Der einzig wahre Guide – Auf’s Festival fahren

Fragt man die alten Festivalhasen, dann hört man immer den gleichen Dreiklang: Gummistiefel, Gaffa, Mülltüten. Mit dieser Grundausstattung überlebt man jede Schlammschlacht auf dem Zeltplatz. Der einzig wahre Guide sagt: falsch. Wir haben fünf Punkte zusammengetragen, die dich gut durch diesen Festivalsommer bringen!

1. What’s in my bag?

Man munkelt ja, einige Hartgesottene reisen nur mit einem Zelt und einer Mülltüte voller Klamotten an. Das ist nichts für jemanden, der zumindest noch einen Hauch von Würde besitzt. Faustregel bei der Gepäckzusammenstellung: die Anzahl deiner Taschen sollte der Hälfte deines Alters entsprechen. Je älter du bist, desto mehr Taschen, ist doch logo. Beim Festival zählt vor allem eins: dein voller Handyakku. Schließlich musst du all deine Fotos, Videos und hochqualitativen Sprachaufnahmen vom Materia-Konzert mit deinen Fans, äh, Freunden teilen können. Das Zauberwort heißt Powerbank. Aus Erfahrung kommst du mit drei Akkuladungen hin, drei mal vier Tage Festival macht also zwölf vollgeladene Powerbanks, die sich in deinem Gepäck befinden sollten. Wie Motrip sagen würde, das ist ganz simple Mathematik. Um auf Snapchat, Instagram und Facebook eine gute Figur zu machen, solltest du deine absoluten Lieblingsstücke mitnehmen. Die Jordans, deine neue Michael Kors Tasche, das gute Abercrombie-Shirt, warum sollten sie zu Hause bleiben, während du sie dringend brauchst? Und in Gummistiefel kriegt man ein Model wie dich sowieso nicht.

2. Art Attack und Co.

Auf dem Festival selbst tummeln sich die buntesten Gestalten. Leute mit Einhorn-, Pikachu- und Dinokostüm, Indianerkopfschmuck, Katzenschnurrbart, Sombrero oder „Mama, mir geht’s gut“-Pappschild – alle zeigen sich zu diesem Event von ihrer kreativsten Seite. Dem solltest du in nichts nachstehen. Um den anderen gleich mal zu zeigen, wer der Baba aller Babas im Land ist, solltest du einen professionellen Body Painter für die Dauer des gesamten Festivals engagieren. Du als fleischgewordener Schmetterling, das wär’s doch! Aber auch als lebensgroße Pizza erntest du mit Sicherheit neidische Blicke. Und das Abtasten am Einlass sparst du dir so auch noch.

Solltest du das nötige Kleingeld gerade nicht übrig haben, hilft ein Blick zurück in die Kindheit. Das Binge-Watching der zahlreichen Bastelsendungen muss doch irgendeinen Sinn gehabt haben! Mit Fingermalfarbe, Sekundenkleber und einer Handvoll Kastanien lässt sich schnell eine außergewöhnliche Gesichtsbemalung zaubern. Aber aufgepasst, jetzt kommt ein echter Geheimtipp: dein bester Freund heißt Pappmaché. Nur fünf Minuten Misch- und drei Stunden Trockenaufwand und du siehst aus wie ein Klingone.

3. Das Camp – Reise ohne Wiederkehr

Du kommst also mit drei Bollerwagen und im besten Fall ein paar Freunden auf dem Zeltplatz an. Jetzt gilt es, einen geeigneten Platz zu finden, der für das kommende Wochenende deine Heimat sein wird. Du solltest bei der Auswahl gründlich vorgehen und zum besseren Überblick den kompletten Platz drei Mal ablaufen. Vorn am Eingang ist natürlich tabu – schon vom Bus weiß man ja, die Coolen sitzen hinten. In der letzten Ecke neben den Dixis ist er dann, dein Platz. In der Nacht hast du es nicht weit zum Klo, sollen die anderen doch spotten! Und wenn du halt vor und nach den Konzerten eine halbe Stunde Fußmarsch hast, tust du wenigstens was für deine Gesundheit.

