Winterwunderland

Ein Beitrag von Crisper, unserem flitzenden Reporter. Die kursiv geschriebenen Sätze stellen Kommentare des Hundereporters dar.

 

Winterwunderland

Von bauchfrei zum Wintermantel, von durchsichtiger Leggins zur langen Unterhose. Passend zur Umstellung auf die Winterzeit hat sich die Natur nun auch auf Winter eingestellt. Bitterkalte Temperaturen haben Hamburg heimgesucht und über Nacht eine kostenlose weiße Decke mit dazu gegeben.

An jenem Morgen nach dem Aufwachen musste man erst gar nicht die Vorhänge im Schlafzimmer öffnen, um zu wissen dass ganz Hamburg schneeweiß überzogen war. Nach Frau Holles Attentat auf unser Straßen- und Bahnsystem waren alle denkbaren Medien bereits seit den frühsten Morgenstunden mit Posts überfüllt. Zugegeben, die mit Schnee bedeckten Bäume und Büsche sind immer wieder ein schöner Anblick, aber das war es dann auch schon mit der Herrlichkeit des Winterzaubers.

Zumindest, wenn man in einer Stadt wie Hamburg lebt. 

Der Horror beginnt schon im Bett, wenn man die üblichen verdächtigen Social Media-Kanäle auscheckt. Nirgends scheint man sicher zu sein vor den bekannten „Oh es hat geschneit“ Posts. Aber der wahre Horror beginnt, wenn man das Haus verlässt.

Dick eingepackt in Stiefel, Mantel, Mütze und Schal habt ihr Menschen es ja noch ganz gut. Ich als kleiner Hund muss ohne jegliche Unterwolle zitternd durch die Kälte stapfen und beim Notdurft-Verrichten meine winzigen Pfoten ungeschützt dem kalten, weißen Nass aussetzen. Bah! 

Da in einer Stadt wie Hamburg reger Betrieb auf den Straßen und Gehwegen herrscht, hat der Schnee keinerlei Chancen, liegen zu bleiben. Seine Hoffnung, eine hohe Schneedecke aufbauen zu können, buchstäblich zermatscht. Bei keinerlei Sonnenschein und Temperaturen unter 4°C gefriert diese Endprodukt zerstörter Schönheit allerdings auf Hamburgs Straßen und Gehwegen, was akute Rutschgefahr mit sich bringt. Das Chaos ist bekannt: Die einfache Angst hinzufallen, wenn man zu Fuß ist, hält sich noch einigermaßen in Grenzen. Bei den Autofahrern jedoch greift die nackte Panik um sich. Geschwindigkeiten von bis zu 10 km/h stellen dann schon das Höchste der Gefühle dar.

Da haben wohl einige vergessen, die Winterreifen aufziehen zu lassen. 

Daraus resultieren dann endlos lange Staus und eine Verdreifachung der eigentlichen Zeit des Weges. Dann doch lieber die Bahn? Denkste. Wenn man es erstmal in die Bahn geschafft hat, kann das Ziel zwar pünktlich erreicht werden und gleichzeitig gibt es keinen Parkstress, aber dazu muss man es erstmal in die Bahn schaffen. So kann es sein, dass die Türen auch einfach mal auf magische Weise verschlossen bleiben.

Die Bahn/HVV hatte ja schließlich nicht genug Zeit sich auf den Wintereinbruch einzustellen. Jedes Jahr das Gleiche. Jemand bei Jodel hat in der vorausgehenden Nacht das Team des HVV sogar noch drauf aufmerksam gemacht, scheint allerdings nichts gebracht zu haben. 

Verzichtet man gänzlich auf Bus, Bahn oder Auto so ist man der rohen Gewalt des Hamburger Wintereinbruchs ausgesetzt. In Hamburg scheint es Frau Holle nicht zu reichen, es „einfach“ nur schneien zu lassen. Der Schnee kommt dem Fußgänger fast waagerecht ins Gesicht geschleudert.

