„Wir dachten wirklich, wir klingen wie die Arctic Monkeys“

– Ein Interview mit dem britischen Musiker Elderbrook

Energetisch, einfühlsam, experimentell: Der Musiker Elderbrook gehört zu den großen Newcomern in der Elektro-Szene. Zu seinen bekanntesten Songs gehören Cola, Old Friend und Capricorn. Im verschroben-charmanten Club Waagenbau packt er alte Erinnerungen und neue Zukunftspläne aus, während S-Bahnen über uns hinweg fahren.

FREIHAFEN (FH): Wie würdest du deine Musik beschreiben und was ist das Besondere daran?
Elderbrook (E): Meine Musik ist ein Mix aus Indie, Elektro und ein bisschen Dance. Sie ist wesentlich emotionaler als andere Beats zum Tanzen – das macht das Ganze außergewöhnlich. Ansonsten baue ich oft meinen Gesang in die Songs ein.

FH: Warum machst du gerade elektronische Musik?
E: Ich liebe es einfach, wie Elektro live klingt. Auf Konzerten knistert es richtig, wenn die Leute tanzen und Spaß haben. Außerdem kannst du alle möglichen Sounds in elektronische Musik einbauen. In einer Band hast du meist die typischen Instrumente wie Gitarre, Bass oder Schlagzeug. Das ist auch gut, aber das Tolle an Elektro ist diese Grenzenlosigkeit.

FH: Dabei hast du deine ersten Erfahrungen mit Musik in einer Indieband gemacht.
E: Genau, als ich noch zur Schule ging, war ich als Gitarrist und Sänger mit ein paar Freunden in einer Indieband. Wir dachten wirklich, wir klingen wie die Arctic Monkeys oder Kings of Leon (lacht). Nach dieser Zeit versuchte ich es allein mit Folk- und Country-Songs. Da gab es nur noch die Gitarre, meine Stimme und mich. Mit dem Computer nahm ich die Melodien dann auf und experimentierte herum. Daraus wurde schließlich das, was Elderbrook heute ist.

FH: Vor Kurzem hast du auch eine Akustik-Version von deinen Songs Capricorn und Old Friend veröffentlicht. Möchtest du in Zukunft wieder mehr in diese Richtung gehen?
E: Das habe ich auf jeden Fall vor. Mit den Akustik-Versionen habe ich das Gefühl, meinen musikalischen Wurzeln wieder ein wenig näher zu sein. Einen Mix davon kann ich mir gut vorstellen – ich mache sowieso gerne viele unterschiedliche Sachen. Wenn es langsam und einfühlsam anfängt und später in elektronische Sounds übergeht, kommt nochmal eine ganz andere Stimmung auf.

FH: Welche Themen behandelst du in deinen Songs?
E: Ich liebe es Geschichten zu erzählen. In Capricorn geht es zum Beispiel um jemanden, der von Esoterik und Horoskopen genervt ist. Meine Texte müssen nicht viel mit der Realität zu tun haben und können auch mal lustig sein. Ich denke, da zeigt sich meine Liebe zur Country-Musik (lacht).

Elderbrook gehört zu den großen Newcomern der Elektroszene.

FH: Wie entsteht deine Musik?
E: Das ist unterschiedlich. Melodien kommen mir manchmal bei ganz alltäglichen Dingen in den Kopf, zum Beispiel beim Kaffeekochen. Dann nehme ich sie mit meinem Handy auf und spiele auf dem PC ein bisschen damit herum. Das Wichtigste ist für mich dabei, nicht lange darüber nachzudenken und einfach mal zu machen.

FH: Wie stehst du zu Remixes von deinen Songs? Geht etwas von dir dort verloren oder identifizierst noch mit ihnen?
E: Das hängt vom Remix ab. Natürlich geht etwas von meinem Stil darin verloren, aber das ist gar nicht schlimm. Ein Remix enthüllt einfach eine andere Facette des jeweiligen Songs und entwickelt einen eigenen Charakter. Aber meine Stimme ist ja immer noch da, so überschneiden sich viele Elemente. Je mehr Musik, desto besser! (lacht).

FH: Beeinflusst die Musik, die du hörst, deinen eigenen Stil?
E: Auf jeden Fall. Ich höre so gut wie alles. Heute habe ich zum Beispiel den ganzen Tag Indie-Rock gehört, aber auch Country oder ein bisschen Jazz wie Billie Holiday und Sam Cooke. Das beeinflusst meine Songs natürlich. Manche klingen dann nach Gospel oder haben Hip-Hop-Elemente. So entstehen ganz neue Kombinationen.

FH: Mit wem würdest du gerne mal zusammenarbeiten?
E: Ich denke, Mura Masa und ich könnten etwas Cooles zusammen machen. Das würde ich gerne mal ausprobieren. Mit Künstlern wie Jamie XX und Bonobo kann ich mir auch vorstellen zusammenzuarbeiten. Ich finde die Arbeit mit neuen Leuten generell sehr spannend, weil es immer ein bisschen anders ist. Man weiß nie, was dabei entsteht.

FH: Heute legst du hier im Waagenbau auf und demnächst auf dem Coachella, einem der größten Festivals der Welt. Was magst du lieber: kleine Konzerte oder große Festivals?
E: Ich mag beides sehr gern. An kleinen Clubs liebe ich diese Atmosphäre und die Energie – das ist total intensiv. Festivals machen auch Spaß, weil man draußen tanzen kann und so viele Leute erreicht.

FH: Gibt es eine Bühne, auf der du am liebsten spielst?
E: Das Reading and Leeds Festival gehört auf jeden Fall dazu, das war mein erstes Festival. Damals war ich noch ein kleiner Junge. Wieder dorthin zurück zu kommen und auf so einer großen Bühne vor so vielen Leuten zu spielen, war etwas ganz Besonderes.

FH: Danke für das Interview und viel Spaß beim Konzert.
E: Danke dir!

Bilder mit freundlicher Genehmigung von Elderbrook / PR und Copyright: Elderbrook / PR
Julia Grasmück Verfasst von:

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