Eure Zelte baut ihr am besten so eng wie es nur geht zusammen und errichtet in der Mitte einen großen Haufen Feuerholz. So habt ihr es in der Nacht schön kuschelig warm und könnt sogar vom Schlafsack aus grillen. Eine große Plane über das Ganze und ihr könnt euch sogar das Geld für Zigaretten sparen.

4. Du bist, was du isst

Ganz ehrlich, so ein Festival ist kein Grund, auf deinen Meal- und Fitnessplan zu verzichten. Mach jeden Morgen vor deinem Zelt deine übliche halbe Stunde Crossfit oder Yoga – haters gonna hate. Für das relaxte Gefühl danach hat es sich doch gelohnt, Matte, Blöcke und den Gurt mitzunehmen. (Tipp für Profis: für eine tiefere Verbundenheit mit der Natur kann sich der passionierte Laien-Yogi auch in die Büsche abseits vom Camp schlagen. Allerdings Obacht, die weißen Taschentücher auf dem Boden sind nicht mehr benutzbar!)

Auch bei deiner Nahrung gilt: keep calm and eat clean. Während sich andere ihre ohnehin angeschlagene Gesundheit mit Ravioli und Dosenbier gründlich verderben, schmeißt du morgens um 6 auf dem Campingplatz den Smoothie-Mixer an. Green Smoothies sind voll im Trend, du solltest nur aufpassen, dass deine Chia-Samen im Regen nicht nass werden, sonst hast du schnell ein halbes Kilo Monster-Slime in der Tupperdose. Auch frisches Sushi ist immer eine gute Idee – am besten, du versteckst es vor gierigen Dieben unter deinem Schlafsack und feierst den Sonntag mit einer leckeren Portion rohem Fisch.

5. Alles endet, aber nie die Musik

Endlich beginnen die Konzerte, der Zeltplatz ist leergefegt. Nur in einem Zelt brennt noch Licht – in deinem. Dein Pappmaché-Schädelkamm trocknet gerade und außerdem ist der Glitzer in deiner Tasche ausgelaufen. Aber das ist es wert. Wenn du dann gegen Mitternacht zum letzten Konzert des Abends kommst, drehst du dafür richtig auf. Jeder liebt es, wenn du mitten in der Menge stehst und lautstark zeigst, dass du alle Texte auswendig kannst. Einen vollen Becher mit grünem Smoothie in der einen, dein mitfilmendes Handy in der anderen Hand heißt es für dich springen, bis der Ordner kommt! Auch sollte dich das spießige Verbot nicht vom Crowdsurfing abhalten. Einfach direkt ohne Vorbereitung rücklings auf deinen Hintermann springen, der wird schon wissen, was zu tun ist. Sind die Konzerte vorbei und alle schlendern müde zurück zum Zeltplatz, ist es deine Aufgabe, weiterhin die Moral hochzuhalten. Wer abkackt, wird angemalt, da spielt es keine Rolle, ob derjenige zu deinen Bekannten zählt oder nicht. Mit auf voller Lautstärke ballernder Handymucke ziehst du marodierend durchs Camp, kriechst in fremde Zelte und malst den schlafenden Bewohnern Penisse auf die Stirn. Sollte das alles nicht helfen, kann man auch schon mal ein fremdes Zelt anzünden, die Stimmung wird danach on fire sein.

Für so viele qualitativ hochwertige Tipps kann man ruhig mal danke sagen. Der einzig wahre Guide wünscht dir viel Spaß in deinem Festivalsommer und rock on!

Lotta Johanna Stähr Verfasst von:

22 Jahre alt, Germanistikstudentin, liebt Tarantino-Filme und hört Musik für alte, bärtige Männer. Redakteurin beim FREIHAFEN.