Mit Please Madame in der Astra Stube

Please Madame gelten als eine der erfolgreichsten Newcomer-Bands aus der österreichischen Musikszene. Auch in der Schweiz und in Deutschland wächst zunehmend die Fanbase der Indie-Rock-Band. Wir trafen Dominik, Martin, Laurenz und Niklas aus Salzburg vor ihrem Konzert in der Astra Stube im Schanzenviertel für ein Interview.

2010 habt Ihr die Band gegründet, 2012 ging das erste Video auf YouTube online und 2015 erschien das Debütalbum. Wie habt Ihr diese Zeit erlebt?

Martin: Eine sehr experimentelle Zeit: Es fing damit an, dass jeder sein Instrument ordentlich spielen gelernt hat und wie Songs geschrieben werden. Die Produktion des ersten Albums hat viel länger gedauert, als wir dachten, da es gedauert hat, bis wir uns getraut haben, es zu veröffentlichen – das war für uns eine große Sache. Zu dem Zeitpunkt hätten wir nie gedacht, dass wir jemals in Hamburg auftreten würden, und heute ist das schon unsere fünfte Show in Hamburg und die zweite in der Astra Stube. Dabei haben wir damals aus Jux und Tollerei in einem Schulprobenraum angefangen, und jetzt ist es schon ziemlich cool, wie bekannt wir sind.

2015 habt Ihr den Austrian Newcomer Award erhalten. Hat diese Auszeichnung für Euch eine Bedeutung?

Dominik: Ja, doch…Symbolisch sind Preise etwas Schönes, und auch, wenn du welche verliehen bekommst. Es war unsere erste Auszeichnung. Doch ich glaube, wenn du dir zu viel darauf einbildest, dann hebst du schnell ab. Zum Glück haben wir noch nicht so viele Preise erhalten, daher können wir nicht so schnell abheben. (lacht) Wir haben uns schon sehr geschätzt gefühlt, da es auch die erste Auszeichnung in Österreich war.

Aktuell seid Ihr auf Tour: Was gefällt Euch am Tourleben?

Laurenz: Wir kommen ganz viel herum und erleben sehr viel. Gleichzeitig ist es auch sehr anstrengend, wenn wir gemeinsam unterwegs sind. Für einen selbst bleibt kaum Zeit – doch wenn man abends den Tag reflektiert, ist es ein ziemlich einzigartiges Erlebnis und eine extreme Parallelwelt zum normalen Leben. Du fängst um acht auf der Bühne effektiv an zu arbeiten, bist um zehn fertig und hast in der Nacht Feierabend,während die Leute selbst während deren Feierabenden zu deiner “Arbeit” gehen.

Hat jeder von Euch eine bestimmte Routine, der er nachgeht, wenn Ihr auf Tour seit?

Niklas: Routinen eher weniger, sondern ich würde eher sagen, jeder hat so seine Eigenarten. Was man aber sagen kann: Wir fahren mit einem vollbeladenen Sechssitzer herum, sitzen in einem kleinen Bus auf engstem Raum 24 Stunden aufeinander und teilen uns ein 6-Bett-Zimmer. Bei uns als Band ist es so, dass du zusammen auf die Bühne oder vorher zusammen wie heute etwas zusammen essen gehst und dass wir bewusst von dem Ort, an dem wir spielen, weggehen. Wir nutzen die Zeit, um runterzukommen und uns auf das Wesentliche zu fokussieren, warum wir jeden Tag die Strapazen in Kauf nehmen. Daher ist es wichtig, sich vor dem Konzert die Zeit zusammen zu nehmen und sich einzuschwören. So auf die Art „Lets go! Heute Hamburg…Wir sind den ganzen Tag gefahren und versuchen Tag für Tag gefühlt die beste Show unseren Lebens zu spielen.“ Einfach auf die Bühne gehen und es genießen.

Jetzt startet langsam die Festival-Saison: Seid Ihr dieses Jahr auf einem zu sehen?
Niklas: Für uns hat schon letzte Woche die Festival- und Open-Air-Saison in Österreich in Kufstein begonnen und geht morgen weiter. Wir spielen heute eines unserer letzten Clubkonzerte bis September. Morgen und Freitag sind wir auf einen Open-Air in Hannover und dann geht’s direkt weiter an den Bodensee und nach München. Ein großes Highlight ist immer das Frequency-Festival in Österreich, dort spielen wir dieses Jahr und durften auch schon letztes Jahr dort auftreten. Darauf freuen wir uns ungemein.

Wo spielt Ihr lieber: In kleinen Clubs oder auf großen Bühnen?

Laurenz: Ich finde persönlich, beides hat seinen Charme. Wenn man auf großen Bühnen steht, ist das beeindruckend, da dies oftmals Bühnen sind, von denen man sich schon lange gewünscht hat, dort aufzutreten. Auf dem Frequency-Festival, wo wir letztes Jahr erstmals gespielt haben, war die Bühne so groß wie die Bühnen der letzten vier Konzerte zusammen. Wir bauen uns auch immer klein und charmant nebeneinander auf und brauchen daher nicht die ganze Bühne, da unsere Kabel auch nicht so lang sind. (lacht) Anderseits – wir hatten gestern eine tolle Show in Göttingen – da war es sehr klein – wie in einem Wohnzimmer. 70 Leute waren da, es war ausverkauft, und da war eine enorme Energie. Du bist den Leuten dadurch ziemlich nah, und das macht viel her für die Stimmung.

Was macht Ihr neben Please Madame?
Dominik: Wir studieren eigentlich: Drei von uns studieren im Moment und der Martin arbeitet. Doch auch er will studieren. Wir versuchen, uns noch nebenbei, ein zweites Standbein aufzubauen, falls es mit der Musik nicht funktionieren sollte. Doch das hoffen wir nicht.

Plant Ihr schon das neue Album?
Niklas: Das ist bei uns ein andauernder Prozess: Ich glaube, wenn man ein Album herausbringt wie wir beispielsweise 2018 unser Album Young Understanding, dann hört man nicht auf Songs zu schreiben, sondern hat den Drang neue Musik zu schreiben. Wir haben schon fast vor einem Jahr begonnen, neue Songs zu schreiben und genießen jetzt erst mal die gemeinsame Tour. Wann genau ein neues Album oder neue Songs von uns erscheinen, steht momentan noch in den Sternen, aber es gibt schon neues Material. Daher wird früher oder später neue Musik von uns erscheinen.

Dominik, du bist nicht nur der Frontman von Please Madame, sondern du hast eine Zeit lang als Redakteur beim Online-Magazin kulturort.at gearbeitet. Ist das Schreiben neben der Musik deine zweite Leidenschaft?

Dominik: Ich war immer interessiert am Schreiben generell, da es ein kreativer Output ist. Musizieren oder Schreiben erleichtern einen von seinen Gedanken, und das, finde ich, ist das Schöne daran. Ich kann mir definitiv vorstellen, mal wieder in einer Redaktion zu arbeiten, vielleicht beim Österreichischen Rundfunk, aber dafür fehlt momentan die Zeit. Schreiben ist auf jeden Fall ein Hobby von mir. Ich finde generell, das geschriebene Wort hat eine große Kraft, und Journalismus in der heutigen Zeit ist sehr wichtig. Lyrik und Bücher bekommen heute wieder mehr Relevanz als vor 15 bis 20 Jahren.

Vielen Dank, dass Ihr Euch die Zeit für ein Interview genommen habt.

Martin, Dominik,Niklas, Laurenz: Gerne.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Please Madame
Jennifer von Wiegen Verfasst von: