Was wäre wenn?

Was ist eigentlich diese Utopie und wie kommen wir dahin?

Wenn ich morgens aufwache, bin ich meistens schon frustriert, bevor ich die Wärme meines Bettes überhaupt verlasse. “Wo gehen wir mit unserer Gesellschaft nur hin?”, frage ich mich viel zu oft, wenn ich die Nachrichten lese oder durch Instagram scrolle. Dabei lautet die eigentliche Frage doch: “Wo wollen wir hin?”

Wie sieht deine Zukunft aus?

Eine große Frage, über die bestimmt jeder schon einmal nachgedacht hat. Woran denkst du, wenn du an die Zukunft denkst? An selbstfahrende Autos und Technik, die uns besser kennt als unsere Freund*innen? An grüne und Auto-freie Städte? Oder an eine Gesellschaft, in der alle Menschen gleich sind, egal mit welchem Geschlecht sie sich identifizieren, welche Hautfarbe sie haben oder welcher Religion sie sich angehörig fühlen ?

Mir fällt dieses Denken gerade besonders schwer. Mein einziger Wunsch für die Zukunft ist, dass wir uns wieder in Gruppen treffen dürfen und Umarmungen zum alltäglichen Leben dazu gehören. Dieses Zukunftsdenken kann eine Utopie sein, aber auch das genaue Gegenteil. Das kommt ganz darauf an, wer sich diese Zukunftsszenarien anguckt und welche Emotionen dabei hervorgerufen werde. Was für die*den eine*n die perfekte Utopie ist, kann für die*den andere*n ein dystopischer Albtraum sein. Allerdings bin ich mir sicher, dass wir uns einig sind, nicht für immer in einer Pandemie leben zu wollen.

Das Jetzt nutzen, um das Morgen zu gestalten

Diese Pandemie bietet eine Ungewissheit, mit der viele nicht umzugehen wissen. Andere nutzen genau diesen Moment des Umbruchs, um den Gedanken freien Lauf zu lassen und sich Zukunftsvisionen auszumalen, die sie sich vorher nie haben träumen lassen. Und ist nicht vielleicht gerade jetzt der Zeitpunkt, um sich diese Gedanken zu machen? Veränderungen wird es so oder so geben, da könnten wir diese Chance doch nutzen und die Veränderungen mitgestalten.

Wenn die Krise erstmal vorbei ist und sich das Leben wieder stabilisiert hat, ist bestimmt kein guter Zeitpunkt für die Umsetzung einer Utopie. Das würde nämlich bedeuten, nochmal alles was wir uns nach der Krise wieder aufgebaut haben, über den Haufen zu werfen. Wenn Utopien Zukunftsformen sind, die der Gegenwart kritisch gegenüberstehen, wie sieht also dein Gegensatz zu der Corona-Pandemie aus? Wie sieht deine ideale Zukunft aus?

Utopisches Denken hier, handeln wo?

Utopisches Denken: Schön und gut. Aber was bringt uns das? Kann man das alles überhaupt umsetzen? Das Wort Utopie setzt sich ursprünglich zusammen aus Utopia – dem ‘nicht-Ort’ und Eutopia – dem ‘Glücks-Ort’. Sind Utopien also gar nicht für die Wirklichkeit gemacht? Wie realisierbar kann eine Utopie dann schon sein? – Das kommt ganz darauf an, wie groß du deine Utopie denkst.

Oft sind diese Zukunftsvisionen auf einzelne Teilbereiche bezogen, die aber in sich schon sehr komplex sind: ein transformiertes politisches System, eine Gesellschaft, die sich für den Klimaschutz einsetzt oder ein Alltag, der durch Digitalisierung vereinfacht wird. Manchmal sind in deinen Visionen aber auch die schlichtesten Sachen verankert. Zum Beispiel ein eigenes Haus mit Familie, Garten und ein gutes Umfeld an Freund*innen.

Die kleinsten Dinge kann man oft selbst direkt umsetzen oder darauf hinarbeiten und aus einer Utopie auf sicherem Wege Wirklichkeit machen. Sobald aber komplexere Systeme utopisiert werden, fehlen oft die Faktoren, die für die Utopie als Voraussetzung existieren müssen. Denn für eine klimaneutrale Gesellschaft braucht es mehr als ein paar Menschen, denen das wichtig ist.

Es geht bei Utopien aber auch nicht immer um die Realisierbarkeit. Denn wenn man frei und verrückt Denken kann, entstehen manchmal wage Ideen der Zukunft – unsere Utopien. Und diese reichen oft schon aus, um heute das Richtige zu tun. Sich eine positive, zukünftige Welt bis ins kleinste Detail vorzustellen, ist doch auch irgendwie Größenwahnsinn – wenn auch im positiven Sinne. Utopien müssen nicht erfüllbar sein für eine Daseinsberechtigung.

Das Ziel erreichen

Utopisches Denken ist also gar nicht das Ziel, sondern nur eine Methode für Innovation. Damit diese Methode funktioniert, müssen wir anfangen über unsere Utopien zu sprechen. Wir müssen uns gegenseitig beeinflussen. Wir müssen Übereinstimmungen finden und gemeinsam weiterdenken. Nur wenn wir alle miteinbeziehen, können wir ein gemeinsames Zukunftsbild schaffen.

Aber ist diese Idee einer Utopie nicht selbst eine Utopie? Eine Gesellschaft, in der es normal ist über Träume zu sprechen und Kompromisse einzugehen, um einen gemeinsamen Traum zu schaffen? Vielleicht. Aber was man sich vorstellen kann, kann auch wahr werden.

Deine Utopie ist dein Puzzle des “was wäre, wenn?”, was dazu führt, dass kleine Puzzleteile in die Wirklichkeit finden, mit den Puzzleteilen anderer Utopien neu zusammengesetzt werden und das Leben in unserer Gesellschaft Teil für Teil besser machen. Also träume weiter, aber träume vor allem gemeinsam, damit aus Träumen Wirklichkeit werden kann. Damit aus unseren Utopien unsere Zukunft wird.

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Bild mit freundlicher Genehmigung von Kim Rothe
Kim Rothe Verfasst von: