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	<description>Ein neues WordPress-Weblog</description>
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		<title>17-jähriger David M. erhängt sich in Abschiebehaft</title>
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		<pubDate>Wed, 10 Mar 2010 21:37:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>andi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Speicherstadt]]></category>

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		<description><![CDATA[David M. hat nichts gestohlen, keinem Menschen Gewalt angetan oder andere Straftaten begannen. Alles was er wollte, war eine neue Heimat. Nun ist er tot. Der Siebzehnjährige hat sich während der Abschiebehaft in Hamburg erhängt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>David M. hat nichts gestohlen, keinem Menschen Gewalt angetan oder andere Straftaten begannen. Alles was er wollte, war eine neue Heimat. Nun ist er tot. Der Siebzehnjährige hat sich während der Abschiebehaft in Hamburg erhängt. Der aus Georgien stammende Jugendliche ist ohne Erziehungsberechtigte über Polen nach Deutschland eingereist.</p>
<p>Vor seinem Tod, hatte er sich geweigert Nahrung aufzunehmen: Aus diesem Grund wurde er am 25. Februar ins Zentralkrankenhaus der Untersuchungshaftanstalt verlegt wurde. Nach Meinung der Aufseher soll Davids Verhalten nicht auf einen Suizid hingewiesen haben.</p>
<p>Am 9. März fand seinetwegen eine spontane Demo durch die Innenstadt Hamburgs statt. Einige hundert Menschen fanden sich zusammen, um David M. zu gedenken, aber auch, um generell gegen Abschiebung zu demonstrieren. Lautstark ließen die Demonstranten ihrer Wut freien Lauf. Jugendliche, egal ob „legal“ oder „illegal“, sollten mit Würde und Nachsicht behandelt werden. Die Behörden befürchteten dennoch, dass David untertauchen würde. Wäre das doch nur passiert.</p>
<p><img class="ngg-singlepic ngg-right alignright" src="http://www.freihafen.org/wp-content/gallery/cover-bilder/david-m-2-bremen-demo_222222_0.jpg" alt="david-m-2-bremen-demo_222222_0" width="210" height="210" /></p>
<p>Wie ein lästiges Paketstück sollte der Georgier nach Polen abgeschoben werden. Dort hatte er bereits Asyl beantragt. Dann wäre er das Problem der polnischen Behörden gewesen.</p>
<p>Bereits im Dezember 2009 demonstrierten in Bremen tausende Menschen anlässlich der Innenministerkonferenz gegen die drohende Abschiebung von ca. 15.000 bis 20.000 Roma zurück in den Kosovo. Unter ihnen waren auch viele Kinder und Jugendliche, die in Deutschland geboren wurden oder schon seit Jahren hier leben. Der Kosovo sei angeblich wieder sicher für sie, so die Bundesregierung. Dass die Roma im Kosovo gesellschaftlich isoliert und regelmäßig gewalttätigen Übergriffen ausgesetzt sind, wurde nicht berücksichtigt. Neben der fast 90-prozentigen Arbeitslosigkeit der Roma sind die Auffangcamps in katastrophalem Zustand. Trinkwasser und Boden sind in vielen Camps verseucht. Zwar wurde auf der Innenministerkonferenz beschlossen die drohenden Abschiebungen erst einmal um zwei Jahre zu vertagen, dennoch ist dies auch eher eine unbefriedigender Aufschub der wirklichen Entscheidung. Zudem ist es erschreckend, dass die Bundesregierung die Probleme der Roma im Kosovo nicht berücksichtigte.</p>
<p>Nach dem Teilerfolg des vergangenen Jahres, als Christa Goetsch, die Bildungssenatorin Hamburgs, versicherte, dass auch Kindern ohne Aufenthaltspapiere die Teilnahme am Schulunterricht ermöglich werde müsste, ist der Tod von David M. ein herber Rückschlag.</p>
<p>Dieser Vorfall zeigt nur, unter welchen psychischem Druck sich Menschen befinden, die Angst vor einer Abschiebung haben oder eine neue Heimat suchen. Gerade junge Menschen müssen mit großer Sorgfalt behandelt werden, denn kein Mensch ist illegal. </p>
<p>FOTO: Andreas Hopfgarten</p>
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		<title>Zwischen Raps &amp; Bollywood: Kyai!</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Mar 2010 14:28:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Max</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>

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		<description><![CDATA[Gelbe Rapsfelder und norddeutscher Himmel. Und mittendrin ein Mosaik aus Schauspiel, Filmkunst und politischen Intrigen. So bunt wie ein Bollywood-Streifen entfaltet sich Merle Krögers zweiter Roman „Kyai!“]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir haben es geahnt: Windmühlen, alternative Energien und Althippies sind lange nicht so gut wie ihr Ruf. Diesen Argwohn macht sich auch Merle Kröger zunutze. In ihrem  zweiten Kriminalroman „Kyai!“ schickt sie die Filmexpertin Mattie Junghans mitten hinein in den norddeutschen Politikzirkus voller fieser Alt-68er, gerissener Wahlkampfstrategen und manipulativer Bundeswehrtherapeuten. Dazu gibt es eine Liebesgeschichte, die noch dem buntesten Bollywood-Streifen Konkurrenz macht und einen Bundeswehrskandal.</p>
<p>Dabei möchte Mattie nichts weiter, als mit ihrem Wanderkino die norddeutsche Küste entlang ziehen. Blöd nur, dass bei einer Vorführung in Schleswig-Holstein einige Nazis aus dem benachbarten Übungsgebiet der Bundeswehr einfallen, die Leinwand kurzerhand in Brand stecken und Mattie bedrohen.<br />
Doch sie hat Glück im Unglück. Die Leibwächterin Jasmin Assadi rettet ihr mit einem beherzten Tritt das Leben und stellt ihr ihre prominente Arbeitgeberin, die SPD-Bundestagsabgeordnete Frederike von Westenhagen, vor. Umgeben von Raps und Windmühlen lebt diese zusammen mit ihrem Mann, dem Therapeuten Joachim von Westenhagen und ihren Kindern auf einem ökologisch vorbildlichen Landgut. Frederike steckt mitten im Wahlkampf, verspricht Mattie aber trotzdem zu helfen. Sie gibt ihr den Auftrag, einen Werbefilm für Schleswig-Holstein zu drehen, um ausländische Touristen anzulocken.<br />
Auch aus dem Ausland kommt unerwartet Hilfe für Mattie: Cal, ein berühmter indischer Musikproduzent und zufällig auch der Liebhaber ihres Ex-Freundes, soll das erste Bollywood-Musical im Berliner Spree-Speicher vorbereiten. Ohne zu zögern beauftragt er Mattie damit, eine Filmreihe für die spielfreien Abende zusammen zu stellen.<br />
Der Ex-Freund selbst, der auftragslose, idealistische Reporter Nick Ostrowski, kommt nicht mit. Er ist zu sehr damit beschäftigt, in Bombay sich selbst und anderen zu beweisen, wie gut er in der Millionen-Metropole klarkommt. Und während sich Nick im heißen Indien als Vollzeittrinker und Gelegenheits-DJ über Wasser hält, kommen sich im kühlen Deutschland Cal und Mattie zusehends näher.<br />
Gemeinsam beschließen sie, auch Nick zu seinem Glück zu verhelfen und ihn nebenbei nach Deutschland zurück zu holen. Im Auftrag einer fiktiven Zeitungsredaktion schicken sie ihn zur Recherche nach Pune, einer ehemaligen Hippie-Hochburg im Südwesten Indiens, wohin schon Frederike von Westenhagen und ihr Mann vor Jahren gepilgert sind.<br />
Der Plan geht auf: Nick kehrt zurück nach Deutschland. Doch die Geschichte, die er aus Pune mitbringt, ist weit entfernt von jeder Fiktion. Sie führt  zum Gut Westenhagen und lässt seine gepflegt-alternativen Bewohner plötzlich in einem ganz anderen Licht erscheinen.</p>
<p>Der zweite Roman Merle Krögers gleicht an vielen Stellen einem Bollywood-Spektakel: farbenfroh, wirr und etwas seicht zugleich. Ist die Handlung trotz vieler Handlungsstränge im Großen und Ganzen nachvollziehbar, sogar spannend, stellen die Figuren den Leser vor ein Rätsel: Matties, Cals und Nicks Dreiecksbeziehung wird als die größte Selbstverständlichkeit dargeboten. Was in seinen Grundzügen wie ein großer innerer Konflikt aller Beteiligten anmutet, wird mit ein paar nichtssagenden Floskeln abgetan.<br />
Auch fällt der beim Vorgänger „Cut!“ viel gelobte „Aufprall der Kulturen“ bei „Kyai!“ eher unbefriedigend aus. Lässig tappt Kröger von einem Klischee zum nächsten und kommt über den Inhalt eines Stammtischgespräches nicht hinaus. Wer sich näher mit dem postkolonialen Indien auseinandersetzen möchte, wird hier nicht fündig. Mehr als die üblichen Schilderungen des Wirtschaftsbooms, des Gegensatzes zwischen Arm und Reich und der Korruption von Sicherheitsbeamten gibt das Buch nicht her.<br />
Und auch die Situation der Migranten in Deutschland ist an vielen Stellen zu einseitig erfasst. Fremdenfeindlichkeit tritt einem da in geradezu grotesken Formen entgegen. So möchte der spirituell angehauchte, umweltbewusste und – man möchte meinen – linke  Johannes von Westenhagen bei einem Filmdreh an seinem Gut plötzlich explizit keine muslimischen Sicherheitsleute haben, weil „man ja heutzutage nie weiß“.<br />
Mag sein, dass Kröger hier feinfühlig die angesichts der wirtschaftlichen Flaute aufkeimenden neokonservativen Stimmungen in Deutschland erfasst. Die Häufung der einschlägigen Vorfälle wirkt in dem Roman aber überladen.<br />
Doch trotz der Mängel verliert das Buch nicht an Unterhaltungswert. Am Ende bleibt der Eindruck eines wirren, bunten, etwas überladenen Mosaiks.</p>
<p>Merle Kröger<br />
Kyai!<br />
Ariadne Krimi<br />
Argument Verlag<br />
9,90 Euro</p>
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		<title>Barmbek Schlämmt</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Mar 2010 14:24:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Max</dc:creator>
				<category><![CDATA[Große Freiheit]]></category>

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		<description><![CDATA[Der erste Kleinkunst-Slam in Barmbek: Volle Bude, volles Programm und leckere Stullen dazu: Eine Zaubershow, wieso der Name Kevin eine Prognose ist und vieles mehr.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Letzten Freitag, den 26.02., startete zum ersten Mal der Kleinkunstslam „Barmbek Schlämt“ in der Zinnschmelze in Barmbek, der vom FREIHAFEN und der Theaterjugend Hamburg organisiert wurde. Mit dabei vier Poetryslamer und ein Zauberkünstler, die mit gefühlvollen, lustigen und gesellschaftskritischen Texten oder Showeinlagen um die Gunst des zahlreich erschienenden Publikums warben. Die Stimmung im proppevollen Theatersaal war großartig! Gleich der erste Slammer Felix riss das Publikum mit einem komödiantischen Bericht über seinen Arbeitsweg  mit. Es folgten Lukas, der darüber philosophierte, warum er sein Kind Kevin nennen wird und Maxi, die mit einer Vielzahl an Wortspielen sich dem Thema Zeit widmete. Magic Mirco animierte das Publikum zum Mitmachen bei seinen zumeist misslingenden Zaubertricks und schon bald ertönten „Magic-Mirco“-Sprechchöre. Nachdem Sadaf, als letzte in der ersten Runde, über enge Kontakte zu ihrem Taschentuch zu berichten wusste, wurde in der Pause die „Schlämmbude“ gestürmt, die unter anderem echte Barmbeker Stullen (Leberwurst, Käse, Salami, Schmalz) verkaufte. Die Publikumsjury wählte Felix (Abnehmen mit „Nordic Weight Watching“), Sadaf (Liebeserklärung ans Publikum und Schokolade) und Magic Mirco (Fortsetzung der Zaubershow) in die zweite Runde, aus der schließlich Felix als Sieger hervorging und eine original Barmbeker Brotdose (ohne Stullen) überreicht bekam. Der nächste Slam findet am 10. April statt. Vielleicht gibt es Suppe.<br />
Weitere Infos auf <a href="http://www.barmbekschlaemt.de">www.barmbekschlaemt.de</a></p>
<p>FOTO: Bernd Willecke</p>
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		<title>Ziviler Ungehorsam in Dresden &#8211; Ein Erlebnisbericht</title>
		<link>http://www.freihafen.org/speicherstadt/563-ziviler-ungehorsam-in-dresden-ein-erlebnisbericht</link>
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		<pubDate>Tue, 23 Feb 2010 13:40:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Max</dc:creator>
				<category><![CDATA[Speicherstadt]]></category>

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		<description><![CDATA[Fast zwölf Stunden dauert die fahrt nach Dresden. Zwölf Stunden um den scheinheiligen Trauermarsch der Nazis zu verhindern - 
Ein Erlebnisbericht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Bus rot an Bus grün“, schallt es leise aus der Dunkelheit. Dann ertönt ein kurzes Rauschen. Die Antwort aus dem Funkgerät ist zu undeutlich, als dass ich sie verstehen könnte.<br />
Ich erwache aus meinem unruhigen Schlaf. Mein Nacken schmerzt.<br />
Draußen erkennt man nichts. Nur Schwärze. Unser Bus steht in ständigem Kontakt zu den anderen Bussen der Kolonne. Insgesamt sind wir circa 20, die sich aus verschiedenen Städten zusammengefunden haben. In jedem Bus sitzen Menschen, die den Trauermarsch der Nazis in Dresden verhindern wollen.<br />
Vor ungefähr sechs Stunden sind wir in Hamburg losgefahren. Unserem Ziel Dresden sind wir aber nicht sonderlich näher gekommen. Das schlechte Wetter machte uns bisher einen Strich durch die Rechnung.<br />
Erst nach fast zwölf Stunden erreichen wir Dresden, nachdem wir die ganze Nacht durchgefahren sind. Der Schmerz von der langen Fahrt in unbequemen Sitzen steckt in allen Knochen, als ich mich aus dem Bus hieve. Es ist schweinekalt. Kein langes Warten. Auf zum Blockieren. Nach einem kurzen Beschnuppern  mit der Polizei zieht es uns zum ersten Blockadepunkt auf der Leipziger Straße. Dort schließen wir uns einer großen Masse Gegendemonstranten an. Ein Lautsprecherwagen spielt fröhliche Musik. Die Stimmung ist positiv und ausgelassen. Es scheint so, als wäre die Blockade bereits geglückt. Aber noch ist alles ungewiss.</p>
<p>Auf der anderen Seite der Polizeisperre, außerhalb unserer Sichtweite, warten 5000 Neonazis am Neustädter Hauptbahnhof auf den Beginn ihres Trauermarsches. Der wird aber heute nicht stattfinden. Tausende Gegendemonstranten stellen sich diesem Vorhaben entgegen. Alle möglichen Marschrouten sind blockiert. Die Nazis, von denen auch einige von weither angereist sind, werden nicht durch die Stadt marschieren, sondern am Neustädter Bahnhof versauern. Uns freut das. Die Nazis sind eher verärgert. In der Nacht auf den 14. Februar lassen in Gera und Pirna einige hundert Neonazis ihrem Frust freien Lauf. Fast 200 von ihnen werden verhaftet.</p>
<p>Mittlerweile stehen wir auf dem Albertplatz. Dort erfahren wir, dass der Naziaufmarsch heute nicht stattfinden wird. „Die Polizei kann für die Sicherheit der Nazis nicht garantieren“, schallt es aus den Lautsprecherboxen. Die Freude ist groß. Überglücklich stoßen wir Jubelschreie aus. Vereinzelte Pfiffe sind zu vernehmen. Nach dieser frohen Nachricht müssen wir uns erst einmal aufwärmen. In einem türkischen Teehaus finden wir Unterschlupf. Hier ist es nicht ganz so überlaufen, wie bei Subways oder den üblichen Imbissbuden. „Wo kommt ihr her“, fragt uns der Besitzer. „Aus Hamburg“, antworten wir. „Da habt ihr aber eine lange Reise hinter euch“, meint er und lächelt uns zu. „Was kann ich euch bringen?“<br />
Von der Menschenkette, die vom bürgerlichen Dresden initiiert wurde und symbolisch den Antisemitismus aus Dresden abhalten und gleichzeitig der Opfer der Bombenangriffe gedenken soll, haben wir nichts mitbekommen. Aus der Sicht der Blockaden ist diese Menschenkette auch sinnlos. Viel wichtiger ist die Präsenz an den Blockadepunkten.</p>
<p>Jedes Jahr findet am 13. Februar in Dresden ein Trauermarsch der Rechtsextremen Szene statt. Über die Jahre hinweg hat sich dieser zum größten Neonazitreffen ganz Europas etabliert. Vor genau 65 Jahren bombardierten alliierte Flugzeuge Dresden. 25.000 Menschen starben bei den Angriffen. Der Trauermarsch soll an dieses Ereignis erinnern. Zumindest für die breite Öffentlichkeit. Wenn man aber Plakate mit der Aufschrift Bombenholocaust sieht, wird einem schlecht. Der Begriff Holocaust kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Brandopfer“. Darauf wird sich heute abgemildert bezogen. Einen Bezug zum Völkermord an den Juden soll dabei angeblich nicht bestehen, so die offizielle Meinung. Unter dem Deckmantel der Trauer wollen die Nazis ihr widerwärtiges Gedankengut durch die Straßen Dresdens tragen.</p>
<p>Mit dem Einsetzen der Dämmerung lösen sich auch die Blockaden auf. Die Nazis sind blockiert und der Großteil ist auf dem Heimweg. Etwas Vorsicht ist dennoch geboten. Versprengte Nazigrüppchen könnten sich noch auf den Straßen befinden.<br />
Heute scheint aber alles gut zu gehen. Stattdessen gibt es einen Art Siegesmarsch. In Begleitung eines Lautsprecherwagens laufen wir durch die Dresdener Innenstadt in Richtung Bustreffpunkt. „Alerta, Alerta Antifascista“, hallt es durch die schmalen Gassen Dresdens. Einer von vielen Hubschraubern, begleitet uns auf unserem Weg über eine der vielen Brücken. Links von uns erschließt sich ein wunderbarer Blick auf die erleuchtete Stadt, die sich vom dunklen Himmel abhebt. Mein Blick fällt auf vor mir tanzende Demonstranten. Die Stimmung ist ausgelassen. Am Rand schwenken schwarze Gestalten rote Flaggen. Grüne Gestalten begleiten uns über die Brücke.</p>
<p>Direkten Kontakt der beiden Lager gab es fast gar nicht. Glücklicherweise. Im Großen und Ganzen verlief die Demo erhofft friedlich. Erst in einigen Internetvideos bekommt man die Nazis zu Gesicht. Ein Video gibt aus einer leicht erhöhten Position einen Überblick der angereisten Rechtsextremen. Man sieht Deutschland- und Schwarz-weiß-rote Fahnen schwenken. Letztere basieren auf den gleichfarbigen Hakenkreuzflaggen des Dritten Reichs, die 1935 zur „Nationalflagge“ ernannt wurden. Da das öffentliche Führen des Hakenkreuz strafbar ist, sind nur die Farben desselben geblieben. Dann hört man die Masse rufen: „Frei, sozial und national“.<br />
Nationale Sozialisten oder Autonome Nationalisten nennen sie sich heutzutage. Auf Youtube werben einige für ein alkoholfreies und drogenfreies Leben. Zu Demonstrationen tragen sie kapitalismuskritische Banner. Und im Internet findet man sogar eine Website mit dem Namen „Nationale Sozialisten für Israel“.<br />
Ganz gleich womit sie ihren Fremdenhass und ihren Antisemitismus verdecken wollen. Nazi bleibt Nazi. Und Dresden ist dieses Jahr nazifrei. 2011 hoffentlich erneut.</p>
<p>FOTO: Andreas Hopfgarten</p>
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		<title>„Shutter Island“: Traue niemandem – nicht mal dir selbst!</title>
		<link>http://www.freihafen.org/grosse-freiheit/film/556-%e2%80%9eshutter-island%e2%80%9c-traue-niemandem-%e2%80%93-nicht-mal-dir-selbst</link>
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		<pubDate>Sun, 21 Feb 2010 13:08:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Max</dc:creator>
				<category><![CDATA[Film]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine einsame, grüne Insel vor der U.S. Ostküste, ein großes, gepflegtes Gebäude, hübsche Beete davor. Das klingt nach Urlaubsparadies – doch „Shutter Island“ besucht niemand freiwillig. Denn das Gebäude ist eine Anstalt für geisteskranke Gewaltverbrecher. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Abgeschnitten von der Außenwelt leben im Ashcliffe Hospital ganz dunkle Gestalten, die jede Menschlichkeit vermissen lassen.<br />
U.S. Marshal Teddy Daniels (Leonardo diCaprio) und sein neuer Partner Chuck Aule (Mark Ruffalo) werden nach Shutter Island geschickt, um das Verschwinden einer Kindsmörderin aufzuklären. Teddy hat zudem ein privates Interesse an dem Auftrag: Er vermutet den Mörder seiner Frau Dolores (Michelle Williams) auf der Insel.<br />
Die Marshals merken schnell, dass im Ashcliffe Hospital etwas nicht stimmt. Der Anstaltsleiter Dr. Cawley (Ben Kingsley) lässt sie nicht in die Akten sehen, die Angestellten und Patienten scheinen etwas zu verbergen. Je länger er da ist, desto häufiger wird Teddy von Migräneanfällen und Albträumen gequält, sogar tagsüber erscheint ihm seine tote Frau. Die Vermutung, dass auf der Insel heimlich verbotene Experimente an Patienten stattfinden, verhärtet sich – erst recht, als Chuck Aule verschwindet und sich niemand an ihn erinnert&#8230;<br />
Der neue Scorsese-Film lässt den Zuschauer von Anfang an rätseln. Was stimmt hier nicht? Wer sagt die Wahrheit, wer lügt? Gibt es eine Verschwörung? Und was haben diese merkwürdigen Träume bloß immer zu bedeuten?<br />
Martin Scorsese hat einen pompösen Film mit großen Bildern geschaffen. Der Psychothriller verheimlicht etwa zwei Stunden lang die Wahrheit, zeigt dabei aber dramaturgische Schwächen. Das große Versteckspiel kann nicht immer überzeugen, Scorseses filmische Mittel wirken altbacken.<br />
Dies wird gleich am Anfang deutlich: Wenn die U.S. Marshalls mit der Fähre auf Shutter Island zufahren, ertönen grollende Bassschläge. Soll eindrucksvoll klingen, wirkt aber eher lächerlich, da eigentlich nichts passiert. Die Angestellten sind ein wenig zu verschlossen, die Patienten ein wenig zu verrückt, der Himmel ein wenig zu grau. Auch die ständigen Rückblenden stören den Erzählfluss.<br />
Trotz aller Nörgelei: Martin Scorsese gehört nicht umsonst zu diesen Topregisseuren, von denen jeder schon einmal gehört hat. Lange bildete er mit Robert de Niro ein Traumpaar der Filmwelt, Regisseur und Schauspieler verstanden sich blind. Mit Leonardo diCaprio hat Scorsese nun einen jüngeren Nachfolger für de Niro gefunden, und das funktioniert fantastisch. Im nunmehr vierten gemeinsamen Film (nach „Gangs of New York“, „Aviator“ und  „Departed – Unter Feinden“) ist diCaprio in nahezu jeder Szene zu sehen und spielt Teddy Daniels so überzeugend, dass man als Zuschauer sofort in seinen Bann gezogen wird. Jeder Blick sitzt und lässt tief in die Psyche des U.S. Marshals blicken.<br />
Auch der Rest der Schauspielergarde überzeugt. Vor allem Ben Kingsley („Ghandi“, „A.I. –künstliche Intelligenz“) beeindruckt als undurchsichtiger Anstaltsleiter mit psychedelischem Blick, und auch Mark Ruffalo („30 über Nacht“, „Solange du da bist“) beweist als Ruhepol neben diCaprio, dass er zu Unrecht unterschätzt wird.<br />
Obwohl die Szenerie überladen wirkt, hat Scorsese ein Psychodiagramm verfilmt, das den Zuschauern ein spannendes Rätsel aufgibt und sie selbst an ihrem Verstand zweifeln lässt. Es ist ein bedrohlicher Film über den Wahnsinn – mit peitschendem Regen, Wirbelsturm, einer Psychoanstalt und gellenden Schreien aus dem Nichts. Mit allem drum und dran eben.<br />
Mein Fazit: Scorsese hat schon bessere Filme gemacht. Doch „Shutter Island“ ist ohne Frage sehenswert; ein überdurchschnittlich guter Psychothriller. Kinogänger, die nicht gerade die cinephile Kritikerbrille aufsetzen, werden mühelos in den filmischen Wahn hineingezogen und können sich ordentlich gruseln. Kommt man aus dem Kino, muss man sich erst einmal schütteln und wieder in der Realität ankommen. Hier hat sich niemand verschworen. Hier sind die Leute menschlich und normal. Obwohl&#8230; wieso guckt der Typ im Bus mich denn so komisch an..?</p>
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		<title>Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen – Zurück zur Zielgruppe</title>
		<link>http://www.freihafen.org/grosse-freiheit/film/528-wolkig-mit-aussicht-auf-fleischballchen-%e2%80%93-zuruck-zur-zielgruppe</link>
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		<pubDate>Thu, 28 Jan 2010 10:38:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Max</dc:creator>
				<category><![CDATA[Film]]></category>

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		<description><![CDATA[Essen so viel man kann und so viel vom Himmel fällt. Sony Pictures macht den Kindetraum war – lest über den Gipfel des Konsumüberflusses, warum und wie dieser Film endlich mal wieder Kinder ansprechen soll.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Scharen von Kindern, frisch zubereitete Fleischbällchen und gratis Popcorn für alle &#8211; stimmt hier etwas nicht? Als ich zu dem neuen „Sony Pictures&#8221; Animationsfilm „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen&#8221; erscheine, wird schnell klar: Diese Veranstaltung ist eindeutig auf Kinder ausgelegt. Und auch ich habe ein Exemplar dabei, denn schließlich hieß es ausdrücklich, das Mitbringen solcher wäre durchaus erwünscht.<br />
Die nächsten 90 Minuten zeigen: Die kinderfreundliche Atmosphäre hält, was sie verspricht. „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen&#8221; ist seit langem mal wieder ein Kinderfilm, der ein solcher sein darf. Hat man bei „Ice Age&#8221;, „Findet Nemo&#8221;  oder dergleichen stets versucht die komplette Bevölkerung zu unterhalten, scheint der Animationsfilm sich nun wieder auf seine Wurzeln zu besinnen. Endlich  konzentriert man sich wieder auf die ursprüngliche Zielgruppe, anstatt Kinderfilme erwachsenentauglich zu machen, um Eltern kinowillig zu stimmen. Ob es allerdings  wertvoll ist, schon Kindern unter sechs Jahren eine Kinosparte zu widmen, scheint außer Acht gelassen. „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen&#8221; soll „ohne Altersbeschränkung&#8221;anlaufen. Doch zum Inhalt:<br />
Im Mittelpunkt des  Filmes steht der etwas unbeholfene Alleingänger Flint Lockwood, der seit frühester Kindheit an zahlreichen Erfindungen bastelt. Bisher ist ihm allerdings weder der Durchbruch als weltberühmter Wissenschaftler noch der Absprung ins wahre Leben geglückt.. Flint ist arbeitslos, hat keine Freunde und verbringt Tagein Tagaus in seinem selbsterbauten Versuchslabor. Als es ihm schließlich doch gelingt etwas zustande zu bringen, namentlich, Wasser in Essen zu wandeln, möchte er das natürlich der ganzen Stadt zeigen, was jedoch in einem einzigen Desaster endet. Flints Maschine gerät außer Kontrolle und katapultiert sich in die Weiten des Himmels. Die Stadt und insbesondere der ehrgeizige Bürgermeister sind empört, doch dann geschieht das Unglaubliche: Es fängt an Essen zu regnen und  Flint ist mit einem Mal Held der Stadt. Dies verkehrt sich jedoch  abrupt, als die Gier der Bürger Flints Maschine überlastet und es zu Essensunwettern apokalyptischen Ausmaßes kommt. Nun liegt es an Flint und seiner neu gewonnen Freundin, der Wetterfee Sam, die Situation in letzter Sekunde zu klären.<br />