Der hat sich wohl was beim Hamburger Regen abgeguckt – der kommt ja schließlich auch nicht nur von oben. Frag‘ mal jemanden, der keinen Regenschirm tragen kann, wie ihr Menschen.

Wenn zusätzlich noch gelagerter Schnee von den Baumkronen vom Wind mitgezogen wird, wird es besonders angenehm. Die Menschen drehen sich mit dem Rücken zur Windrichtung und schreien trotzdem regelmäßig vor  Schreck auf, wenn sie eine Schneedusche erwischt.

Spätestens an diesem Punkt habe ich meine gesamte Sympathie der Arbeit Frau Holles gegenüber verloren und wünsche mich zurück ins Bett. Da kuschle ich mich dann unter die Bettdecke und bekomme Streicheleinheiten. 

Nun sind es aber nicht nur die eigentlichen Strapazen der Natur die einen natürlichen Feind darstellen. Nein die Menschheit selber stellt auch einen dar. Da gibt es zum Beispiel die Regenschirm-Rentner, die beim aller winzigsten Niederschlag, egal ob gefroren oder nicht, direkt ihren Regenschirm spannen. Diese Gruppe hält das Schutz bringende Objekt dann allerdings so tief über den Kopf, dass keine Rücksicht auf den eingeschlagenen Weg mehr genommen werden kann. Hier hilft nur noch Ausweichen.

Für mich persönlich sehr stressig, da ich auch gerne mal übersehen werde, was zur Folge haben könnte, überrannt zu werden. Im Zweifel muss ich dann in einer warmen Decke eingepackt auf dem Arm getragen werden. Kann ich mir ganz gut gefallen lassen …  

Dann gibt es noch die übervorsichtigen Langsamläufer.

Hier hilft nur noch überholen, oder falls nicht möglich, tief durchzuatmen und dran zu denken, dass an einem solchen Tag eh alle anderen auch zu spät kommen.

Dann gibt es noch eine ganz spezielle Sorte. Die, wie ich sie jetzt mal nenne„Ich-hab-zwar-Stiefel-an-und-die-sind-dazu-da-meine-Füße-vor-Kälte-und-Nässe-zu-schützen-aber-ich-hab-die-Stiefel-neu-und-sie-waren-teuer.-Deshalb-geh-ich-allen-Pfützen-aus-dem-Weg-und-halte-daher-den-ganzen-Verkehr-auf“.

Ich glaub hierzu braucht es keine genauere Erklärung. Gibt es übrigens auch bei Hunden. Ich nenne sie die „Ich-hab-zwar-Pfoten-die-von-der-Natur-dafür-vorgesehen-wurden-in-Pfützen-zu-treten-aber-ich-stelle-mich-lieber-an-wie-ein-Storch-im-Salatbeet.“

Der Winter an sich kann malerisch und schön sein. Jedoch stellen die Kälte und die immer länger andauernde Dunkelheit Probleme für uns dar. Um gegen die bekannte Winterdepression und die Unlust, die uns in dieser Jahreszeit überkommt, anzukämpfen, empfiehlt es sich zum Beispiel auf den Winterdom zu gehen oder gemütliche Treffen mit Freunden in den eigenen vier Wänden zu veranstalten. Es empfiehlt sich aber auch erst gar nicht, gegen diese Unlust anzukämpfen. Winter ist die beste Jahreszeit, um einfach mal einen ganzen Tag im Bett mit einem guten Buch zu verbringen, ohne danach gleich ein schlechtes Gewissen zu bekommen, etwas zu verpassen.

Also Freunde! Denkt dran im Dunklen euren Hunden etwas Leuchtendes umzuhängen und für kleinere Hunde ohne Unterwolle immer eine Decke zum Einkuscheln parat zu haben. Dann kann der Winter kommen. 

 

Lisa Bürgerhoff Verfasst von: