Das Miniaturwunderland feiert im August Geburtstag

Dieses Jahr feiert das Miniaturwunderland ein Jubiläum: Am 16. August 2019 wird eine der bekanntesten Attraktionen aus Hamburg 18 Jahre alt. Immer noch begeistert die Idee von den Brüdern Braun täglich tausende Menschen aus aller Welt. Grund genug für die Freihafen-Redaktion einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Wir trafen Sebastian Drechsler (Marketing und PR-Chef beim Miniaturwunderland und einer der drei Gründerbrüder) für ein Interview und durften uns danach noch etwas im Wunderland umschauen.

Sebastian Drechsler (Mitgründer Miniaturwunderland, Jennifer von Wiegen (Redakteurin Freihafen)

Das Miniaturwunderland zählt zu den beliebtesten Attraktionen in Hamburg. Wie sind Sie auf die Idee gekommen so etwas aufzubauen?
Mit der Idee die größte Modelleisenbahn der Welt zu bauen, kam Frederik im Jahr 2000 aus seinem Urlaub in Zürich zurück. Er und sein Zwillingsbruder Gerrit wollten sich zu diesem Zeitpunkt beruflich verändern und was biete sich da besser an als die Verwirklichung eines Kindheitstraums? Frederik versuchte Gerrit und ein paar seiner Freunde davon zu überzeugen, doch diese standen der Idee sehr skeptisch gegenüber. Viele Menschen hielten die Idee für verrückt und nicht umsetzbar. Doch Frederik hat an seinem Traum festgehalten und sich gegenüber seinem Bruder und allen anderen Zweiflern durchgesetzt. Nun besitzen wir die größte Modelleisenbahn der Welt.

Ausschnitt des Hamburger Hafens

Im Wunderland sind mittlerweile die unterschiedlichsten Regionen und Länder zu bestaunen. Welches waren die ersten Abschnitte, die Sie eröffnet haben?
Wir haben das Wunderland mit drei Abschnitten eröffnet: Als Erstes sind im August 2001 Knuffingen, Österreich – damals noch als Bayern benannt – und Mitteldeutschland fertiggestellt worden. 2011 wurde der Abschnitt Knuffingen um einen weiteren Abschnitt, den Knuffinger Airport, erweitert. Mittlerweile haben wir insgesamt neun Abschnitte und weitere werden noch folgen. Aktuell bauen wir an Monaco und der Provence.

Ausschnitt Mitteldeutschland

Bestimmt lief nicht immer alles glatt, wenn ein neuer Abschnitt eröffnet wurde. Wie gehen Sie mit solchen Situationen im Team um?
Bei uns gibt es nicht richtig oder falsch. Wir entscheiden etwas Neues zu bauen und das kann alles sein. Natürlich gibt es zahlreiche Pannen und dadurch entstehen Diskussionen innerhalb des Teams wie etwas besser umgesetzt werden kann. Doch das ist der Geist des Wunderlandes: Wir machen Fehler! Und wir haben den großen Luxus nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt fertig sein zu müssen, sondern können uns die Zeit nehmen, die wir brauchen. Somit sind wir eine kleine permanente Elbphilharmonie. Wir bauen so lange an einem Abschnitt bis wir ihn perfekt finden.

Ausschnitt Italien

Wie sieht ein typischer Arbeitstag im Miniaturwunderland aus?
Wir haben mittlerweile 360 Mitarbeiter, die in verschiedenen Bereichen arbeiten. Bei uns arbeiten Modellbauer, Modeltechniker, Bahntechniker, Tischler, Innenarchitekten, Architekten, Grafikdesigner, Videoproduzenten, Mitarbeiter im Shop und in unserer Bauabteilung. Daher kann ich auch nicht sagen, dass es bei uns einen typischen Arbeitsalltag gibt. Jeder Mitarbeiter hat einen anderen Arbeitsablauf. Grundsätzlich ist es aber so, dass wir nicht nach einem bestimmten Schema arbeiten. Kein Tag gleicht dem anderen im Wunderland. Jeder Tag ist einzigartig.

