Redaktionsplaylist 06/20

Jeden Monat lässt die FREIHAFEN-Redaktion aus musikalischer Sicht Revue passieren. Das Ergebnis ist eine bunt gemischte Playlist, denn: Geschmäcker sind verschieden, und das ist auch gut so!

Angesichts der Ereignisse in den letzten Tagen in den USA in Folge der Ermordung von George Floyd und den Protesten zu “Black Lives Matter” auf der ganzen Welt, basieren wir das Thema der diesmonatigen Playlist auf Lieder schwarzer und afroamerikanischer Künstler*Innen. Damit wollen wir einen kleinen Beitrag zur Solidarität in so einer schrecklichen Zeit geben und das Statement der Bewegungen unterstützen: „Black Lives Matter“.

Ebony and Ivory – Stevie Wonder, Paul McCartney

Ein US-Amerikaner, ein Brite; ein Schwarzer, ein Weißer – Stevie Wonder und Paul McCartney singen gemeinsam das Lied „Ebony and Ivory“ (1982). Eigentlich leitet sich der Titel von den Tasten eines Klaviers ab. Ebony bedeutet Ebenholz und Ivory steht für Elfenbein. Im Lied geht es aber nicht nur darum, sondern um etwas viel Wichtigeres: „Ebony and ivory live together in perfect harmony. Side by side on my piano keyboard, oh Lord, why don’t we?“

Rise Up – Ady Suleiman

In „Rise Up“ schafft der junge Brite es, über schwere Themen wie Hass, Krieg und Genozid auf eine sehr sentimentale Art zu sprechen und plädiert “we are all responsible” – wir sind alle verantwortlich zu Akzeptieren und zu Verzeihen und am wichtigsten: “we got to love again”.

This is America – Childish Gambino

Der Song des schwarzen Rappers Childish Gambino, und vor allem das Musikvideo, wurden 2018 zu einem globalen Phänomen. Das Video kritisiert durch versteckte Botschaften die Waffengewalt und den Rassismus in den USA. Der erste Schuss fällt nach 52 Sekunden. Schockeffekte und unbekümmerte Szenen werden in kurzatmiger Abfolge aneinandergereiht, was auf die wachsende Abstumpfung und die rassistischen Widersprüche Amerikas verweist.

Black or White – Michael Jackson

Ein wunderbares Lied über Schwarz und Weiß. Besonders der Rap-Part von L.T.B. mit den Lyrics “I’ve seen the bright get duller, I’m not going to spend my life being a color” und der eingängige Refrain Jacksons machen diesen Song so wertvoll.

The Color Purple – The Color Purple (2015 Broadway Cast Recording)

Aus einem mit dem Pulitzer Preis ausgezeichneten Briefroman von Alice Walker aus dem Jahr 1982 hat Steven Spielberg 1985 einen für elf Oscars nominierten Film gemacht. 2004 machte Marsha Norman ein Musical aus der Buch- und Filmvorlage, welches mit mehreren Tony Awards honoriert wurde. 2015 erhielt das gefeierte Musical ein Revival, welches abermals mit mehreren Tony Awards ausgezeichnet wurde. 

Die gefeierte Geschichte der bereits in jungen Jahren von ihrem Vater vergewaltigten Celie handelt grob von ihrem persönlichen Werdegang und dem verschiedener Afro-Amerikanischer Frauen im Georgia der 1930er. Dabei wird die niedrige soziale Stellung eben dieser Frauen in der amerikanischen Gesellschaft thematisiert. Zwar haben sich einige gesellschaftliche Paradigmen seit den 1930ern und auch nach dem Erscheinen des Buches, Filmes und des Musicals verändert oder wurden abgeschafft, jedoch verliert die Botschaft des Musicals und des Liedes nicht an Aktualität und sollte uns zu denken geben. 

Die Schauspielerin Cynthia Erivo, welche die Hauptprotagonistin Celie in dem Musical von 2015 verkörpert, ist darüber hinaus eine mehr als beeindruckende Sängerin, sondern auch eine beeindruckende Frau mit einer krassen Karriere.

Glory – Common and John Legend

Das Titellied des Filmes Selma von Regisseurin Ava DuVernay aus dem Jahr 2015. In dem Film geht es um Martin Luther King und den Civil Rights Movement March von Selma to Montgomery im Jahr 1965 für das Recht Schwarzer zu Wählen. Das Lied wurde für den Film geschrieben und befasst sich sowohl mit diesen historischen Themen, als dass es auch einen Bogen zu der heutigen Zeit zieht und deutlich macht, wie viel noch passieren muss für die Gleichberechtigung Schwarzer. Das Lied war dabei auch eine Antwort auf den Mord an Michael Brown in 2014 und den darauffolgenden Protesten gegen Polizeigewalt gegen Schwarze. Diese Parallelität zu den Ereignissen der letzten Wochen ist erschreckend und man fragt sich, wie es sein kann, dass dies immer noch passiert. Es ist wirklich interessant einmal genau bei den Lyrics zuzuhören. Ein inspirierendes Lied mit Gospelfeeling, das einen auf eine bessere Zukunft hoffen lässt.