Klar, guckt man sich diesen Film an, muss man zwangsläufig akzeptieren, dass das Regnen von Essen, Teil der erschaffenen Realität ist, dennoch möchte ich sagen: Die Geschichte lässt an einigen Stellen etwas Logik vermissen. Zudem ist es schade, dass der Wandel, den die Charaktere bestreiten oft etwas unglaubwürdig, da unvermittelt ist, welches die Geschichte aller Tiefgründigkeit beraubt. Nichtsdestotrotz versucht man sich bei diesem Film mit Kritik an der Gesellschaft, wenn auch eher verhalten. So wird beispielsweise bemängelt, dass wissbegierige, äußerlich eher unscheinbare, Kinder in Außenseiterpositionen geraten oder das die Gesellschaft generell viel zu oberflächlich ist. Ob diese Kritik allerdings zu den Kindern durchdringt ist ungewiss und auch das Verwenden mehrerer Anglizismen macht stuzig. So ist es doch recht unwahrscheinlich, dass die Zielgruppe den Begriff „Nerd&#8221; kennt und einordnen kann, schwappte dieser schließlich erst kürzlich<br />
aus den Staaten zu uns herüber. Schlussendlich spielt dies vermutlich aber keine große Rolle, da es vom Objekt der Begierde &#8211; dem kleinen Zuschauer &#8211; nicht weiter bemerkt wird. Im Gedächtnis bleiben wohl hauptsächlich tanzende Gummibärchen, Spaghettitornados und Wackelpuddingschlösser. Meine neunjährige Cousine jedenfalls war nach dem Film schon mitten in der Planung, Toastbrotschiffe nachzubauen, um ihren Meerschweinchen ein unvergessliches Segelerlebnis zu bescheren. Die tanzenden, kopflosen Hähnchen, welche ich als äußerst geschmacklos empfand, haben allerdings auch sie irritiert und werden ganz bestimmt noch länger in ihrem Kopf umhergeistern.<br />
Mein Resümee: Unter Umständen verdanken wir „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen&#8221; ein Wiedererlangen klarer Altersgrenzen in der Kinowelt, einen wertvollen Kinderfilm reicher sind wir leider nicht. Vielmehr wird eine Abart unserer Gesellschaft offenbar. Burger die vom Himmel regnen? Eindeutig der Gipfel des Konsumüberflusses. Ob hinter dem Film nun ein verzweifelter Gesellschaftskritiker steht, oder ob man die Gelüste unserer Jüngsten gerade zu ausgenutzt hat, bleibt offen.</p>
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		<title>Sherlock – der wahrhaftige</title>
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		<pubDate>Wed, 27 Jan 2010 21:16:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Max</dc:creator>
				<category><![CDATA[Film]]></category>

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		<description><![CDATA[Sherlock Holmes, ein Meisterwerk der Literatur, ein Mann, der Arthur Conan Doyle den Status eines Halbgottes bescherte, soll eine fehlbare Gestalt sein?
Unsere Filmfee besuchte den neuen Sherlock Holmes..]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Werter Leser, ganz gleich, wo du dich gerade befindest, vollkommen egal, welche Dinge dich zurzeit beschäftigen, nimm Abstand, lasse los und folge mir auf eine Reise durch die Jahrhunderte.<br />
Dunkle, verwinkelte Gassen, düstere Gestalten, der beißende Geruch von Fäulnis gemischt mit einem Hauch Whiskey, einer Ahnung von Schnaps, Bier, Rum. Der Himmel eher schwarz als grau, behangen mit drückenden Wolken, von grellen Blitzen durchzogen. Nicht zu vergessen: Apokalyptischer Regen, der Kutschen auf Kopfsteinpflaster rutschen lässt, der dich durchnässt, dein schwarzes Cape triefen lässt.<br />
Nun schließe für eine Weile die Augen, nimm die Stimmung in dich auf und, ganz wichtig, lies weiter.<br />
Sherlock Holmes (Robert Downey Jr.) hat mit seinem guten Freund und Partner Watson (Jude Law) mal wieder geschafft,  was Scotland Yard unmöglich war. Der Serienmörder Lord Blackwood (Mark Strong) ist gefasst und sein letztes Opfer gerettet. Nun erwartet ganz London seine Hinrichtung, weswegen er allerdings nicht beunruhigt scheint. Blackwood, augenscheinlich ein Anhänger dunkler Mächte, der bei seinen Verbrechen stets nach Ritualen vorgeht, ist von seiner Auferstehung von den Toten überzeugt und kündigt Holmes weitere Opfer an. Der berühmte Detektiv und vor allem Watson geben nicht viel auf derlei Aussagen, doch obwohl letzterer höchst persönlich Blackwoods Tod protokolliert, scheint das Unfassbare wahr zu werden – der Lord taucht wieder auf. Es beginnt eine rasante Verfolgungsjagd samt schwarzer Magie, komplizierter technischer Apparaturen, unheimlicher Gestalten und einer durchtriebenen Frau, die zu entschlüsseln wohl Holmes schwierigste Aufgabe darstellt.<br />
Zu actiongeladen? Zu brutal? Zu sehr Hollywood? Ich sage: Zu kritisch! Zugegeben: Bei erster Betrachtung, mit naivem Blick, habe auch ich mich an der Darstellung des legendären Detektivs gestört. Sherlock Holmes, ein Meisterwerk der Literatur, ein Mann, der Arthur Conan Doyle den Status eines Halbgottes bescherte, soll eine fehlbare Gestalt sein? Zuweilen heruntergekommener Säufer, ein brutaler Schläger, der bei fraglichen Veranstaltungen Gegner gegen Geld nachhaltig schädigt? Wo ist dort der eloquente Gentleman, messerscharf im Verstand, Watson stets lehrend, der doch eher Schüler als Partner ist? Meine erste Reaktion: Abwehr. Betrachtet man den Fall, um im Jargon zu bleiben, jedoch genauer, ist schnell klar: Regisseur Guy Ritchie tut Arthur Conan Doyle einen riesigen Gefallen. Er schafft es nach unzähligen Fehlinterpretationen, endlich den wahren Holmes zu porträtieren. Er versteht Doyle. Er weiß des Autors Bücher richtig zu lesen und entfaltet uns, nach langer Täuschung, die eigentliche Vielschichtigkeit Sherlocks.<br />
Tatsächlich berichtete nämlich bereits der Urheber von Holmes’ kampftechnischer Versiertheit, dessen Lasterhaftigkeit, von wochenlanger Isolation und dem damit verbundenen Drogenkonsum. Man könnte beinahe sagen, die aktuelle Verfilmung sei verharmlost, hat sich die Romanfigur schließlich Morphium und Kokain einverleibt, während man sich nun auf Tabak beschränkt. Und überhaupt ist den Machern des Filmes bei der Umsetzung nichts vorzuwerfen. Ihnen selbst war es ein großes Anliegen, diesen Prozess fehlerfrei zu durchlaufen. So standen sie unablässig mit Mitgliedern der „Baker Street Irregulars“ in Kontakt, einer angesehenen Gruppe amerikanischer Holmes-Fachmänner.<br />
