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Ein Pool Gleichgesinnter – Die THW Familie

von Golzar Falatoon-Zadeh

Gastautorin


Ob nach dem Erdbeben 2019 in Nepal, während der aktuellen Corona-Pandemie weltweit oder bei der Explosion in Beirut im August diesen Jahres – das Technische Hilfswerk steht bei Notfällen und Krisen stets bereit. Da sein für andere – das ist das Motto der Menschen, die sich im THW engagieren. Auch die young leaders, eine Organisation, die überparteilich und überkonfessionell Bildungsveranstaltungen ausschreibt, lädt jährlich jugendliche Multiplikator*innen auf Veranstaltungen ein, die sich, wie die THWler*innen, in ihrer Freizeit für andere stark machen. Auf dem diesjährigen 172. young leaders Jugendpressekongress in Potsdam trafen auf diese Weise die „young leaders“ auf Aktive des Technischen Hilfswerks (THW).

Auf dem „jugend presse kongress“ sprach der Ehrenpräsident des THW, Albrecht Broemme, in seinem Vortrag über das Ehrenamt beim Technischen Hilfswerk. Ein Grund zum THW zu kommen, war für den damals 17-jährigen Schüler aus Darmstadt die vielfältige Ausbildung, die für jeden beruflichen Weg förderlich sei. Das THW sei ein „Ort für Menschen, jung oder alt, in allen Lebenslagen“, denn es wäre ein „Querschnitt der Gesellschaft“, sagt Broemme.

„Ob Schüler*innen, Studierende, Arbeitslose, Ingenieur*innen, Verkäufer*innen oder Vorstände.- Ganz egal! Leute aus allen Berufsschichten sind im THW vertreten“.
Für Broemme ist das THW viel mehr als nur ein Ehrenamt: „Das THW ist eine Lebenseinstellung“.

Doch was ist das THW eigentlich…

Das technische Hilfswerk ist eine deutsche Zivil- und Katastrophenschutzorganisation, bei der sich in Ortsverbänden, Regionalstellen und Landesverbänden bundesweit mehr als 80.000 freiwillige ehrenamtliche Helfer*innen in rund 10.000 Einsätzen im Jahr engagieren. Etwa 15.000 von ihnen sind Jugendliche. Dabei arbeitet das THW eng mit Feuerwehr und Polizei zusammen. Das bedeutet: Wenn die Feuerwehr nicht mehr weiterkommt, dann muss das THW ran. Das THW ist weltweit einmalig und ist dem deutschen Innenministerium zugeordnet. Jedoch sind nur zwei Prozent der Mitarbeiter*innen hauptamtlich für die Behörde tätig, denn 98% des THW besteht aus Ehrenamtlichen. Die Einsatzbereiche der Katastrophenschutzorganisation sind vielfältig.
Die Bundesanstalt hilft beispielsweise bei Bergungen, Ortungen, Stromausfällen, leistet Flüchtlingshilfe und befindet sich zurzeit auch im Kampf gegen die Corona-Pandemie. So baute das THW in nur vier Wochen ein temporäres Krankenhaus in Berlin. „Das wichtigste ist, sich ein klares Ziel zu setzen“, erklärt Broemme.


…und wo kommt das THW her?


Das Technische Hilfswerk blickt auf eine ereignisreiche Entwicklung und viele Jahre ehrenamtlichen Engagements zurück. Am 22. August 1950 wurde das THW durch Otto Lummitzsch im Auftrag des Bundesinnenministeriums gegründet. Seit rund 60 Jahren ist das THW täglich und rund um die Uhr in Deutschland im Einsatz, um dort zu helfen, wo sonst keiner helfen kann.

Katastrophenschutz leistet das THW jedoch nicht nur in Deutschland. Die „Blauen Engel“ halfen auch nach dem Orkan „Lothar“ bei der Beseitigung von Schäden in Frankreich.

Nach dem Hurrikan Katrina im Jahr 2005 leistete das THW zum ersten Mal in seiner Geschichte in den Vereinigten Staaten Hilfe. Als 2010 Haiti von einem schweren Erdbeben heimgesucht wurde, eilte das THW zur Hilfe – die Ehrenamtler*innen sorgten für eine stabile Trinkwasserversorgung, unterstützen bei der Koordinierung der Hilfsmaßnahmen und halfen somit, die Krise gut zu überbrücken. Aber nicht nur Naturkatastrophen bedeuten für das THW Einsatz: Auch in humanitären Katastrophen wie der Welle an Geflüchteten 2015 trat das THW in Aktion. So bauten die freiwilligen Helfer*innen in kürzester Zeit ein Camp für Geflüchtete, dass weit mehr als 100.000 Geflüchteten eine Unterbringung bot. Auch hilft das THW aktuell nach dem Brand im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos den Geflüchteten durch den Transport von Hilfsgütern.

Das THW ist heute als moderne Hilfsorganisation weltweit tätig und arbeitet mit anderen Organisationen oft eng zusammen, wie mit den Vereinten Nationen und der Europäischen Union. Durch seine Einsätze nach Unglücken und mit seinen langfristig angelegten Wiederaufbauprojekten leistet die „Feuerwehr in blau“ im Namen der Bundesrepublik auf diese Weise weltweit humanitäre Hilfe und war seit seiner Gründung inzwischen in mehr als 130 Ländern aktiv.

Das THW- auch ein Ort für Kinder und Jugendliche

Auch Kinder ab sechs Jahren sind beim THW in Jugendgruppen aktiv und können an Zeltlagern teilnehmen, wo sie spielerisch an den Zivil- und Katastrophenschutz herangeführt werden. Bereits ab 16 Jahren ist eine Grundausbildung beim THW möglich.

Laut Broemme können „junge Menschen, die sich für das THW interessieren, einfach mal vorbeischauen und dort praktische Dinge, die selbstverständlich ungefährlich sind, üben“. Natürlich ginge es Jugendlichen nicht nur um die Arbeit beim THW, sondern auch um die Überzeugung, sich für seine Mitmenschen einzusetzen.

Der Leitgedanke des THW

Seit seiner Gründung hat sich das THW in vielerlei Hinsicht weiterentwickelt. Von Anfang war der Leitgedanke jedoch gleich, der für alle 80.000 freiwilligen Helfer*innen an oberster Stelle steht. Sich ehrenamtlich für den Schutz von notleidenden Menschen zu engagieren, ist eine humanitäre Idee, die das THW nicht nur im Inland, sondern auch weit über die Grenzen der Bundesrepublik und Europas hinaus auszeichnet: „Helfen können und helfen lernen.“

Gegen Ende seines Vortrags lag Broemme eine Sache besonders am Herzen, welche er den Teilnehmenden des „jugend presse kongress” mit auf dem Weg gab: „Wenn Sie es in ihrem Berufsleben irgendwann einmal nach oben schaffen und dann Vorstände und Chefs sind, werden Sie hoffentlich auch Leute haben, die sich ehrenamtlich betätigen und dann ab und zu mal zu Einsätzen wegmüssen. Mein Wunsch ist es für genau solche Momente: Fördern sie das Ehrenamt. “

Denn für Broemme ist das Ehrenamt etwas, was man freiwillig tut, gleichzeitig jedoch auch eine Verpflichtung der Gesellschaft gegenüber eingeht. Broemme zitiert an dieser Stelle gerne den ehemaligen US-Präsidenten Kennedy: „Wenn eine freie Gesellschaft den Vielen nicht helfen kann, die arm sind, kann sie die Wenigen nicht retten, die reich sind.“

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