Look at me! – XXXTENTACION

Ein klassisches Beispiel für afro-amerikanischen Hip Hop/Rap. In den oft sehr anzüglichen und sehr direkten Texten kommt der Hass, die Verzweiflung und die Wut vieler Afro-Amerikaner*innen zur Geltung. Die systematische Diskriminierung und der Rassismus gegen die afro-amerikanische Bevölkerung sind Hintergrund für diese extremen Emotionen.

Mit Look at me! gelang XXXTENTACION der Durchbruch. Doch seine eigentliche Bekanntheit erlangte er erst nach seinem Tod. Mit 20 Jahren wurde der junge Rapper erschossen. Hintergrund seines Ablebens war der schwierige soziale und von Drogen geprägte Hintergrund, aus dem der junge Rapper selbst kam und den er in seinen Liedern so stark kritisierte.

Let love lead – Terrian

Anstatt sich mit Rassismus und Ungerechtigkeit zufrieden zu geben, soll uns durch Gott mit Liebe der Weg geleitet werden. Dies macht sich das Lied zu eigen und appelliert an seine Hörer*innen. Eine simple Botschaft, die aber viel Kraft in sich trägt und der wir uns endlich bewusster annehmen sollten.

Grinding all my life – Nipsey Hussle

Ein weiteres Exempel für afro-amerikanischen Hip Hop/Rap. Auch in diesem Lied wird das perspektiv arme und von Drogen geprägte Leben vieler Afro-Amerikaner*innen thematisiert.

They don’t care about us – Michael Jackson

Und nochmal Michael Jackson mit einem seiner kontroversesten Songs. 

“I’m a victim of police brutality, now (Mhhm)

I’m tired of bein’ the victim of hate

Your rapin’ me of my pride (…)

Some things in life they just don’t wanna see (Ah)

But if Martin Luther was livin’

He wouldn’t let this be, no, no”

Ein Lied, dass sich klar gegen Rassismus ausspricht und gegen Hass. We care about you!

Black Man in a White World – Michael Kiwanuka

In diesem Song besingt Kiwanuka so viel mehr als Alltags-Lethargie. Die schier endlose Wiederholung der Titel-Line symbolisiert für mich die festgefahrenen Ungleichheiten, die immer und immer wieder reproduziert werden.

Das Lied basiert laut einem Interview mit dem Irish Examiner auf einem Fantreffen mit dem Künstler in den USA. People of Color waren dort kaum vertreten. Das ließ Kiwanuka über seine zugeschriebene Rolle als Black Soul Singer und seine Identität in der englischen Mittelklassen-Gesellschaft seiner Kindheit nachdenken.

Im Refrain zitiert Kiwanuka übrigens Jackie Robinson, der als erster afro-amerikanischen Baseballspieler für ein Major-League-Team des amerikanischen Baseball-Verbands auflief. Er schreibt in seiner Biografie: “I cannot stand and sing the anthem. I cannot salute the flag; I know that I am a black man in a white world.”

Iron Sky – Paolo Nutini

Ein Song, den ich nicht mal so nebenbei hören kann. Er passt auf den ersten Blick zwar nicht in die Playlist für diesen Monat, ist thematisch jedoch im Moment genauso relevant. Neben seiner Schwere und Melancholie überrascht der Song mit einem Zitat aus “Der große Diktator”, dem ersten Tonfilm Charlie Chaplins. Die satirische Komödie wendet sich gegen Faschismus, stellt all die Werte in den Mittelpunkt, für die wir jetzt einstehen müssen: Frieden, Menschlichkeit und Einheit.

Höre hier in die Playlist rein und folge dem Freihafen!

Photo by Maria Oswalt on Unsplash

Bild mit freundlicher Genehmigung von Maria Oswalt (unsplash)
Lisann Rothe Verfasst von:

Ich bin eigentlich wie jede andere Studentin. Ich schaue viel zu viel Netflix, versinke dann aber in den Semesterferien hinter einem Romanstapel. Ich esse leidenschaftlich Kuchen und backe diesen am liebsten noch selbst. Ich lebe meine kreative Ader in mitternächtlichen Bastel- und Malaktionen aus und ich segle gern in neue Gewässer. AHOI!