Ausschnitt Schweiz (Matterhorn)

Auch dieses Jahr gab es im Januar die Aktion “Kann ich mir nicht leisten”, um Menschen die Möglichkeit zu geben das Miniaturwunderland kostenlos zu besuchen, wenn sie es sich eigentlich nicht leisten könnten. Seit wann gibt es diese Aktion und warum bieten Sie dies an?
Mit der Aktion haben wir 2015 angefangen und Ausgangspunkt dafür war die aufkommende Flüchtlingsthematik. Es gab unendlich viel Engagement zu dem Zeitpunkt und auch verschiedene tolle Aktionen, an denen sich sehr viele Menschen beteiligt haben. In diesem Sinne haben wir uns auch überlegt, wie wir uns engagieren können. Eine unserer Ideen war es alle Menschen ins Miniaturwunderland zu lassen, die sich den Eintritt nicht leisten können. Die Ausgangsidee war somit nicht explizit auf Flüchtlinge bezogen, sondern für jeden Menschen gedacht. Außerdem möchten wir nicht selbst darüber urteilen, ob sich jemand den Eintritt leisten kann oder nicht. Jeder entscheidet es subjektiv für sich selbst: Wenn beispielsweise eine alleinerziehende Mutter, ein Rentner oder ein Arbeitssuchender subjektiv empfindet, dass man sich den Eintritt nicht leisten kann, ist das in Ordnung. Es reicht den Satz “Ich kann es mir nicht leisten” an der Kasse zu sagen. Seit Beginn der Aktion haben wir damit bisher um die 100.000 Besucher erreicht, die das Angebot angenommen haben. Dieses Jahr waren es rund 20.000 Personen, die somit die Möglichkeit hatten das Wunderland zu besuchen.

Ausschnitt Skandinavien

Das Miniaturwunderland besuchen täglich zahlreiche Menschen. Können Sie uns sagen, wie viele junge Leute darunter sind und wie diesen das Miniaturwunderland gefällt?
Also ich selbst hab mittlerweile graue Haare und zähle daher wohl nicht mehr zur jüngeren Generation. Als wir mit dem Wunderland angefangen haben, war ich 19 Jahre alt und seitdem hat sich eine Sache nicht wirklich verändert: Wir haben ganz viele Kinder unter den Besuchern, die begeistert hier reingehen und alles mit Neugierde entdecken. Dann kommt die Pubertät und dort findet man meistens die Dinge, die einen als Kind fasziniert haben, nicht mehr interessant. Dementsprechend haben wir die Erfahrung gemacht, dass viele junge Menschen wieder zu uns kommen, wenn die Pubertät vorbei ist. Das hat auch nicht viel mit dem zu tun, was wir anbieten. Es ist einfach so: Was der kleine Bruder gut findet, muss man selbst ab einem gewissen Alter nicht mehr gut finden. Grundsätzlich ist dieses Phänomen immer wieder ein Thema. Wir haben aber beobachten, dass vor allem junge Leute zunehmend das Wunderland besuchen, wenn wir neue technische Innovationen präsentieren.

Belebter Markt

Haben Sie einen persönlichen Lieblingsort im Wunderland?
Ja, ich mag den Flughafen sehr, den wir 2011 eröffnet haben. Ich war nie der Eisenbahner, das sind vor allem meine Brüder. Ich habe mich schon immer fürs Fliegen begeistert. Jedes Mal, wenn ich am Flughafen stehe und die gesamte Simulation betrachte, zuschaue wie die Flugzeuge starten und landen, wie sich von Geisterhand die Autos über das Rollfeld bewegen…daran kann ich mich nach all den Jahren immer noch erfreuen.


Knuffingen Airport

Bild mit freundlicher Genehmigung von Paul Kuprianow
Jennifer von Wiegen Verfasst von: