Wie lässt sich Frankenstein mit einem Topmodel verkuppeln?

Am Montag, dem 24. Oktober, war es wieder so weit. Im Hamburger Club Uebel & Gefährlich fand ein Science Slam statt.

Eine kurze Erklärung für alle, an denen dieser Trend bislang vorbeigegangen ist: Ein Science Slam ist ein Wettbewerb, bei dem NachwuchswissenschaftlerInnen in 10-minüten Vorträgen möglichst anschaulich und unterhaltsam ihre Forschung präsentieren. Leute aus dem Publikum werden zu „Votingmastern“ ernannt und bilden die Jury. Sie haben nach jedem Vortrag kurz Zeit, sich mit ihren SitznachbarInnen zu beraten und bewerten dann die SlammerInnen, indem sie ihnen jeweils zwischen einem und zehn Punkten vergeben. Der oder die Vortragende mit der höchsten Gesamtpunktzahl gewinnt.

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Dass Science Slam gerade sehr beliebt ist, zeigte sich am Montag schon deutlich an der langen Schlange vor dem Uebel & Gefährlich. Kurz nach 21 Uhr ging es dann endlich los. Die sechs SlammerInnen des Abends betraten die Bühne und der Moderator legte per Los ihre Votragsreihenfolge fest.

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Die Biotechnologin und Musikerin Karla Hajman machte den Anfang. In ihrem Vortrag „Kommunistisch-kapitalistischer Konflikt des Blasenkrebs“ brachte sie die ZuschauerInnen durch gewagte Vergleiche zum Lachen. Wachsende, Ressourcen verschlingende Krebszellen wurden beispielsweise als Kapitalisten und das Immunsystem als Stasi betitelt. Das Ganze untermalte sie mit einer kleinen Ukulelen- und Gesangseinlage. Im Unterschied zum Poetry Slam sind beim Science Slam jegliche Hilfsmittel zur Veranschaulichung des Themas erlaubt.

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Als Nächstes war die Doktorin der Soziolinguistik und Buchautorin Diana Marossek an der Reihe. Sie brachte dem Publikum das sogenannte Kurzdeutsch näher und sorgte dabei für allerlei Erheiterung. So erklärte sie beispielsweise, dass der Ausdruck „Ich schwöre“ dazu dient, die Rangordnung in einer Gruppe zu definieren, und dass es im Kurzdeutsch den Kurzartikel d‘ und die sogenannte rituelle Beschimpfung gibt. In diesem Sinne: D‘ Vortrag von Diana kam gut an – ich schwöre, ihr Opfer!

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Die dritte Slammerin, Alexandra Hofmann, erheiterte das Publikum mit der Schilderung ihres ungewöhnlichen Berufs als Psychologin im österreichischen Weltraumforum, wo sie Achtsamkeitstrainings mit Astronauten durchführt. Dabei klärte sie die ZuschauerInnen über die Eigenschaften eines perfekten Marsastronauten auf: „Im Idealfall bist du Antialkoholiker, Vegetarier, Stubenhocker, Einzelgänger und auch noch asexuell.“

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Nach einer kurzen Pause ging es weiter mit Wadim Wormsbecher, einem mathematischen Physiker, der mit seinem Vortrag „Dualitäten der Physik“ für Begeisterung sorgte. Er stellte die zwei großen Theorien der Physik vor: das Standardmodell, welches die Wechselwirkungen der Elementarteilchen beschreibt, und die Relativitätstheorie, die sich hauptsächlich mit der Gravitation beschäftigt. Aus Sicht eines mathematischen Physikers, so Wadim, sei das Standardmodell ein Frankenstein-Monster und die Relativitätstheorie ein wunderschönes Topmodel. Ziel seiner Forschung sei es, die beiden Theorien zu einer Einzigen zu verbinden und somit Frankenstein und das Topmodel zu verheiraten.

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Der nächste Kandidat, Juniorprofessor der Ökonomie Mario Mechtel, beschäftigte sich mit dem Thema Statuskonsum. In seinem Vortrag erklärte er den ZuschauerInnen, dass das gesellschaftliche System, indem Menschen leben, sehr starken Einfluss darauf hat, wie sehr sie sich miteinander vergleichen. Dazu stellte er Studien vor, laut denen die Haushalte im ehemaligen Ostdeutschland deutlich mehr Geld für Statuskonsumgüter ausgeben als vergleichbare Haushalte im Westen.

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Die letzte Slammerin des Abends war Miku Sophie Kühmel, die sich in ihrer Bachelorarbeit die Frage gestellt hatte, warum Literaturverfilmungen meist schlechter bewertet werden als die entsprechenden Bücher. Am Beispiel „Die Vermessung der Welt“ führte sie Vor- und Nachteile von Büchern und Filmen auf und setzte dabei im Gegensatz zu ihren VorrednerInnen mehr auf Informationen als auf Komik.

Letztlich war es Wadim Wormsbecher mit seiner unterhaltsamen Präsentation der Dualitäten in der Physik, der sich mit 87 Punkten klar als Gewinner durchsetzte und mit einem Geo-Jahresabo belohnt wurde.

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Wer nun auch Lust bekommen hat, einen Science Slam einmal selbst hautnah zu erleben, kann am 18. November die Norddeutschen Meisterschaften in der Markthalle Hamburg besuchen oder am 13. Dezember ins Uebel & Gefährlich kommen.

(Fotos: Jakub Zimny)

Ana Kolling Verfasst von:

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