größe der Probleme.<br />
„Klassen Feind“ ist ein Stück über Abgründe in der Gesellschaft, die schon ihren jüngsten und fähigsten Teil treffen: die Jugendlichen. Es ist durch die „Theater Jugend Hamburg“ von und mit jugendlichen Schauspielern inszeniert, denen man dank ihrer unmittelbaren Nähe zu der dargestellten Altersgruppe und ihrem feinen Einfühlungsvermögen jede dargestellte Rolle fraglos abnimmt und sie beinah mit dieser identifiziert.<br />
Der Fokus liegt auf der Zukunftslosigkeit. Doch eines bleibt klar beim Zuschauer zurück: Nicht die Jugendlichen, sondern die Gesellschaft und der Teufelskreis der Perspektivlosigkeit sind Auslöser und Übel.</p>
<p>Foto: Christoph Aberle</p>
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