Sieht man allerdings einmal von dem offensichtlichen Fokus aller derzeitigen Kritik ab, ist hier und da doch noch etwas anzumerken.<br />
Die Musik ist generell sehr gut gelungen. Sie bringt dem Zuschauer die Atmosphäre des Londons vom späten 19. Jahrhundert näher, sorgt für Herzklopfen, feuchte Hände, Unruhe. Besonders Sherlocks Leitmotiv ist auffallend passend: Gewitzt, flink, frech, in Nuancen ernst und düster, schwer und beklemmend. Umso trauriger macht die Häufigkeit der Verwendung. Ganz offensichtlich konnte sich Hans Zimmer, der musikalische Leiter des Stabs, vor Begeisterung seines Werkes selbst kaum einkriegen – der Gehörsinn wird, vor allem anfänglich, eindeutig überstrapaziert.<br />
Im Resümee bleibt „Sherlock Holmes“ von Guy Ritchie jedoch ein Film, für den es sich lohnt horrende Kinopreise zu zahlen. Sowohl Anhänger der ersten Stunde, als auch Neuentflammte und solche, die bisher nur einen Namen, ein Image im Kopf haben, sollten sich unbedingt belehren lassen. Dieser Film dürfte den Blick auf den wohl beliebtesten Schnüffler nachhaltig beeinflussen und ihn endlich ins rechte Licht rücken.</p>
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		<title>Normal to be strange</title>
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		<pubDate>Sun, 24 Jan 2010 16:24:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Max</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fischmarkt]]></category>

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		<description><![CDATA[Selbst nach seinem überraschenden Ableben polarisiert der „King of Pop“, Michael Jackson immer noch Tausende. Gedanken über ein Wunder in Menschengestalt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als kleiner Junge zum Megastar getrimmt und von seinem Vater mehr trainiert als erzogen und geliebt, von der Presse gejagt und von den Fans fast krankhaft vergöttert, führte Michael Jackson mit Sicherheit kein einfaches oder leichtes Leben. Als Superentertainer gefeiert, als „Freak“ verdammt war es ihm quasi unmöglich, seine Persönlichkeit hemmungslos auszuleben, noch dazu vor einem Milliardenpublikum. Wo Erfolg und Freude ist, da versammeln sich auch gerne Neid und Hass. Es ist ein fürchterliches Dilemma bei uns Menschen, dass Paradiesvögel eine so begehrte Jagdtrophäe sind. Und leider sind es die Schwachen, die heimlichen Neider die den Abzug drücken. Das Michael Jackson es solange ausgehalten hat, sich dem Neid und Hass zu stellen ist bemerkenswert. Verglichen mit den gegenwärtigen „Superstars“ wirkte er ungewohnt brav für einen Prominenten. Während Popstars Heute mit fehlenden Höschen oder Prügeleien mit Fotografen Schlagzeilen machen, ist Jacksons Medikamentensucht dagegen lächerlich. Man überlege nur, wie viele Normalmenschen von Antidepressiva etc. abhängig sind. Auch die Gerüchte, er habe in einem Sauerstoffbehälter geschlafen, um länger zu leben oder die Gebeine eines Elefantenmenschen gekauft, um damit zu spielen sind eher lustig als erschreckend. Im Grunde war das, was er nach außen hin verkörperte oder zu verkörpern versuchte, eine harmlose und weltverbesserische Märchenfigur, eine wie von Walt Disney gezeichnet.<br />
Trotz all dieser Schwierigkeiten, die ein Leben in aller Öffentlichkeit mit sich bringt, muss Michael Jackson viel Freude in seinem Leben verspürt haben. Nicht nur auf Grund seines Erfolges oder des Geldes wegen. Freude am und zum Leben findet sich in fast allen seinen Texten. Wo heute von Schwanz lutschen, Gewalt und Macht gesungen wird, da sang er von einer besseren Welt, von Gleichheit zwischen den Hautfarben, von Respekt und Liebe zur Natur. Jacksons Lieder machen Spaß. Sie sind fröhlich, witzig und voller Energie – genau wie seine Tänze. Sieht man ihn sich bewegen, kann man seine eigenen Beine kaum stillhalten. Fred Astaire, die Tanzlegende der vierziger und fünfziger Jahre schlechthin, nannte ihn seinen Nachfolger und den größten Tänzer des Jahrhunderts. Seine musikalische Richtung kreierte einen noch nie dagewesenen Stil. Viele moderne Topstars á la Timberlake sind lediglich dilettantische Kopien dieses unfassbaren und so einzigartigen Menschen, dessen Musik unsterblich ist und dessen Freude und Energie diese Welt um einiges bereichert haben.<br />
<img class="ngg-singlepic ngg-left" src="http://www.freihafen.org/wp-content/gallery/cover-bilder/mj-illu-5.jpg" alt="mj-illu-5" /></p>
<p>Die meisten Leser des FREIHAFEN werden sich vermutlich nicht diese Gedanken um Michael Jackson gemacht haben und ihn eher als Randfigur internationaler Prominenz wahrgenommen haben, über die lediglich in Boulevardmagazinen mit abstrusen Behauptungen berichtet wurde. Seine Klassiker, die in aller Munde sind, wurden ab und an in Diskotheken gespielt, er selbst allerdings wirkte eher wie ein sakraler Geist, der Altmeister der Popmusik. Ein zurückgezogenes Genie, doch nie wirklich präsent. Lediglich im Jahre 2005 tauchte er persönlich auf. Vor Gericht. Beschuldigt der sexuellen Belästigung von Minderjährigen. Schon vor der Bekanntgabe durch die Geschworenen stand das Urteil der Öffentlichkeit fest. Daran konnte auch der Freispruch des Gerichtes bis zu seinem Tode nichts ändern. Da folgte prompt die Heiligsprechung – verstehe einer die Menschen. Vielleicht ging es für die meisten nur darum, Recht zu behalten, dass es bei so viel Erfolg nicht mit rechten Dingen zu gehen könne.<br />
Nun, meine Generation wurde eben gerade geboren, als er auf dem Zenit seiner steilen und harten Karriere stand, als er neue Maßstäbe errichtete, der Welt eine völlig neue Musik und natürlich den „Moonwalk“ schenkte. Wir sahen weder den ersten Kinderstar dieser Welt aufwachsen, noch den großartigen Entertainer auftreten, der seine Fans zu hunderten in Ohnmacht fallen ließ. Wir verstehen den Rummel um ihn nicht wirklich. Das liegt vermutlich auch daran, dass wir kaum Grenzen kennen. Die spektakulären Auftritte Jacksons, sein kunterbuntes Leben wirken auf uns nicht befremdlich oder abenteuerlich. Denn heute ist es schwierig geworden, Rekorde zu brechen oder die Öffentlichkeit zu schockieren. Diesen Zustand haben wir auch dem King of Pop zu verdanken. Als Vorreiter dieser Gesellschaft ohne Grenzen haben uns seine Persönlichkeit und sein musikalisches Schaffen den Weg ins 21. Jahrhundert geebnet. Er, der Grenzenlose, der weder weiß noch schwarz, weder Mann noch Frau war und der als Erwachsener lebte wie ein Kind, war der Inbegriff des modernen Menschen, der glaubt, alles sein zu können, was er sich erträumt. Gleichzeitig war er Mahnung dafür, dass es seine Schattenseiten mit sich bringt, alle seine Vorstellungen in die Tat umzusetzen. Deshalb nennen wir es Träume und nicht Pläne.<br />
Was soll man also von ihm halten? Was kann unsere Generation rückblickend sagen, über diesen wunderlichen Menschen, der wie wenige die Geister scheidet? Vielleicht, ja vielleicht war ’MJ’ ein einziger Maskenball. Mit Pauken und Trompeten und bunten, glitzernden Kostümen. Nur, trägt man eine Maske lange genug, so beginnt diese langsam mit dem echten Gesicht zu verschmelzen. Bis zu dem Punkt hin, da die Maske zum echten Gesicht wird. Bei jemandem wie Michael Jackson, der Tag und Nacht von der Öffentlichkeit beobachtet wurde und dessen größtes Talent es war auf der Bühne zu „spielen“, ist diese grundlegende Metamorphose durchaus vorstellbar.<br />
Der Künstler wird so zu seinem Werk.<br />
ILLUSTRATION: Nikolai Zabolotski</p>
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		<title>„Friendship“: Zwei Ossis in Amerika  – der etwas andere Roadmovie</title>
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		<pubDate>Tue, 12 Jan 2010 21:53:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Max</dc:creator>
				<category><![CDATA[Film]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Film über zwei Ossis nach dem Mauerfall. Ein Film, der dem zwanzigjährigen Jubiläum des Regimesturzes Tribut zollen soll. Doch dieser Film ist alles andere als deutsch. Er ist amerikanisch – in bester Art und Weise.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gehasst von den einen, geliebt von den anderen: Die Vereinigten Staaten von Amerika sind das Paradebeispiel einer polarisierenden Nation. Kaum ein Thema ist in sämtlichen Gesprächsrunden dieser Welt so präsent, selten ist es ähnlich heikel einer Sache positiv gegenüberzustehen. Allgemeiner Konsens scheint zu sein, dass George W. Bush dem Ruf seines Vaterlandes enorm geschadet hat. Nun soll Barack Obama den Karren aus dem Dreck ziehen, die ganze Welt von „seinem“ Land begeistern. Pünktlich zu dessen Einjährigem kommt ein Film in die Kinos. Ein deutscher Film, mit deutschen Hauptdarstellern, von einem deutschen Drehbuchautor. Ein Film über zwei Ossis nach dem Mauerfall. Ein Film, der dem zwanzigjährigen Jubiläum des Regimesturzes Tribut zollen soll. Doch dieser Film ist alles andere als deutsch. Er ist amerikanisch – in bester Art und Weise.</p>
<p>Veit (Friedrich Mücke) und Tom (Matthias Schweighöfer) sind die allerbesten Freunde. Als 1989 endlich die Mauer fällt, will Veit nach San Francisco reisen, um seinen Vater kennenzulernen, der damals kurz vor Errichtung der Mauer floh. Das einzige Lebenszeichen sind alljährliche Geburtstagskarten aus Amerika, die immer genau an Veits Ehrentag in ein und demselben Postamt abgestempelt sind. In drei Wochen hat Veit wieder Geburtstag und möchte dann unbedingt eben dort auf seinen Vater treffen. Tom hat davon keine Ahnung, doch für ihn steht fest: Eine Reise zum westlichsten Punkt der Erde lässt er sich auf keinen Fall entgehen. Und so beginnt ihr erstes gemeinsames Abenteuer. Die beiden haben aber ein Problem: Das Begrüßungsgeld reicht nur bis New York.</p>
<p>„Friendship“ ist, so deutsch seine Voraussetzungen auch sind, vor allem ein Film über Amerika. Über Amerika, wie es damals war, wie es einst gesehen wurde, wie man es einst liebte. Die Vereinigten Staaten standen für Freiheit, Chancenreichtum und für ein unglaublich intensives Lebensgefühl. Ein Lebensgefühl, welches auch Veit und Tom auskosten.<br />
Mit „Friendship“ ist es Oliver Ziegenbalg („1 ½ Ritter“, „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“) gelungen, eine Geschichte niederzuschreiben, die zwar sämtliche Klischees aufgreift, aber dennoch nicht übertreibt. Amerika wird in diesem Film weder Unrecht getan, noch wird es unnötig glorifiziert. Gezeigt werden: Liebenswürdigkeit, Herzlichkeit, Offenheit, Wärme aber auch Schlichtheit des Gemüts, Engstirnigkeit, Intoleranz und Ignoranz. Die Tatsache, dass der Film zu großen Teilen in Amerika gedreht wurde und dass alle amerikanischen Charaktere von Landsmännern gespielt werden, schafft zudem eine erstaunliche Authentizität. Dem angenehmen Klang des typischen Akzentes lauschend, erfährt man nicht nur eine Menge über Land und Leute sondern natürlich auch über Freundschaft.<br />
Matthias Schweighöfer („Keinohrhasen“), welcher von vornherein als Idealbesetzung des Tom galt, überzeugt durch seine naive, zuweilen gar niedliche Interpretation der Rolle. Friedrich Mückes erwachsene und abgeklärte Spielweise hingegen wirkt oft fehl am Platz. Die Rolle des Veit, der ja aus relativ ernstem Antrieb heraus den Ozean überquert, lässt Mücke jedoch keine Freiheit zur gelasseneren Darstellung seiner Figur. Das erhoffte Wiedersehen mit dem Vater scheint allerdings lediglich eine eilig herbei gewurschtelte Erklärung für den Aufbruch nach Amerika zu sein und ist vor allem eines:  Überflüssig. Sie zieht den Film unnötig in die Länge und lenkt von der Grundstimmung ab. „Friendship“ überzeugt vielmehr durch unaufgeregten Witz, „echte“ Momente und nicht zuletzt durch die Rolle des Tom, der eine perfekte Umsetzung des weltreisenden Ossis darstellt. Dies scheinen auch die Macher selbst erkannt zu haben, weswegen die Vater-Sohn Geschichte eher im Hintergrund steht. Fraglich bleibt, warum sie überhaupt auftaucht. Und dennoch: Schaut man über dieses Manko hinweg, bleibt eine herzerwärmende Komödie, die man während der Vorstellung nach und nach zu schätzen lernt. Fazit: Über langgezogene Momente hinwegsehen und den Rest genießen. Viel Spaß!</p>
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		<title>Bla, Bla, Bla&#8230; Act Now!</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Dec 2009 09:36:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Max</dc:creator>
				<category><![CDATA[Elbbrücken]]></category>

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		<description><![CDATA[Zehntausende sind gekommen um beim Klimagipfel in Kopenhagen zu demonstrieren. Ein Blick auf Eisbären, Clowns, Polizisten und fleißige Suppenverkäufer. 
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist kalt in Kopenhagen. Simone (32) guckt dementsprechend in strahlende Gesichter. Denn die dänische Studentin verteilt gegen Spenden warme Suppe an die Demonstranten. „Es ist doch wunderbar”, findet sie. „So viele sind gekommen um für unseren Planeten zu demonstrieren. Das macht Hoffnung, dass der Klimawandel noch zu verhindern ist.” Die Menge strömt an ihrem Wagen vorbei. Beinahe 100 000 Menschen haben sich diesen Samstag versammelt, um beim Klimagipfel in Kopenhagen für ein schnelles Handeln der Regierungen zu demonstrieren.</p>
<p>Der Protest ist bunt. Ein geschminkter Clown hüpft herum. Er lacht, singt und winkt den am Straßenrand aufgereihten Polizisten zu, eine Gruppe taiwanscher Aktivisten bietet Umarmungen mit einem kostümierten Pandabären und Jugendliche in Anzug und Lederschuhen werben ironisch für den wirtschaftlich profitablen Ausbau von Kohlekraftwerken. Alle haben sie Plakate und Banner dabei. „Nature doesn&#8217;t compromise!” und „There is no planet B” ist dort zu lesen und immer wieder wird die Forderung nach „Climate Justice!” durch die Strassen gerufen. „Climate Justice“ beschreibt die Idee, dass der Klimawandel nur durch einen konsequenten Systemwandel herbei zu führen ist.”, erklärt ein junger Aktivist aus Stockholm ”Die Ideologie eines Kapitalismus, der auf dem Prinzip stetigem Wachstums beruht, setzt unendliche Rohstoffe voraus. Die Kapazitäten der Erde sind aber begrenzt. Um den Klimawandel zu stoppen brauchen wir also neue Ideen und Systeme für eine nachhaltige, soziale und gerechtere Welt!” Konzentriert wendet er sich wieder seinem Megaphon zu und verschwindet vor dem Suppenwagen in der Masse.</p>
<p><img class="ngg-singlepic ngg-left" src="http://www.freihafen.org/wp-content/gallery/cover-bilder/compromise.jpg" alt="compromise" /></p>
<p>Immer mehr Menschen tummeln sich um Simones Stand. Darunter auch Uwe (32) ein Umweltaktivist aus Potsdam, der Simones hoffungsvollen Kommentar mitbekommen hat. „In Berlin zur WM 2006 sind eine Millionen Menschen zur Siegessäule gekommen, um zu sehen, wie Schweinsteiger n&#8217; Ball tritt. Hier geht es um die Zukunft der Erde, um Hungersnöte, Migirationswellen, die Artenvielfalt und das Verschwinden ganzer Erdteile und piefige 100 000 sind hier. Dabei müsste doch eigentlich rechts, links, gläubig, alt, jung, afrikanisch, asiatisch oder amerikanisch dafür sein, dass die Natur erhalten bleibt. 100 000? Das doch ein Furz in den Wind!”</p>
<p>Und tatsächlich scheinen sich viele von der Demonstration fern zu halten. Die umliegenden Einkaufsstraßen sind gut gefüllt, das Weihnachtsgeschäft blüht und Jung und Alt stürzen sich auf Wintermäntel und Christbaumschmuck. Auch Sabine (19) und Tine (20) aus Kopenhagen sind Weihnachtseinkäufe erledigen. „Heute ist der einzige Tag an dem wir es nochmal für längere Zeit in die Stadt schaffen”, meinen sie und wühlen ein glitzerndes T-Shirt aus dem Kleidungsstapel. „Natürlich sind wir auch gegen den Klimawandel und finden es gut, dass es die Demo gibt. Aber demonstrieren ist einfach nicht so unsere Sache. Und guck doch mal die ganze Polizei an. Das gibt doch bestimmt wieder Krawalle.”</p>
<p>Die Krawalle gibt es. Der schwarze Block hat sich formiert und bildet mit schwarzen Tüchern und Kapuzen maskiert einen eigenen Abschnitt unter den Demonstranten. „One Solution! Revolution!” rufen sie und schon bald klirrt die Fensterscheibe einer dänischen Bank. Nur wenige Minuten später schreitet die Polizei ein. Mit Blaulicht trennen sie die Autonomen und einige andere Aktivisten vom Rest des Zuges. Vollkommen überrascht werden diese gefesselt und auf den Boden gesetzt. Dort warten sie dann teilweise bis zu drei Stunden auf dem kalten Asphalt bis sie von der Polizei abgeführt werden. Das Ergebnis: knapp tausend vorübergehend Festgenommene.<br />
<img class="ngg-singlepic ngg-left" src="http://www.freihafen.org/wp-content/gallery/cover-bilder/politi.jpg" alt="politi" /><br />
Die übrigen Demonstranten werden um den Ort der Eskalation herumgeführt, die große Menge zieht weiter. Man will schließlich noch bis zum Bella Center, in dem die Regierungschefs tagen und ihnen die eigenen Forderungen unterbreiten. Die Clowns winken, Eisbären verteilen weiter Protestzeitschriften und auch Simone  lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. „Irgendwie werden wir den Klimawandel schon noch aufhalten”, meint sie, „und bis dahin nimm doch erstmal ne Suppe!”</p>
<p>FOTO: Christoph Aberle und Max Martens</p>
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