Warum sich junge Menschen in Parteien engagieren sollten

Wer kennt sie nicht? Die endlosen Versprechen, Beschönigungen und leeren Sprüche von gutbezahlten Politkern, die sich am Ende doch nur einmal wieder als leere Worthülsen entpuppen. Chancengleichheit, Armutsbekämpfung, Gerechtigkeit –  die Themen, in denen sich die Wähler von der Regierung mehr erhofft haben sind endlos. Bereits die junge Generation hat sich der Vorstellung angeschlossen: „Von Politik sollte man lieber die Finger lassen“. Einige Experten behaupten gar, es habe sich eine Politikverdrossenheit unter den Jugendlichen breit gemacht. Statt das politische Weltgeschehen zu verfolgen, die abendlichen Nachrichten als Tagesritual zu adaptieren und am internationalen Diskurs teilzunehmen, würden sich junge Frauen und Männer im ersten Quartal ihres Lebens mehr mit der Ausgestaltung ihrer individuellen Freizeit beschäftigen. Doch empirische Nachforschungen zeigen auf den ersten Blick ein anderes Bild: 2015 interessierten sich laut der Shell Studie rund 41 % der 12 – 25-Jährigen für Politik. Im Vergleich zum Jahre 2002 handelt es sich hierbei um einen Anstieg von ganzen elf Prozent.  Grundsätzlich erscheint das als eine erfreuliche Entwicklung. Auch die „Studie zur politischen gesellschaftlichen Teilnahme Jugendlicher der Friedrich-Ebert-Stiftung“ (FES Studie) stellte fest, ein grundlegendes Interesse der jüngeren Generation an Politik scheint, mit einer Angabe von 42% der Befragten, vorhanden zu sein. Auffällig ist jedoch, dass sich lediglich 16% der Jugendlichen aktiv in einem politischen Verband, sprich einer Gewerkschaft, Partei oder Nichtregierungsorganisation, beteiligen. Besonderes Desinteresse scheint politischen Parteien entgegengebracht zu werden.  Von den 2.075 Teilnehmern der FES Studie im Alter von 14 bis 29 Jahren waren ausschließlich drei Prozent Mitglied in einer Partei. Neben dem Problem, dass man nicht wisse, wie man sich einbringen könne, herrscht zusätzlich die Vorstellung, die Arbeit in Parteien würde aktuelle Probleme nicht lösen.

Gerade letzteres Argument scheint in Anbetracht von Zeiten der „Scheindebatten“ und Schuldzuweisungen ein berechtigtes Anliegen. Doch mögen diese Probleme nicht grade den Drang entfachen, für die positive Veränderung aktiv zu werden? Um sich für die Bekämpfung weltrelevanter Missstände einzusetzen, erscheint oftmals der Weg in eine Nichtregierungsorganisation attraktiver. Bei Greenpeace auf den Rückgang der Artenvielfalt aufmerksam zu machen, Flüchtlinge vor Ort mit dem Nötigsten auszustatten oder bei Amnesty International für die Rechte anderer Menschen zu kämpfen sind bewundernswerte Tätigkeiten, die mit der Bedeutung von politischen Parteien auf einer Stufe stehen. Dagegen erscheint ein Tür-zu-Tür Wahlkampf für die CDU, eine Debatte über das bedingungslose Grundeinkommen bei der SPD oder ein Veggie-Day der Grünen weniger ergebnisreich.

Reden, Argumente finden und andere zu überzeugen stellt einen großen Bestandteil einer Parteiarbeit dar. Fakt ist jedoch, dass diese Tätigkeiten weitaus positiver als öde und trocken sind. Der große Vorteil aktiv als Parteimitglied mitzuwirken, ist der Prozess zu grundlegenden rechtlichen Veränderungen. Oftmals erscheint die Lösungsfindung von banalen Situationen langwierig und dient der Bevölkerung als Anhaltspunkt sich beschweren zu können. Als Legislative ist es jedoch nur den gewählten Parteien gestattet, Gesetze zu erlassen. Gesetze sind der Grundbaustein für weiteres berechtigtes Handeln. Sie sind elementar, wenn es um die Umsetzung von politischen Zielen, wie der Bekämpfung von Kinderarmut, der Regulierung der Wirtschaft und der persönlichen Freiheit des Individuums geht. Politiker sind Bestandteile eines zusammengesetzten Organs, welches sich aus den unterschiedlichsten Meinungen zusammensetzt. Aufgrund des Rechts zur freien Meinungsäußerung von Mitgliedern einer demokratischen Ordnung erscheint dem Einzelnen von Zeit zu Zeit die Ergebnisauswahl etwas fade. Am Ende stellt es jedoch lediglich die Summe von Demokratie, freier Meinungsäußerung und dem perfektionistischen Ziel das Beste, für wen sei dahingestellt, zu entwickeln.

Um besonders das Gedankengut junger Menschen in die Gesetzesentwicklung und den daraus resultierenden Handlungen der Politik näher zu bringen, sollte die Mitgliedschaft wieder mehr als Chance gesehen werden, etwas langfristig in Deutschland und der Welt verändern zu können.  Laut der Tagesschau beträgt das Durchschnittsalter eines Parteimitglieds in Deutschland 60 Jahre. Die Parteien stehen in der Pflicht mehr jugendrelevante Problemzonen in ihre Arbeit zu integrieren und junge Menschen öffentlich ausgiebiger in ihre Programme und Entscheidungen miteinzubeziehen. Doch auch für die jüngere Generation wird es Zeit sich am Parteigeschehen zu beteiligen, um die Politik auf zukunftsorientierte, moderne Bahnen zu lenken. Denn mögen nicht immer alle Versprechen verwirklicht werden – durch die Teilhabe junger Menschen am Parteileben eröffnen sich auf für deren Freizeitgestaltung neue positive Möglichkeiten. Vielleicht schafft unsere Generation mehr als endlose Versprechen und leere Sprüche, aber dafür müssen wir heute beginnen, um die Zukunft für morgen zu gestalten.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Jugendpresse Deutschland / Lucas Bäuml

Nabila Rehbein Verfasst von: