Das Schönste war das Biest

Der Kölner Story-Saal diente Martin Doepke 1994 als Premierenort für seine deutsche Interpretation des französischen Märchens und Disney-Klassikers Die Schöne und das Biest. Auch 25 Jahre später hat das romantische Musical immer noch Erfolg und macht auch vor Hamburg keinen Halt. Auf der Bühne der Laeiszhalle stehen die DSDS-Gewinnerin 2018 Marie Wegener als Belle und der Musical-Allrounder Alexander di Capri als Biest. Für die 18-jährige Wegener ist es die erste Musicalrolle. Sie hat keinerlei schauspielerische Ausbildung genossen. 

Insgesamt 24 Darsteller bilden das Ensemble des Abends. Hinter dem Bühnenbild versteckt sich eine zehnköpfige Band, die das Publikum erst zum Applaus zu Gesicht bekommt. Die Geschichte wurde in ein deutsches Dorf adaptiert, die Liedtexte von Elke Schlimbach und Grant Stevens passend zu dieser Interpretation geschrieben. Doch französische Romantik in deutschen Humor und deutsche Plumpheit zu pressen, geht das überhaupt?

Das Ergebnis dieser Gleichung ist in der Regel Schnulz. Das trifft auch hier zu, denn das Musical ist schnulziger, als es eigentlich sein müsste. Die ballettbetanzten Balladen und die viel zu naive Großherzigkeit Belles dominierten die zweistündige Bühneninszenierung. Nun, Schnulzigkeit und Die Schöne und das Biest – das kann man erwarten. Eine sichere Performance und eine schöne Stimme schaffen es in der Regel ein Musicalpublikum zu begeistern, auch wenn der Plot Fehler hat. Das Ensemble in der Laeiszhalle hatte nur zwei große Probleme. Die Liedtexte waren unschön geschrieben und stellenweise ungereimt. Und sie konnten nicht singen. Obwohl bis auf Wegener jede Person auf der Bühne Musicalerfahrung oder sogar eine Ausbildung in dem Bereich  hatte, konnten viele von ihnen einfach nicht schön singen. So verstand man zum Teil die Texte nicht oder hatte bei Solostücken, zum Beispiel von Oliver Koch, der Belles Vater spielte, Schwierigkeiten beim Zuhören. Überlagert wurde das Musical definitiv durch di Capri, der unglaublich einnehmend performte und schon mit nur einem einzigen Solo (ich, warum ich), den Abend rettete. Auch Wegener brillierte auf der Bühne. Ihre helle Stimme passte perfekt zu ihrer Rolle und gab auch den schnulzigen Texten eine ertragbare Schönheit. Positiv aufgefallen ist auch Marc Chardons, der als schmieriger Antagonist Gustav einen echt soliden Job machte. Gesanglich war der Rest leider nur durchschnittlich begabt. 

Schauspielerisch müssen vor Allem zwei Rollen groß gelobt werden: Markus Wegner spielte einen Stuhl. Einen verzauberten Stuhl im Schloss vom Biest. Doch die Art und Weise, wie er diesen Stuhl verkörperte und mit seinen Kolleginnen, der verzauberten Geige und der Spinne, die Gäste des Schlosses narrte, war lustig und gut gemacht. Eine Rolle, die ebenfalls viel zu kurz kam war Gustavs Sidekick, verkörpert durch Niklas-Sven Kerck. Er übte mit Gustav mehrmals Worte, mit denen dieser Belle seine Liebe gestehen und ihr Herz erobern wollte und machte dabei eine so komische Figur und lustige Witze, dass es jedes Mal schade war, wenn seine Szenen vorbei waren.

Alles in allem war das Musical am Ende ein typisches Musical. Sehr viel Tanz und gute Choreografien, die man gerne sehen mochte. Das typische leicht übertriebene Theaterschauspiel und das primitive, aber praktische Bühnenbild umrahmten die Story.

Doepkes Interpretation des Märchenklassikers hat Potential und der Erfolg spricht für sich. Den Ticketkaufenden muss aber bewusst sein, dass sie sich eine Schnulze ansehen werden. Bei der aktuellen Tour ist sicher die ein oder andere Fehlbesetzung im Ensemble. Wer aber wegen Wegener ein Ticket kauft, wird auf jeden Fall auf seine Kosten kommen und zusätzlich durch di Capri belohnt. Die aktuelle Tour geht noch bis zum 04. Februar.

Bilder mit freundlicher Genehmigung von Tino Kratochvil und Jef Kratochvil
Marco Feldmann Verfasst von: