Ein Hoch auf die Wahrnehmung

„Jeder kann heute mitmachen, wir kriegen das schon hin“, sagt Alexandra Ohm, Abteilungsleiterin der Goal- und Torball-Sparte beim FC St. Pauli und aktive Spielerin des Vereins. Auf zwei Hallenabschnitten konnten sich Besucher selbst in diesen eher unbekannten Sportarten versuchen, die üblicherweise von Menschen mit Sehbehinderung gespielt werden.

Torball ist ein Breitensport, bei dem jeder Spieler eine Brille trägt, damit es gerecht zugeht und bei allen die gleiche Sehkraft gegeben ist. In 2 x 5 Minuten müssen die drei Spieler der beiden Teams ein sieben Meter breites Tor mit dem ganzen Körper verteidigen und den 500 Gramm schweren Ball ins gegnerische Tor werfen. Der Ball muss dabei flach gespielt werden. In der Mitte des Spielfelds sind Leinen aufgespannt, die beim Wurf nicht berührt werden dürfen, ansonsten bekommt die gegnerische Mannschaft Ballbesitz. Zur Orientierung sind vor dem Tor taktile Linien aufgeklebt, die so die Wurfzone abgrenzen. In dieser Zone liegen Matten, die ebenfalls der Orientierung dienen.

Charakteristisch am Torball, im Vergleich zum Goalball, sind die Matten zur Orientierung und die Leinen, welche die Spieler zum flachen Spiel zwingen.

Goalball dagegen ist eine paralympische Disziplin und Leistungssport. Auch hier trägt jeder Spieler eine Brille für Chancengleichheit. In 2 x 12 Minuten versuchen die drei Spieler innerhalb von zehn Sekunden den 1,25 Kilogramm schweren Ball ins gegnerische Tor zu werfen. Im Unterschied zum Torball ist das Spielfeld größer und das Tor neun Meter breit. Außerdem gibt es keine Matten und keine Leinen auf dem Spielfeld. „Beim Torball kann jeder mitspielen, Raucher oder Menschen mit Übergewicht. Beim Goalball muss man fit sein, das Spiel ist viel schneller“, erklärt Steffen Lehmann, Vorsitzender der Abteilung Goalball im Deutschen Behinderten Sportbund und Goal- und Torballspieler seit 25 Jahren.

Weltmeisterin Cornelia Braxmann vom BSV Langenhagen, Abteilungsleiterin der Goal- und Torballabteilung des FC St. Pauli Alexandra Ohm und der 1. Vorsitzende der Abteilung Goalball des Deutschen Behindertensportverbands Steffen Lehmann (von links) engagieren sich sehr stark für ihre Sportarten.

Warum wurde trotz der Unterschiede ein gemeinsamer Tag der offenen Tür für Goal- und Torball veranstaltet? „Sportarten arbeiten oft gegeneinander und diesmal wollten wir den Tag zusammen machen, damit das Spiel verständlich für die Besucher ist und man die Unterschiede erkennt“, erläutert Ohm. Generell versuchen sich die Goal- und Torballmannschaften gegenseitig zu unterstützen. Teams aus Berlin, Chemnitz, Dresden, Kiel und Langenhagen sind extra für den Tag der offenen Tür angereist, sogar eine aktuelle Weltmeisterin.

Cornelia Bartmann vom BSV Langenhagen ist 2015 Weltmeisterin mit der Deutschen Nationalmannschaft im Torball geworden. Sei 1994 spielt sie für ihr Land und hat eine stolze Titelsammlung vorzuweisen. Vier deutsche Meistertitel, einen Weltmeistertitel, einen Europameistertitel und einen französischen Meistertitel hat die 44-Jährige in ihrer Vita stehen. „Ohne Torball kann ich nicht, es ist wie eine Sucht“, betont sie und lächelt dabei.

Die Dresdner Goalball-Spielerin nimmt die Richtung des Balls richtig war und schmeißt sich in dessen Flugrichtung.

Wer Goal- und Torball ausprobieren möchte, kann beim Training des FC St. Pauli vorbeischauen. Trainiert wird montags und freitags von 19.30 bis 21 Uhr, im Blinden- und Sehbehindertenzentrum Bortgweg 17a in Winterhude.

Bilder mit freundlicher Genehmigung von Tobias Mahlberg und &copy Tobias Mahlberg
Tobias Mahlberg Verfasst von:

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